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Sonntag, 5. Februar 2012

Am Grab von Bruce Chatwin

Es hat mich drei Anläufe gekostet. Doch heute war es nun soweit. Ich stand an dem Ort, wo die Asche des berühmten Reiseautors Bruce Chatwin begraben liegt. Ein toller Moment.

Zur Vorgeschichte. Schon im Jahr 2010, als ich zum Schreibseminar hier war, erfuhr ich, dass der Reiseschriftsteller Patrick Leigh Fermor in Kardamily lebt, nur 10 km von unserem Seminarzentrum entfernt, in einem wunderschönen, traditionellen Steinhaus direkt am Meer. Ich muss gestehen, bis dahin war mir Fermor nicht weiter bekannt. Erst im Laufe des Workshops, erfuhr ich von anderen Teilnehmern, dass Fermor zu der ersten Generation der Reiseschriftsteller gehört, und gleichzeitig zu den Besten seiner Zunft. Seine Bücher sind echte Klassiker der Reiseliteratur und haben viele nach ihm inspiriert. Mit 18 zog er von  London aus los, mit leichtem Gepäck und wenig Geld, zu seiner Reise quer durch Europa der 30er Jahre, mit dem Ziel Konstantinopel. Aus seinen Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen entstanden viele Jahre nach seiner Rückkehr zwei Bücher: "Die Zeit der Gaben" (das ich gerade lese) und " Zwischen Wäldern und Wasser". Später schrieb er noch diverse Bücher, zum Beispiel über seine Wahlheimat hier auf den Peloponnes, die Mani, aber seine ersten beiden Bücher, sind die bekanntesten und machten ihn gleich berühmt.

Seine Bücher und  wortgewaltigen Erzählungen inspirierten viele Autoren und Schriftsteller nach ihm, so auch den jungen Reiseautor Bruce Chatwin, der später einmal selbst zu den Großen in seinem Genre zählen sollte. Fermor war für Chatwin das grosse Vorbild, und insgeheim beneidete er ihn, für seinen umfassende literaische Bildung und seine präzise Sprache. Beide waren Engländer und wurden bald Freunde.
Irgendwann vor einigen Monaten, lass ich in einer Zeitschrift, dass Chatwins Asche in der Nähe von Kardamily begraben liegt. Wenige Tage nachdem ich hier war, erinnerte ich mich daran, und begann meine Recherchen im Internet. So fand ich heraus, das Chatwin regelmäßig seinen Freund Paddy Fermor hier in Kardamily besuchte. Morgens ging er in die Bucht zum surfen, arbeitete dann bis Nachmittags und anschließend machte er mit seinen Freund ausgiebige Wanderungen im Taygetos- Gebirge, oberhalb von Kardamily. Bei einer diese Wanderungen kamen sie an einem atemberaubend schönen Platz, mit einer alten byzanntischen Kapelle. Von dort aus hatten sie einen umwerfenden Blick aufs Meer und die angrenzenden Berge. Der weitgereiste Chatwin fand diese Stelle so wunderbar, dass er in seinem Testamtent verfügte, hier oben begraben zu werden. Als Chatwin dann schon sehr früh verstarb, 1989 , erfüllte ihm sein Freund Paddy Fermor diesen Wunsch.

Das kann man alles nachlesen, unter anderem in zwei Artikeln von Reiseautoren aus der jüngeren Zeit, die auch dieser Geschichte nachgingen und die Kapelle ausfindig machten. Es ist ja kein richtiges Grab in dem Sinne, dass dort ein Grabstein steht, oder eine Inschrift. Und da es hier in den Hängen und Bergen, Kapellen und Kirchen, wie Sand am Meer gibt, war es nicht einfach, die Richtige zu finden. Das galt für mich, wie wahrscheinlich für die beiden Autoren auch.

Ich stütze mich auf deren Angaben und begab mich vor rund 3 Wochen das erste Mal auf die Suche. Mit einer hier lebenden Schweizerinn fuhr ich zu einem abgelegenen Dorf, weit oben in den Bergen, dessen Name in einem der beiden Artikel erwähnt wurde. Und stiessen damit gleich auf ein weiteres Problem. Hier in Griechenland ist es üblich, das Dorfnamen mehrfach für Ortschaften vergeben werden. Die Bedeutung dieses Dorfnamens, war einfach nur "oberes Dorf " und davon gibt es wahrscheinlich einige in Griechenland. Das fanden wir aber erst nach unserer Rückkehr heraus. Natürlich frugen wir uns durch, da wir auch einen Namen der Kapelle hatten und standen dann auch vor der, mit einem trügerischen Gefühl von Sicherheit, das ist sie. Der Name der Kapelle sollte "Agios Nikolaus" sein, was "Heiliger Nikolaus" bedeutet. Kapellen mit diesen Namen gibt es hier wahrscheinlich noch öfter, als Dörfer mit gleichen Namen. Also war dies eine schöne Wanderung in den Olivenhängen, aber mehr nicht.

Eine Woche später, beim zweiten Anlauf kam ich der Sache schon näher, wenigstens geografisch. Diesmal ging ich an einem freien Sonntag alleine auf die Suche. Sicher war nun, es muss direkt oberhalb von Karadamily sein, in den Bergen mit einem freien und weiten Ausblick aufs Meer. Ich fuhr hoch in das Dorf Agia Sofia. Dort gibt es eine bekannte Kirche auf einem Plateau, welche die Attribute, Ruhig, Ausblick, alt, Steinmauer herum, erfüllte, von der ich aber aus den Artikeln wusste, dass es sie mit Sicherheit nicht ist. Von hier aus, soll es  nocheinmal 1 Std. zu Fuss zu der vermeintlichen Stelle sein. Ich wanderte ein wenig herum, schaute nach versteckten Kapellen, fand aber nichts, und hatte irgendwann keine Lust mehr.


Letzte Woche bekam ich dann den entscheidenden Hinweis. Eigentlich hatte ich die Sache schon abgehakt. Meine Nachbarin Barbara lud mich zu einem kleinen Ausflug ein. Ausgerechnet nach Agia Sofia zu einer Deutschen die dort ein Haus hat. Als wir dann auf der Terrasse in der Sonne bei Tee und Kekse sassen, sprach ich das Thema an. Ein letzter Versuch. Marion, die hier seit Jahren lebt, muss doch von dieser Geschichte schon mal gehört haben?! Und ja, so war es. Sie wusste sofort Bescheid, und meinte, die Kapelle sei nicht weit von hier. Und dies wäre 100% die Richtige. Im Sommer kommen hier immer wieder einmal Deutsche vorbei, die nach dem Weg fragen. Bingo. Sie erklärte mir den Weg. Leider war an dem Tag nicht mehr genügend Zeit für eine Expedition. Aber eins war klar, ich werde es ein letztes Mal versuchen.

Und dieser letzte Versuch fand heute statt. Ich fuhr mit dem Pick-Up rauf nach Agia Sofia. Kurz vor dem Dorf parkte ich. Ich folgte der Beschreibung von Marion. Ja tatsächlich, es gibt einen aspahltierten Weg. Gespannt und mit schnellem Schrittes schriet ich voran. Da, links, eine kleine Kapelle. Genau wie es Marion mir erklärt hat, man stößt auf eine Kapelle, die ist es aber noch nicht, man muss weiter. Ich folgte weiter dem Weg. Nun wird es wieder steinig, und steiler. Links und rechts säumen Olivenbäume den Weg. Es geht immer weiter nach oben. Je höher man kommt, desto schöner wird der Ausblick. Ja das könnte es sein, ich bin auf der richtigen Fährte. Gierig schaue ich nach oben, nach rechts und links, mit der Hoffnung endliche eine Spitze von einem Kreuz zu sehen. Dann, nach ungefähr 20 Minuten marschierens von der ersten Kapelle, sehe ich links über mir eine weitere. Eine Ältere wie mir sofort ins Auge fällt. Ein weisses Holzkreuz thront auf dem Gibel. Das muss sie sein! Als ich fünf Minuten später vor der kleinen Holztür stehe, mich umdrehe, und aufs Meer schaue, habe ich keine Zweifel mehr: hier oben wurde Bruce Chatwins Asche begraben. Was für ein Ausblick, auch jetzt, wo es stark bewölkt ist. Was für eine Ruhe. Sonnenstrahlen reflektieren auf dem Meer. Rechts sieht man die Hänge des Gebirges. Unter mir die Umrisse von Agia Sofia und noch weiter unten die von Kardamily.

Zwar stark bewölkt, aber trotzdem atemberaubend


Nun kann ich verstehen warum Bruce Chatwin, der überall auf der Welt war, alle Kontinente bereist hat, sich diesen Platz als seine letzte Ruhestelle ausgesucht hat. Lange kann ich nicht verweilen und schwelgen, es fängt an zu regnen. Und wie, Hagel mischt sich mit dem Starkregen. Es gibt hier nichts zum unterstellen, ausser, hinter mir die Kapelle. Die Holztür ist angelehnt. Zögernd, mit einem lauten Knarren, öffne ich langsam die Tür. Bei solchen Aktionen habe ich immer die Befürchtung hinter der Tür verbirgt sich etwas, etwas das ich jetzt aufschrecke, eine kläffende Bestie, eine Schlange oder auch nur einen Bergeremit. Es regnet so stark, das mir die Entscheidung leicht gemacht wird. Ich trete in die alten Gemäuer ein. Heiligenbilder hängen an der Wand, Kerzenhalter, ein Ständer, hier kommen offensichtlich immer wieder mal Menschen vorbei. Ich schliesse ein wenig die Tür, aber nicht ganz, sonst ist es duster. Nach 10 Minuten ist der Schauer vorbei, und ich begebe mich auf den Rückweg, bevor es wieder anfängt.

Die Asche wurde in der Nähe unter einem Olivenbaum vergraben.

Ruhe sanft, weitgereister Nomade....

Mittwoch, 25. Januar 2012

Bericht aus dem Winterquartier

Nach rund 6 Wochen Aufenthalt in meinem gemütlichen Winterquartier hier auf der Mani, dachte ich mir, es wird Zeit für einen Bericht, wie ich hier meine Zeit verbringe und es mir so ergeht.

Morgens stehe ich zwischen 7 und 7.30 auf. Mein Tag beginnt auf dem Sitzkissen mit einer halben Stunde Meditation. Danach setze ich mich an den kleinen Rundtisch in meinem Häuschen, und beginne eine andere Art der Meditation. Ich schlage ein liniertes Schulheft auf und fange an zu schreiben. Alles was gerade in meinem Bewußtsein herumfliegt, egal was, wird niedergeschrieben, zwei bis drei Seiten lang. Das dauert ungefähr eine weitere halbe Stunde und nennt sich Morgenseiten. Eine sehr empfehlenswerte Technik aus dem Buch „Der Weg des Künstlers“, egal ob man mit Schreiben etwas am Hut hat oder nicht.

Nach diesen unterschiedlichen Arten der Meditation, fühle ich mich aufgeräumt und sortiert, und kann den Tag beginnen. Nun erfolgt mein Frühstück. Nahrhaft und gesund soll es sein und dazu nicht allzu teuer. Ich glaube mittlerweile bin ich ein Meister darin, sich mit geringem finanziellen Aufwand gut und ausreichend zu ernähren. Während der Tour hatte ich darin ja genug Übung. So koche ich mir meinen Tee, schwarz oder grün, dazu gekochte Haferflocken mit Äpfel oder Bananen und zwei Scheiben Toast mit einem feinen Aufstrich Nuss-Nougat-Creme. Ich setze mich an meinen Tisch, mit Blick zum Fenster und genieße meine erste Mahlzeit des Tages. Die sonst obligatorische Zeitungslektüre am Morgen brauche ich hier nicht, auch wenn ich gelegentlich eine deutsche Zeitung von meiner Nachbarin bekomme. Der Ausblick auf das metallisch schimmernde Meer und dem blauem Horizont, ersetzt eine Zeitung voll und ganz.

Wenn die Toastscheiben verspeist sind, ich ein paar Schlücke Tee getrunken, und von meinen Haferbrei genascht habe, geht’s an die morgendliche Arbeit. Dafür brauche ich noch nicht einmal den Platz zu wechseln, diese Art von Arbeit kann ich direkt hier am Tisch erledigen. Ich schlage mein Arbeitsheft auf und beginne mit den wöchentlichen Aufgaben und Übungen aus dem „Künstlerbuch“. Bis 11 Uhr habe ich dafür Zeit, so habe ich es mit meiner Gastgeberin vereinbart.



Ab 11 Uhr beginnt dann der zweite grosse Abschnitt des Tages, und mein Anteil des Gebens, dafür, dass ich hier in diesem wunderbaren Haus wohnen darf. Wir haben uns hier auf ein Tauschmodell verständigt, oder anders, ein Gib- und Nimm Modell. Dieser Anteil besteht hauptsächlich aus Tätigkeiten im Bereich des Gartens. Da gibt es einiges zu pflegen und zu tun, in diesem riesigen,trassenförmig angelegten Hain, mit Olivenbäumen, Kräutern und einer großen Anzahl von Blumen: Unkraut jäten, aufräumen, fegen, Bäume schneiden, Äste hexeln.
Zwischen 12.30 und 13.00 gehe ich in mein Haus, und bereite mir mein Mittagsmahl. Nach einer halben Stunde geht es dann meist weiter. Gegen 16 Uhr habe ich „Feierabend“. Danach beginnt wieder meine Zeit. Diese verbringe ich mit Lesen, schreiben, Wandern, spazieren gehen, malen, spielen und Gesprächen über "Gott und die Welt" mit meinen Gastgebern und meiner Nachbarin, die auch eine Deutsche ist. Ab und an koche ich was leckeres für alle, gehe einkaufen, fahr den Müll weg oder gehe mit den Hunden raus. Sonntags habe ich meistens „frei“, einen ganzen Tag für mich, den ich gerne für ausgiebige Tagesausflüge nutze. Abgerundet wird dieses ganze Programm durch gelegentliches Weggehen in urige Tavernen, mit traditionellen Essen und ein oder zwei Gläschen griechischen Weins.

Ich glaube, nach 6 Wochen kann ich aus vollster Überzeugung sagen, diese Zeit hier ist in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung für mich. Ja, ich behaupte sogar, hier findet ein entscheidender Entwicklungs- und Entfaltungsprozess für meine nahe Zukunft statt.

Auch diese Zeit nähert sich langsam, aber stetig, ihrem Ende entgegen. Es gibt neue Pläne und Ideen. In erster Linie geht es zunächst einmal um meine Rückreise nach Deutschland. Das war eigentlich immer klar, nach Griechenland geht es zurück, ein Neuanfang.Viele unterschiedliche Varianten gingen mir diesbezüglich in den vergangenen Wochen durch den Kopf. Nun wird eine davon immer konkreter. Mehr dazu zur gegebenen Zeit, wenn ich meine Planungen abgeschlossen habe. Aber, soviel kann ich jetzt schon sagen, es soll in den Kontext und das Anliegen der gesamten Tour passen. Der erneute Aufbruch, zum passenden Abschluss dieser Way of Living – Tour, soll in 4-6 Wochen beginnen.




Bis dahin genieße und nutze ich noch die verbleibende Zeit in diesem Kleinod der Inspiration und des spirituellen Wachstums.
Ich fühle mich derzeit sehr leicht und gelassen, habe ich das schon gesagt? Grüße aus der Sonne und der Leichtigkeit.


Sonntag, 11. Dezember 2011

Unterwegs in die Sonne



Wer vertraut, den behütet das Schicksal!
Unbekannt


Und so, nach einigem Hin und Her, fielen irgendwann die Würfel. Ich spürte, das ich in Bewegung bleiben musste, um in Gleichgewicht zu bleiben! Das finanzielle war das eine, das andere war mein gewonnener Gleichmut, meine spürbar zunehmende Gelassenheit gegenüber vielen vermeintlichen Problemen des Alltags, die ich während des Reisens immer wieder erfahre.
Das Reisen lehrt mich, die Dinge so zu akzeptieren wie sind sie, oder wie sie kommen. Die neuen Umstände und Menschen auf die ich immer wieder treffe, sind meine Lehrer. Ob der schweißtreibende Anstieg hinter der nächsten Kurve, ein kläffender Hund von der Seite oder eine Regenfront auf die ich zufahre, all dies kann ich nicht ändern, das sie auf meinem Weg liegen, und so bleibt mir nur es anzunehmen, wenigstens es zu versuchen, obgleich ich immer wieder fluche, schimpfe oder schreie, raus damit, weg damit, fertig damit.

Eine Rückkehr nach Deutschland, in Kälte, Regen, Dunkelheit, in zunehmenden Schwermut, in Verpflichtungen, in Sorgen, Langeweile, Tristestes, Papierkram, Routine, Dorfgetratsche, Belanglosem, Gehetze, Spott, Intrigen, Lügen, Stress, Hektik, Fußballbundesliga und Bauer sucht Frau, ja irgendwann kommt das wieder, werde ich mich dem allen Stellen müssen, aber noch nicht jetzt, noch habe ich einen kleinen Spielraum, Zeit mich zu wappnen, ein Schutzpolster aufzubauen aus Freude, Gelassenheit, Inspiration und Vertrauen, mich hier in Südeuropa vollzusaugen, mit Sonne und Leichtigkeit, um dann genug Reserven zu haben für diese Zeit.

Und so fiel von diesen drei genannten Optionen schon mal eine raus. Blieben noch Weiterreisen mit dem Rad, oder auf die Mani reisen, was auch kleine Reise mit dem Rad bedeuten würde. Mit Burgi, der Österreicherin, die wie erwähnt, ein traumhaft gelegenes Seminarzentrum betreibt, hatte ich schon seit einigen Tagen regen Emailkontakt. Sie lud mich ausdrücklich dazu ein, zu ihr zu kommen, um bei Ihr viel Freude und Inspiration zu erhalten, für meine kreativen und schriftstellerischen Prozesse. Nach einem Telefonat in meiner letzten Woche auf Corfu, indem Sie mich noch einmal ermutigte und mir einige Vorteile nannte, war für mich eine Vorentscheidung gefallen. Ich schlief noch mal eine Nacht darüber, und dann war es klar, ich werde auf die Mani in Südgriechenland fahren. Während des Telefonats, ergab sich nämlich auch eine günstige Möglichkeit, wie ich von dort aus nach Deutschland zurückkehren könnte. Das war unter Berücksichtigung aller momentan Aspekte, das beste „Gesamtpaket“.

Eine Weiterreise mit dem Rad durch Griechenland, auf eigene Faust, mit unbekanntem Ziel, ohne laufendem Einkommen und unbekannter finanzieller Zukunft, wäre einfach mit zu vielen Ungewissheiten verbunden gewesen. Auf der Mani gibt es ein paar Fixpunkte, eine Art Gib und Nimm Modell, deutschsprachige Bücher und viel Austausch auf spiritueller Ebene. Das alles, zusätzlich zu der Ruhe, Zurückgezogenheit, dem wärmenden Licht, dem atemberaubenden Ausblick und dem preisgekrönten biologischen Mani Olivenöl, gaben den Ausschlag für diese Option.

Nun da es klar war, galt es diesen „Kurztrip“ zu organisieren. Als erstes galt es herauszufinden, wie ich von Igoumentitsa, dem Fährhafen auf dem Festland, nach Patras komme, der grossen Stadt im Norden der Peloponnes. Apostolos und seine Frau telefonierten stundenlang bei den Fährlinien herum, ich fuhr selbst noch mal in die Stadt zu zwei verschiedenen Reisebüros, wir konnten es selbst nicht verstehen, aber es gab tatsächlich keine Fährverbindung mehr, zwischen Igoumentitsa und Patras.
Die Strecke mit dem Rad zu fahren, war von vornherein ausgeschlossen, da ich schon die rund 260 KM von Patras bis Kalamata mit dem Rad zurück legen musste, und von da aus noch mal 50 Km bis zu dem Haus von Burgi.
Kurze Zeit dachte ich schon, das wars mit der Mani, doch dann brachte mich Apostolos auf die Möglichkeit mit dem Bus zu reisen. Und tatsächlich, es gab eine Verbindung von Korfu-Stadt bis nach Patras.

Und so stand ich dann am Samstag Mittag, nach einem Abschiedsessen am Vorabend und einer herzlichen Verabschiedung am Morgen, am Busbahnhof von Korfu vor einem grossen Reisebus, und hielt die Luft an, ob ich mein Rad und die 5 Packtaschen dort hinein bekommen würde. Gestern holte ich mich schon mein Ticket, und zahlte für das Rad 10€ extra. Also wird der mich mitnehmen, irgendwie, darauf würde ich schon bestehen!
Als dann endlich der Busfahrer kam, und die Klappe öffnete, sah ich sofort, das passt. Ein Stein fiel vom Herzen. Aber der Busfahrer, ein älterer Typ in den Fünfzigern und mit Schnauzer, schaute auf mein Rad und wackelte mit dem Zeigefinger, geht’s noch? Ich habe dafür bezahlt, und es fahren nur 10 Leute mit, also genug Platz für alle? Ein junger Grieche, der für das Gepäck verantwortlich ist, spricht mit dem störrischem Kerl, und nach einigen Sätzen wird mein Rad verladen.

Mein Rad und das Gepäck sind verstaut, ich sitze auf meinem Platz, es kann losgehen. Zuerst geht es natürlich auf die Fähre von Korfu nach Igoumentitsa, 90 Minuten Zeit um mich von der Insel zu verabschieden, von der ich nicht viel gesehen habe, was ich aber irgendwann bestimmt nachholen werde.

Die Busfahrt verläuft ruhig, das einzig störende war eine lautstarke Auseinandersetzung mit dem bockigen Kerl mit Schnauzer und einer Frau, die fast in einer Handgreiflichkeit endete.
Gegen Acht kamen wir in Rio an, eine Stadt, 10 km vor Patras. Zelten war hier ausgeschlossen, außerdem wird es auch hier nun nachts empfindlich kalt. Hostels gab es keine, also musste ich in ein Hotel.

Die 260 km bis Kalamata bewältigte ich in 3 Tagen, die relativ ereignislos verliefen. Es galt Strecke zu machen, immer rechts am Straßenrand entlang der Hauptstrasse. Diesmal war nicht der Weg das Ziel, sonder so schnell wie möglich in Kalamata anzukommen. Auch die nächsten 2 Übernachtungen, verbrachte ich im Hotel, zweimal bekam ich wieder Nachlass, nachdem ich meine mittlerweile geübte, „armer Tourenradler-Story“ herunterließ. Auch wenn es mein klammes Budget noch weiter auszerrte, aber ich war einfach müde vom wilden zelten, und hier gab es auch wieder das „Hundeproblem“. Zweimal liefen mir wieder welche von Grundstücken hinterher, ich bin es echt leid, da sehe ich sie fast schon lieber auf der Strasse, als verweste Kadaver, im Durchschnitt alle 100 Meter.

Mein Ausblick

Am Dienstag, an Nikolaus, erreichte ich dann endlich Kalamata, die grosse Stadt im Süden der Peloponnes. Von hier aus waren es noch rund 50 km bis zu dem Haus von Burgi. Diese hatten es aber in sich, brutal lange Anstiege, ein ständiges Auf und Ab, das hatte ich noch in guter Erinnerung vom letzten Jahr.

So erfuhr ich von Burgi, das es einen Überlandbus gab, den ich dann auch nahm. Wieder Luft anhalten, wieder ging die Klappe zu, und mein Rad war drin.
Gegen acht erreichten wir in Stoupa die Haltestelle, von wo aus die strahlende Burgi mich mit ihrem Kombi abholte, um die letzten Kilometer zu Ihrem wunderbaren Seminarhaus zurückzulegen, bevor ich dann endlich mit einem Ausblick wie im Bilderbuch belohnt werde.


Mein Morgentee

Und so wache ich nun seit 5 Tagen jeden Morgen in meinem auf Feng Shui ausgerichteten Häuschen auf, gehe von meinem Coco-Mat-Bett zu meinem Sitzkissen um 30 Minuten zu meditieren, ziehe danach die Vorhänge auf, mache mir mein Frühstück, schaue dabei aufs Meer, und spüre wie mir dabei das Herz aufgeht.
Vormittags habe ich Zeit für mich, zum schreiben, lesen, inspirieren, mache mir dann mein Mittagessen, gehe raus in den Garten und arbeite ein paar Stunden. Abends dann ein wenig plaudern über Gott und die Welt, Sitzkissen, Coco-Mat-Bett, schlafen, träumen, ein neuer Tag im Paradies.

Ja ich fühle mich wohl hier, und das jeden Tag mehr. Die Umständen und Bedingungen könnten nicht besser sein, und so geniesse ich diese Zeit, der Erholung, der Regeneration, des Austauschs und der Inspiration, nach all den Wochen der Entbehrungen und Arbeit.
Burgi bietet für die ruhigeren Wintermonate ein spezielles Arrangement zum wohnen und leben an, freut sich immer über nette Gesellschaft und so bin ich herzlich eingeladen, den ganzen Winter in diesem herrlichem Ambiente zu bleiben.

Ob ich so lange bleibe? Wer weiß, vielleicht, ich versuche meinem Herzen zu folgen, und damit meinem Schicksal! Und...,auch wenn ich momentan nicht mehr körperlich reise, so bleibt nun mehr Raum für „geistige Reisen“, und an denen möchte ich euch in gewohnter Form teilhaben lassen.Keep on watching!

In diesem Sinne, wünsche ich all meinen Lesern eine besinnliche und schöne Vorweihnachtszeit!


Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern das man nie beginnen wird zu leben.
Marcus Aurelius