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Mittwoch, 25. Juni 2014

Als ich mich selbst zu lieben begann...


habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit,
zur richtigen Zeit am richtigen Ort bin
und dass alles, was geschieht, richtig ist – von da an konnte ich ruhig sein.
Heute weiß ich: Das nennt man SELBST-BEWUSST-SEIN.



Als ich mich selbst zu lieben begann,
konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid
nur Warnungen für mich sind, gegen meine eigene Wahrheit zu leben.
Heute weiß ich: Das nennt man AUTHENTISCH SEIN.



Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich verstanden, wie sehr es jemand beleidigen kann,
wenn ich versuche, diesem Menschen meine Wünsche aufzudrücken,
obwohl ich wusste, dass die Zeit nicht reif war und der Mensch nicht bereit,
und auch wenn ich selbst dieser Mensch war.
Heute weiß ich: Das nennt man RESPEKT



Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen
und konnte sehen, dass alles um mich herum eine Einladung zum Wachsen war.
Heute weiß ich, das nennt man REIFE.


Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, mich meiner freien Zeit zu berauben,
und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen.
Heute mache ich nur das, was mir Freude und Glück bringt,
was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt,
auf meine eigene Art und Weise und in meinem eigenen Rhythmus.
Heute weiß ich, das nennt man EINFACHHEIT.



Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war,
von Speisen, Menschen, Dingen, Situationen
und von Allem, das mich immer wieder hinunterzog, weg von mir selbst.
Anfangs nannte ich das „Gesunden Egoismus“,
aber heute weiß ich, das ist SELBSTLIEBE.



Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich aufgehört, immer recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt.
Heute habe ich erkannt: das nennt man BESCHEIDENHEIT.



Als ich mich selbst zu lieben begann,
habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben
und mich um meine Zukunft zu sorgen.
Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet,
so lebe ich heute jeden Tag, Tag für Tag, und nenne es BEWUSSTHEIT.



Als ich mich zu lieben begann,
da erkannte ich, dass mich mein Denken behindern und krank machen kann. Als ich mich
jedoch mit meinem Herzen verband, bekam der Verstand einen wertvollen Verbündeten.
Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.




Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen,
Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen fürchten,
denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten.
Heute weiß ich: DAS IST DAS LEBEN !



Charlie Chaplin an seinem 70. Geburtstag am 16. April 1959

Dienstag, 11. Februar 2014

Eine Theorie von Allem Teil 5

5. Vier Sichtweisen auf die Wirklichkeit

Nachdem ich in den letzten Beiträgen eher emotionale Themen verarbeitet habe, möchte ich heute zu mehr sachlichen Themen zurückkehren und die „Theorie von Allem“ - Serie wieder aufgreifen. Im vierten und bisher letzten Teil ging ich der Frage nach, ob sich die „grüne“ Occupybewegung weiterentwickeln kann und damit einhergehend, welche Faktoren notwendig sind, um eine persönliche sowie kollektive Weiterentwicklung voran zu treiben. Im Schlussteil streifte ich den von Ken Wilber geprägten Begriff der „Generation X“, eine kulturelle Entwicklungsebene, welche gerade am Entstehen ist, und daraus hervorgehend, dass Warten auf die neuen globalen (integralen) Gründerväter der Zukunft.

In den bisherigen vier Teilen konzentrierte ich mich auf die Spirale der Entwicklung und den darin enthaltenen unterschiedlichen Bewusstseinebenen. Eine der tragenden Säulen der Integralen Theorie, aber bei weitem nicht die Einzige. Da wir in einer zunehmend komplexer werdenden Welt leben, muss per Definition eine „Landkarte“, die den Anspruch hat, diese Welt so vollständig wie möglich abzubilden, genauso umfangreich und komplex sein. Heute möchte ich eine weitere tragende Säule der Integralen Theorie einführen:

Die vier Quadranten.


Die ewige Philosophie

Die vier Quadranten sind ein Modell des Autors und Philosophen Ken Wilber. Sie stellen eine Verbindung zweier elementarer Unterscheidung der manifesten Wirklichkeit dar. Diese Grundunterscheidungen sind:

a) innerlich/äußerlich und
b) individuell/kollektiv

( integralesleben.org )

Als erstes erkennen wir hieraus, dass, wenn wir uns der manifesten Wirklichkeit annähern wollen, es grundsätzlich auf zwei Wegen möglich ist: innen/außen oder individuell/kollektiv. Eine erste und einfache Unterscheidungsmöglichkeit der relativen/dualen Wirklichkeit.

Nach Ken Wilber existiert kein Innerliches ohne ein Äußerliches, kein Äußerliches ohne ein Innerliches, kein Singular ohne ein Plural und kein Plural ohne ein Singular, und zwar seit Beginn aller Manifestation (Urknall)."

( integralesleben.org )


"Seit Beginn aller Manifestation.“ Hier ist es sehr wichtig, genau hinzuschauen. Jahrelang hat es mir das Gehirn zermartert, wie es zusammenpassen kann, dass alle großen Weisheitstraditionen der Welt, vom Christentum über den Buddhismus zum Daoismus, von einer „Ewigen Philosophie“ (Philosophia perennis) sprechen, von einem Urgrund aller Dinge, irgendeiner Form von absoluter Gottheit, aus der alle manifestierten Dinge entstehen. Eben alles, was wir sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken können - angefangen von einer Blume im Frühjahr, einer duftenden Reisschüssel bis zum Gefühl der Liebe. Diese „Gottheit“ (oder Tao, Absolutes, Leere) ist nicht ein von allen endlichen Dingen getrenntes Großes Ding, sondern eher die Realität, das Sosein oder der Urgrund aller Dinge. Des weiteren sagen diese Traditionen, darf man sich diese Gottheit nicht als kolossales Wesen, als liebenden Vater oder einen außerhalb der Schöpfung stehenden großen Schöpfer vorstellen, sondern als die „Natur aller Naturen“, nicht etwas von allen Dingen und Ereignissen Getrenntes, eher als etwas Absolutes, welches gewissermaßen das Gewebe von allem ist, was ist.

 
Wenn wir dem folgen, bedeutet dies, dass auch der Mensch aus diesem Absolutem entstanden ist. Aber wer oder was nimmt das alles wahr?

Es gibt keine Suche nach dem Selbst, es schaut durch Deine Augen, gerade jetzt.
Das Selbst kann nicht erreicht werden.
Du kannst ganz einfach und absolut nicht erlangen, was Du nie verloren hast."

(Ken Wilber)

Diese Erkenntnis war für mich mein philosophisches Heureka. Auf einer absoluten Ebene gibt es ganz und gar nichts zu erreichen, weil es schon immer da war, langer vor meiner Geburt und lange danach. So als würden wir uns jahrelang fragen, worauf wir stehen und dann das erste Mal unsere Füße erblicken, die schon immer da waren. Mit zunehmenden Studium der Integralen Theorie setzte sich das Gedankenpuzzle immer weiter zusammen. Und zwar ganz einfach in der fundamentalen Erkenntnis: Es gibt zwei Wirklichkeiten. Und beide bedingen sich gegenseitig und beide sind gleich wichtig und gleich wahr. : Eine absolute Wirklichkeit und eine relative Wirklichkeit. Die absolute Wirklichkeit umfasst das „ICH BIN“, das Formlose, das Absolute, die Natur aller Naturen, das klare Bewusstsein. Aus dieser „Leere“ entstehen alle Dinge der relativen Wirklichkeit in unserem Bewusstsein. Hier gibt es kein gut oder schlecht, Angst oder Liebe, Schmerz oder Freude, Hunger oder Satt. Hier ist alles eins, hier ist nichts außerhalb der Berge, Flüsse und Wälder, sondern etwas, das durch die Fasern von allem und jedem fließt.

Aus diesem Urgrund entstehen alle Dinge der dualen Welt – unserer Welt. In dem Moment, wo sich unsere Seele entschieden hat, in einen Körper zu inkarnieren, betrat sie die Sphäre der stofflichen, materiellen und physischen Welt, mit all ihren Licht und Schattenseiten, mit all ihren Unterscheidungen und Dualismen, Entzückungen und Leiden. Aber das ICH BIN ist immer noch da, war immer da und wird es immer bleiben. Wie es im Diamant-Sutra steht: „Form ist Leerheit und Leerheit ist Form“. Wenn man diese beiden Wirklichkeiten als gleichwertige Dimensionen unseres Seins anerkennt, dann ergibt alles einen „Sinn“.
Die von Wilber entwickelten vier Quadranten helfen uns als Meta-Theorie, unsere immer komplexer werdende Welt, auf einer relativen Ebene so umfangreich und komplett wie möglich greifbar zu machen, indem nichts ausgegrenzt oder als falsch angesehen wird, sondern alles als Ausdruck des „Einen“ anerkannt wird und so seinen Platz in der natürlichen Ordnung der Dinge bekommt. Man kann die Integrale Theorie mit einer Alpenüberquerung vergleichen. Bevor man sich auf den Weg macht, versucht man die aktuellste und detailliertes Wanderkarte zu bekommen, weil man sich ansonsten schnell verlaufen kann. Möchte man sich durch unser immer komplexer werdendes Leben bewegen, und spürt den drängenden Wunsch dieses zu verstehen, sucht man nach einem praktischen Wegweiser, der dies alles umfasst. Die Integrale Theorie versucht diesem Anspruch gerecht zu werden.


Eine multiperspektivische Brille

Was genau beinhalten nun diese vier Quadranten? Nachdem Wilber nahezu alle Philosophien und Theorien aus Ost und West studiert hatte, trieb es ihn schier in den Wahnsinn, wie all diese Weisheiten zusammen passen sollten, ohne das die eine weniger wahr wäre als die andere - sind sie doch alle Ausdruck des „Einen“. In seiner Klause malte er eines Tages - während einer 3-jährigen Rückzugsphase - ein T-Kreuz auf ein leeres Blatt Papier. Zuvor hatte er auf unzähligen Klebezetteln all die Theorien, Systeme und Traditionen aus Ost und West zusammengetragen. Und versuchte sie zu unterscheiden und gleichzeitig zusammenzufassen. Irgendwann begann er die Zettel in die vier leeren Rechtecke zu kleben. Und plötzlich ergab alles einen Sinn und hatte seinen Platz. Wenn man die Unterscheidung der relativen Wirklichkeit in Innen/Außen und Individuell/Kollektiv als Differenzierung zulässt. Am Ende dieser Sisyphus Arbeit kamen vier unterschiedliche Perspektiven/Blickwinkel auf die Wirklichkeit heraus – die sich alle gegenseitig bedingen und ergänzen und nicht ausschließen. Dies ist elementar wichtig, ansonsten wäre es nur eine „Anhäufung“ von Theorien und Konzepten. Die vier Quadranten:

Die 4 Quadranten


Der obere linke Quadrant (O.L.) bezieht sich auf das Ich, auf alles subjektiv Erleb- und Erfühlbare, auf alles was sich im Inneren eines jeden Individuums abspielt (intentional). Man kann versuchen den Geschmack einer Erdbeere in all seinen Feinheiten einem anderem Menschen zu erklären, letztlich muss dieser selber in die Erdbeere beißen, um subjektiv den Geschmack einer Erdbeere zu erleben. Dieses innere Erleben von Zuständen, Gefühlen und Stimmungen ist einerseits unauflöslich vernetzt mit unserem physischem Gehirn, andererseits mit der jeweiligen Natur und Umgebung in der es lebt. Der Einzelne lebt nicht in einem luftleeren Raum. „Ein individuelles oder subjektives Bewußtsein existiert jedoch nicht in einem Vakuum; kein Subjekt ist eine Insel für sich. Das individuelle Bewußtsein ist unauflöslich vernetzt mit dem objektivem Organismus und Gehirn, mit der Natur, mit Gesellschaftssystemen und Umwelt und mit kulturellen Rahmenbedingungen, gemeinsamen Werten und Weltanschauungen.“ (Ganzheitlich handeln, S. 63)

Und damit berühren wir den oberen rechten Quadranten (O.R.). Hier ist das Es zu Hause - alles was man wiegen, messen und überprüfen kann. Alles was sich hier abspielt ist Verhaltensbezogen. Die empirische Wissenschaft mit all ihren Versuchsreihen und Forschungen hat hier ihren angestammten Platz (was man verifizieren und belegen kann). „ Der Oben-Rechts-Quadrant“ ist das Individuum aus objektiver, empirischer, „wissenschaftlicher“ Sicht. Das schließt insbesondere ein: organische Körperzustände, Biochemie, neurobiologische Faktoren, Neurotransmitter, organische Gehirnstrukturen (Gehirnstamm, limbisches System, Großhirnrinde) und so weiter. Wie immer wir die tatsächliche Beziehung zwischen Geist/Bewußtsein (Oben links) und Gehirn/Körper (Oben rechts) einschätzen, wir können zumindest darin übereinstimmen, dass sie eng miteinander verbunden sind“. (Ganzheitlich handeln, S. 63)

Damit haben wir die beiden individuellen/innerlichen Quadranten kurz umschrieben. Jetzt gelangen wir zum ersten kollektiven/äußeren Quadranten. Wie schon angedeutet, ist jedes Subjekt oder Ich in einen kulturellen Kontext eingebettet und lebt nicht in einem Vakuum. Sondern in einem Wir aus gemeinsamen Werten, Wahrnehmungen und Bedeutungen, eben einer Kultur, verbunden mit einer gemeinsamen Sprache. Somit gelangen wir zum ersten kollektiven Quadranten, dem unterem linkem Quadranten (U.L.) „Der Unten-Links-Quadrant beinhaltet diejenigen Muster im Bewusstsein, welche allen Menschen gemeinsam sind, die sich „in“ einer bestimmten Kultur oder Subkultur befinden. Damit Sie und ich uns überhaupt verstehen können, müssen wir zumindest eine gewisse linguistische Semantik gemeinsam haben sowie zahlreiche Wahrnehmungen, Weltanschauungen, die sich zu einem bestimmten Grad überlappen (damit Kommunikation überhaupt möglich ist), und so weiter. Diese gemeinsamen Werte, Wahrnehmungen, Bedeutungen, semantischen Standorte, kulturellen Praktiken, Ethiken und dergleichen bezeichne ich einfach als Kultur oder die intersubjektiven Muster im Bewusstsein.“ (Ganzheitlich handeln, S. 64)

All diese intersubjektiven gemeinsamen Wahrnehmungen, Werte, Traditionen und Anschauungen eines kulturellen Kontextes haben nichtsdestoweniger objektive (äußere) Entsprechungen. Wiederum existieren auch diese Anschauungen und Werte nicht in einem luftleeren Raum. Vielmehr treffen sie auf physische und techno-ökonomische Institutionen und Gesellschaftsformen. Beginnend in unserer Evolutionsgeschichte bei den Sammler- und Jäger Horden über die Agrarkultur, das Industriezeitalter bis zum heutigen Informationszeitalter. Mit diesen äußeren Korrelaten einer bestimmter kulturellen (intersubjektiven) Entwicklungsstufe berühren wir den Unteren rechten Quadranten (U.R.), dem Wir alle. „ Diese kulturellen Wahrnehmungen, die alle bis zu einem gewissen Grad in intersubjektiven Räumen im Bewusstsein vorhanden sind, haben nichtsdestoweniger objektive Korrelate, die empirisch entdeckt werden können – physische Strukturen und Institutionen einschließlich techno-ökonomischer Formen (Sammeln und Jagen, Gartenbau, Seefahrt, Landwirtschaft, Industrie, Information), Architekturstile, geopolitische Strukturen, Formen der Informationsübermittlung (vokale Zeichen, Ideogramme, Buchdruck, Telekommunikation, Mikrochips), gesellschaftliche Strukturen (Überlebenshorden, ethnische Stämme, Feudalordnungen, Nationen, körperschaftlich organisierte Staaten, Wertegemeinschaften und so weiter). Diese intersubjektiven Wirklichkeiten bezeichne ich im allgemeinen als das Gesellschaftssystem (Unten-Rechts-Quadrant). (Ganzheitlich handeln, S.64)

Wenn man einen Blick auf die relative Welt wirft, kann man sich die vier Quadranten wie eine multiperspektivische Brille mit vier Linsenprismen vorstellen. Man schaut quasi gleichzeitig durch vier Linsen. Lässt man drei Linsen weg und schaut beispielsweise nur durch die Linse des wissenschaftlichen Empirismus (O.R.), blendet man dadurch automatisch drei andere Sichtweisen (Quadranten) aus. Nun hat man die Brille des strengen empirischen Forschers auf, der nur das für wahr hält, was er durch seine Brille sieht. In der Integralen Theorie ist dazu der Begriff des (Quadranten) Reduktionismus geprägt worden. Der Vorteil einer integralen, vierprismigen Brille liegt auf der Hand. Man sieht dadurch alle vier Bereiche der relativen (dualen) Wirklichkeit. Sobald man eine Linse scharf stellt, blendet man dadurch notwendigerweise die drei anderen aus. Ein einfaches Beispiel soll diese multiperspektivische Sichtweise verdeutlichen.

Ein Gedanke

Einen Gedanken der mir kommt erlebe ich phänomenologisch (oberer linker Quadrant). Dieser Gedanke hat hirnphysiologische Entsprechungen (oberer rechter Quadrant). Der Gedanke entsteht vor dem Hintergrund meiner kulturellen Prägungen und Entwicklung und ist von diesen geformt (unterer linker Quadrant). Gleichzeitig ist dieser Gedanke auch geprägt und geformt von den sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen in denen ich lebe (unterer rechter Quadrant).

(integralesleben.org )

Die nachfolgenden Diagramme geben uns noch einmal einen groben Überblick über die vier Quadranten (Diagramm 1) sowie einige repräsentative Vertreter daraus (Diagramm 2). Man kann die vier Quadranten auch auf drei einfache „Nenner“ bringen bzw. zusammen, nämlich auf: ICH (O.L.) - WIR (U.L.) – ES/se( O.R./U.R.). Daher können die vier Quadranten zu den „Großen Drei“ vereinfacht werden (Ich, Wir und Es.) Diese wichtigen Dimensionen lassen sich auf viele unterschiedliche Weisen umschreiben: Kunst, Moral und Wissenschaft; das Schöne, das Gute und das Wahre; Selbst, Kultur und Natur.“ (Ganzheitlich handeln, S. 66)

Ich 

Wir

Es

Selbst Kultur Natur
Schönheit Gerechtigkeit Wahrheit
Ästhetik Moral Wissenschaft

Diagramm 1
( Integral-con-text.de )



ICH
WIR
ES
SIE (ES-se)
Freud Thomas Kuhn B.F. Skinner Systemtheorie
C.G. Jung Wilhelm Dilthey John Watson Talcott Parsons
Piaget Jean Gebser John Locke Auguste Comte
Aurobindo Max Weber Empirismus Karl Marx
Plotin Hans Georg Gadamer Behaviorismus Gerhard Lenski
Gautama Buddha

Physik, Biologie, Neurologie Ökologisches Gewebe des Lebens


Diagramm 2: Einige repräsentative Theoretiker in jedem Quadranten
(Ganzheitlich handeln, S. 65)

Zum Ende möchte ich Ken Wilber noch einmal zu Wort kommen lassen, um ein weiteres Mal zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, alle vier Quadranten (Linsen) gleichermaßen zu berücksichtigen, um einen umfassenden/vollständigen Blick auf die duale Wirklichkeit zu gewinnen:

„Es ist richtig, dass der obere linke Quadrant der Ort des Bewusstseins ist, wie es in einem Individuum erscheint, aber das ist ja der Punkt: wie es in einem Individuum erscheint. Und doch ist Bewusstsein als Ganzes verankert in und verteilt über alle Quadranten - intentional, verhaltensmässig, kulturell und sozial. "Löscht" man irgendeinen Quadranten aus, verschwinden alle anderen auch, weil jeder für die Existenz aller anderen unabdingbar ist.“

(integralesleben.org)


Montag, 16. Juli 2012

Eine Theorie von Allem Teil 4

 

4. Vertikale Transformation


Kann sich die Occupybewegung weiterentwickeln?

 Ich glaube, dass es nun an der Zeit ist sich als Bewegung weiterzuentwickeln. Die Fragen dazu könnten lauten: Was war gut in unserer bisherigen Struktur und Protest, was war schlecht, und vor allem, was können wir wirklich an Alternativen/Lösungen anbieten? Und zu dieser Weiterentwicklung gehört auch die guten Seiten der Moderne anzuerkennen. Wenn wir das kulturelle und individuelle Entwicklungs- und Stufenmodell (Spiral Dynamics)  akzeptieren, dann bildet die  "Orange-Ebene" mit ihren wissenschaftlichen Errungenschaften die Basis von Industriestaaten und damit auch die Basis von den verhassten Banken gegen die Occupy opponiert. Hier geht es natürlich um ein gutes Leben und materiellen Überfluss, auf dieser Ebene  gibt es nur Gewinner oder Verlierer. Aber das ist nur eine Seite dieser Entwicklungsstufe. "Obwohl die westliche liberale Aufklärung ziemlich von den Postmodernisten verunglimpft wurde, war die Aufklärung ein historischer Wendepunkt im Wandel von der traditionellen konservativen Ideologie (Blau) zu den universell-liberalen Werten (Orange), insbesondere der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Die Tatsache, dass der Westen diese Ideale nicht immer umsetzen kann, ist kein Grund, sie zu leugnen - ganz besonders weil jene, die sie leugnen, dies nur unter dem Schutz dieser Ideale tun können." (Boomeritis, S.103)

Das heisst ganz einfach, auf dieser Entwicklungsstufe finden wir auch das, worum es Occupy im Kern geht und das alle vereint: Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit. Neben dem was es verdammt: Kapitalismus, Ausbeutung, Unterdrückung. Wir leben in einer komplexen Welt, und man sieht an diesem Beispiel, dass es eben nicht so einfach ist nach dem "Raubtierkapitalismus" zu brüllen. Es ist nur eine Seite der Medaille. Nehmen wir die Versammlungsfreiheit, die in unserem Grundgesetz verankert ist und von der Occupy und andere Protestgruppen rege Gebrauch machen. Sie ist ein Bürgerrecht, das von Menschen  vor über 200 Jahren während der Aufklärung erkämpft wurde - Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit -, und viele dafür auch starben. Von diesen Erfolgen und Errungenschaften profitiert heute jeder einzelne Demonstrant auf der Strasse! Wie es Menschen ergeht, die nicht in einem Land leben mit einer Verfassung die solche Bürger- und Zivilrechte vorsieht, können wir an dem traurigen Beispiel China sehen. Dort werden Menschen für ihr freie Meinungsäußerung verhaftet, gefoltert und zum Teil auch hingerichtet . Das sollten wir -  und vor allem die Occupierer - bei allem berechtigten Protest gegen Fehlentwicklungen und Mißstände in unserem System immer wieder aufs neue bedenken!

"Ich bin Kapitalist und stehe dazu. Ich will nicht das System abschaffen,ich will es grundlegend neu strukturieren", sagt Thomas Occupy. Das spricht für den Realitätsbezug dieses Aktivisten. Der Ruf nach Abschaffung des Sklaventreiber "Geld" ist schnell gemacht und sehr verlockend. Ich selbst hin lange Zeit diesem Ruf nach. Wie schön ist die romantische Vorstellung man könnte ein Wirtschaftssystem ohne den Vermittler Geld am Leben erhalten, auf der Basis von "Geben und Nehmen".  Auch diese Alternative habe ich am eigenem Leibe kennengelernt, als ich für mehrere Monate in Familien und Gemeinschaften lebte. Nach genau diesem Prinzip: Mitarbeit gegen Kost und Logis. Das Zahlungsmittel Geld blieb aussen vor. Und genau aus dem Grund habe ich es gemacht: Ich wollte herausfinden, ob der Vermittler Geld wirklich immer so wichtig ist? Heute würde ich sagen: In kleineren Gruppen Nein, in größeren Systemen wohl eher Ja. Alles andere ist fernab von der Realität im 21. Jahrhundert. Das System von "Gib- und Nimm" beruht ja auf folgenden Grundsätzen: Jeder gibt das was er kann - an Fähigkeiten, Talenten, Fürsorge - und nimmt im Gegenzug nur soviel wie er wirklich braucht. Sehr hehre und wünschenswerte Ziele. Aber die Realität sieht (leider) anders aus. Und das hat auch sehr viel mit den unterschiedlichen Bewußtseinsschwerpunkten von Individuen und Kollektiven zu tun. (Wie ich von Leuten aus diversen Tauschringen gehört habe, herrscht dort nachwievor ein Gefühl des Neides und der Ungerechtigkeit)

 Der grösste Fallstrick bei dieser Retro-Romantischen Vorstellung eines "Garten Edens" auf Erden, liegt in dem Bewußtsein der Leute, die solch ein "neues Paradigma" lautstark propagieren. Sie gehen davon aus, dass ihr mitfühlendes, auf Gleichheit beruhendes Bewußtsein sich auf jeden Menschen dieser Erde ausbreiten würde, wenn nur die Mechanismen und Hebel der (patriarchalischen) Unterdrückung aufgehoben wären. Dabei übersehen sie aber vollendes, dass jeder Mensch sich aufgrund seiner individuellen Entwicklung und dem eingebunden sein in unterschiedliche kulturelle Kontexte, auf einer anderen Bewußtseinsebene befindet - nämlich einer von  Beige bis Grün. Und diese Rufe nach einem neuem Paradigma kommen meistens von "grünen" Postmodernisten. Ein "Blauer" würde zum Beispiel ein solches System des gegenseitigen "Geben und Nehmens" als völlig unrecht bezeichnen, da er stark nach dem Verhaltenskodex von absoluten und unveränderlichen Prinzipien lebt, und damit meint zu wissen, was "recht" und "unrecht" ist.

Mögliche Forderungen, wie die komplette Abschaffung des Geldes, sind leider nicht von dieser Welt, wie sie sich uns derzeit darstellt und siedeln sich im Reich des Prä-Konventionellen an. Damit  verbunden ist eine romantische Vorstellung von der Rückkehr  des "Edlen und friedvollen Wilden", der in völliger Harmonie und Einklang mit der Natur und seinen Mitmenschen lebte und von dem "bösen Geld" noch nichts wusste, welches erst Jahrhunderte später von westlichen (männlichen) Imperialisten als Unterdrückungs- und Sklavenmittel eingeführt wurde. (Auch hier: Wahr, aber nur zumTeil. Es wird geflissentlich übersehen, das es diesen Edlen Wilden niemals gab: Brandrodungen und Menschenopfer waren bei den Mayas, Inkas und anderen "Hochkulturen" an der Tagesordnung).

Nein,  Menschen leben nun mal in (Austausch-) Beziehungen und Geld ist das entsprechende Tauschmittel der Moderne. Wir müssen ja gar nicht zurückgehen, wir können voran gehen, und zwar mit einer neuen Form des Geldes. Über die Verteilung, die Mechanismen , darüber kann und sollte man reden und dazu kann die Occupy-Bewegung einen wichtigen Beitrag leisten. Aber nur, wenn sich die Bewegung einer gewissen Transformation unterzieht und als wesentlicher Teil davon, dass sich die Beteiligten bewußtseinsmäßig (innerlich) weiterentwickeln, also die Spirale weiter hinauf von "Grün" nach "Gelb", der ersten wirklich integralen Stufe, die alle vorherigen sieht und wertschätzt. Ohne die vorherigen Stufen, wie "Orange" oder "Blau" hätte sich Grün und somit auch zwangsläufig eine Bewegung wie "Occupy" niemals entwickeln können. Und Entwicklung bedeutet immer ein Umschliessen und Integrieren von dem was bisher war, nicht ein Zerstören und Nivellieren. Wieder können wir das ganz anschaulich in der Natur beobachten: Ein Molekül umschliesst Atome, eine Zelle umschliesst  Moleküle und die darin enthaltenen Atome, ein Organismus umschliesst Zellen, Moleküle und Atome.  Jeder höhere Welle empfängt und umschliesst die vorherige. Zerstört man alle Atome, zerstört man damit alle Zellen, Organismen, Ökosysteme. Weil sie eine niedere, grundlegende Basis bilden auf die alle anderen aufbauen.

 Also, Ja, zu einem Ende der grenzenlosen Spekulationsfreiheit und Gier, und dem damit verbundenen "sozialisieren" der Verluste auf die breite Masse. Aber das geht nur, wenn sich die betreffenden Akteure innerlich weiterentwickeln, wenn also der "gierige Banker" irgendwann keine Lust mehr hat, noch mehr Millionen zu machen, wenn er dessen müde geworden ist und nach einem "Was gibt es sonst noch im Leben" fragt. Und diese innerliche Entwicklung gilt für alle Akteure jeglicher Couleur, egal ob Banker, Greenpeace-Aktivist, Occupierer oder islamischer Fundamentalist. Das Entscheidende ist die Bereitschaft zur innerlichen Weiterentwicklung. Deshalb, Nein, zu einem pauschalen undifferenzierten Keulenschlag: "Nieder mit dem ganzen kapitalistischen System", weil es ganz einfach an den Wurzeln des Problems  vorbeigehen würde. Natürlich gibt es eine Korrelation zwischen inneren und äußeren Faktoren - wie die Politik, das System und die Kultur in der das Individuum lebt -, aber zum jetzigen Zeitpunkt dieser Ausführungen ist es meiner Meinung viel wichtiger, sich auf die innere Bewußtseinsentwicklung zu konzentrieren. In den späteren Kapiteln werden wir zu den äußeren Faktoren zurückkommen.


Faktoren für die persönliche Weiterentwicklung

Wir kommen nun zu der Frage, was vorliegen muss, um eine Bewußtseinstransformation in Gang zu setzen? Welche Faktoren erleichtern die persönliche Transformation, dass Emergieren eine höheren Welle?
 Nach der Ansicht  von Ken Wilber sind dies vier Faktoren:
  1. Erfüllung
  2. Dissonanz
  3. Einsicht
  4. Offensein
"Erfüllung bedeutet, dass das Individuum ganz allgemein die grundlegenden Aufgaben einer bestimmten Stufe oder Welle erfüllt hat. (...) Ein Mensch muss ganz in den Genuß einer gegebenen Stufe gekommen sein, muss sie voll ausgekostet haben, um bereit zu sein, weiterzugehen. Jemand, der noch nach den typischen Belohnungen einer bestimmten Stufe hungert, wird einfach nicht nach anderen Ausschau halten." (Ganzheitlich handeln, S. 48)

"Wenn die betreffende Person andererseits ein Stadium ausgekostet hat und diese Stadium ziemlich satt geworden ist, dann ist sie zur Transformation bereit. Damit dies geschieht, muss es fast immer zu einer Art von Dissonanz kommen. Die neue Welle will sich durchsetzen, die alte Welle ringt um ihren Erhalt - das Individuum empfindet einen Zwiespalt und fühlt sich hin und her gerissen. Es muss auf jeden Fall eine Art tiefer Unzufriedenheit mit der gegenwärtigen Ebene geben. Man muss über sie beunruhigt, mit ihr unzufrieden und zutiefst frustriert sein, so dass es zu einer tiefen und bohrenden Dissonanz kommt.
Vielleicht ist man mit ihren inhärenten Begrenzungen oder Widersprüchen (wie Hegel sagen würde) in Konflikt geraten, oder man beginnt sich von ihr zu ent-identifizieren (wie Assagioli sagen würde), oder vielleicht ist man ihrer einfach müde geworden" (Ganzheitlich handeln, S48)

"An diesem Punkt hilft dem Individuum gewöhnlich eine Art von Einsicht in die Situation, um weitergehen zu können - Einsicht in das, was man wirklich will, sowie in das, was die gegenwärtigen Realität tatsächlich zu bieten hat. Bestätigung, Wille und die Absicht, sich zu verändern - sie alle können zu der Einsicht in die Situation hinzukommen und dazu beitragen, dass Bewußtsein voranzutreiben. Die Einsicht kann durch Innenschau, durch Gespräche mit Freunden, durch Therapie oder Meditation zustande kommen Meist geschieht das auf eine Art und Weise, die absolut niemand so recht versteht - nämlich durch das bloße Leben des Alltags."  (Ganzheitlich handeln, S. 48)

Schließlich, wenn alle diese Faktoren sich richtig zusammenfügen, wird es möglich, sich der nächsten Welle des Bewußtseins - tiefer, höher, breiter, umfangender - zu öffnen. (Ganzheitlich handeln, S.49)


Der Silberstreifen am Horizont

... dass die Politik zu einem Wirtschaftssystem zurückkehrt, das für die Menschen da ist...

... Ich war da, als die Chaoswolke subversiver Kreativer mit ihren Ideen die Welt veränderte...

... Ich kann dann nicht schlafen gehen, denn ich weiß, es kommt auf jeden von uns an... 
 
... "Man kann Occupy klein reden, man kann Occupy groß reden. Eine Wahrheit ist: Die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland brauchte 40 Jahre, ehe sie Erfolg hatte, und schien manchmal nur noch eine Karikatur ihrer selbst. Der Historiker Paul Nolte sorgte sich vor Kurzem, „ob wir nicht in einem Vormärz leben, ob eine Revolution bevorsteht“. Und kam zu dem Schluss: „Es fehlt die konkrete Alternative. Was soll an die Stelle des jetzigen Systems treten?" ...

(Quelle: Stern, 21/2012)

Diese rhetorisch gestellte Frage des Herrn Professor Nolte möchte ich gerne aufgreifen. Es ist der bekannte Ausruf nach der Alternativlosigkeit zum derzeitigen System. Aber stimmt das wirklich? Ich glaube wir sind uns einig, dass Kommunismus, Sozialismus oder gar Diktatorische Systeme keine ernsthaften Alternativen zur Demokratie darstellen können. Der integrale Ansatz zeigt uns aber auf, dass es viel effektiver und effizienter wäre, wenn man versucht aus allen zur Verfügung stehenden Weisheiten und Theorien, welche uns heute aus allen Kulturen der Welt und der Wissenschaft zur Verfügung stehen, die jeweils besten und brauchbarsten Seiten herausgreift und zu einem neuem ganzheitlichen Ansatz zusammenfügen würde. In diesem würde jede Anschauung, jede Nationalität, jede Hautfarbe, jede Religion und jeder Wissenschaftszweig seinen Platz und seine Wertschätzung erfahren. Um dies zu ermöglichen, ist es aber notwendig zu verstehen, dass sich unsere gesamte Existenz/Natur aus hierarchischen Wellen und Ganzheiten zuammensetzt und aufbaut. Kurz, wir unterliegen einer ständigen Entwicklung zu immer höheren und komplexeren Formen der Existenz, angefangen von organischen Lebewesen über das Bewußtsein bis hin zu System- und Organisationsformen.

  "Diese miteinander wechselwirkenden Systeme erfordern eine Regierung, die in  der Lage ist, Nationen und Gemeinschaften im Bereich der gesamten Spirale innerer und äußerer Entwicklung zu integrieren ( nicht zu beherrschen). Was die Welt heute benötigt, ist die erste echt sekundärschichtige Form politischer Philosophie und Regierungsgewalt. (..) Eine solche Struktur wird keineswegs die US-Verfassung (oder die irgendeiner anderen Nation) ersetzen, sondern sie einfach in ein globales Netzwerk einbinden, das die wechselseitige Entfaltung und Förderung erleichtert - eine integrale und holonische Politik." (Ganzheitlich handeln, S.105)

Um für diese derzeitige Utopie - oder nennen wir es integrale Perspektive - weiter Zustimmung und Verständnis zu gewinnen, werde ich weiterhin versuchen durch Gespräche und schriftliche Arbeiten meinen bescheidenen Anteil dazu beizutragen. Der Occupy-Bewegung strecke ich meine geöffnete Hand entgegen, wenn sie willens ist sie zu ergreifen. Weil, es ist ganz einfach. Es geht um mehr, als um unsere "Ego-Launen", es geht darum transpersonal zu werden, über das Ego hinaus zu kommen - auf eine "Wir-Alle-Ebene" , auf der die wirklich grossen Probleme angegangen werden können. Während einer Versammlung rief Jan laut in die Menge: " Es geht ums Ganze, es geht um 7 Milliarden Menschen auf diesen Planeten." Ja, möchte ich ihm zurufen und es geht sogar noch ein Stück weiter: Es geht um die Entwicklung hin zu einer Weltgemeinschaft in ihrer ganzen kulturellen und ökologischen Vielfalt, hin zu einer "Einheit in der Vielfalt", mit all ihren Unterschieden, Farben und Zickzacklinien der regenbogenfarbenen Menschheit.

 So lasst es uns angehen und tun. Ken Wilber nennt uns, die Kinder der "68er",  die "Generation X", die ähnlich wie damals unsere Eltern, einen echten kulturellen und gesellschaftlichen Wandel hervorbringen können. Wir haben ins uns das Potential, die erste wirklich integrale Generation zu werden, die "Gelbe Bewußtseinsstufe" voll zu aktivieren, die alle anderen Stufen weiter mit nach oben zieht,  und nur auf Grundlage dessen, weltumfassende Probleme wie Krieg, Gerechtigkeit, Umweltschutz und Lebensmittelknappheit gelöst werden können. Und so möchte ich am Ende den  Aktivisten dieser Bewegung zurufen: Wir haben dasselbe Ziel und versuchen uns ihm auf unterschiedliche Weise zu nähern. Werden sich unsere Wege eines Tages noch einmal kreuzen?
"Wir warten auf die neuen globalen Gründerväter und -mütter, die ein integrales System von Regierungsgewalten schaffen, welches uns in eine stärker einbeziehende Zukunft führt. Ein System, das als ein Schrittmacher der Transformation für die gesamte Spirale menschlicher Entwicklung agieren wird und das die spezifische Form der Entwicklung jeder einzelnen Welle respektieren und doch jede einzelne und alle zusammen dazu aufrufen wird, noch größere Tiefe zu verwirklichen."
  - Ken Wilber -

Samstag, 14. Juli 2012

Eine Theorie von Allem Teil 3.1

 

3.1. Occupy und Hierarchien


Wachstumshierarchien kontra Herrschaftshierarchien

"Sobald wir jedoch zu Grün kommen, beginnt das sensible Ich mit der Verdammung praktisch aller Arten von Hierarchien und einem konzertierten Angriff auf sie, einfach weil Hierarchien tatsächlich oft an furchtbarer sozialer Unterdrückung beteiligt waren."(Ganzheitlich handeln, S.39)
"Obwohl das gesunde Grün einen Teil des postkonventionellen, weltzentrischen, universellen Bewusstseins darstellt, ist sein Bezug zur Wahrheit stark subjektiv. Genau deshalb, weil Grün wünscht alle Wesen gleichermassen zu ehren, verlässt es seine Bahn und lässt jede Person über ihre eigene Wahrheit entscheiden. Allen Glaubenssystemen, solange sie nicht anderen schaden, wird der gleiche Status eingeräumt. Deshalb ist das Selbst auf dieser Stufe tatsächlich das "empfindsame Selbst". Sich der vielen verschiedenen Kontexte und der vielen verschiedenen Wahrheiten, der Vielfalt und des Pluralismus bewusst, verdreht es sich bei dem Versuch, jeder Wahrheit Genüge zu tun, ohne dabei irgendeine zu verdrängen oder herabzusetzen." (Boomeritis, S.115)  Jeder möchte für seine Meinung, Hauptfarbe, sexuelle Gesinnung oder Geschlecht zunächst mal akzeptiert und toleriert werden, möchte damit am gesellschaftlichen Leben teilhaben, wie alle anderen auch. Aber die Schattenseite bei diesem ernsthaften und ehrlichen Bemühen es allen Recht zu machen, ist, dass die "Grüne Bewußtseinsstufe" keine Abstufungen und Rangfolgen anerkennt. Zum Teil aus gutem Grund, da die Geschichte voll ist mit abschreckenden Beispielen für Macht- und Herrschaftshierarchien. Zum anderen aber zu unrecht, da "Grün" aus  Unwissenheit damit alle Arten von Hierarchien ablehnt, also auch jene, die zu einem Wachstum zu mehr Tiefe und Reife führen.

Und hier kommen wir nun zu der grossen Chance der Transformation oder Weiterentwicklung der "Grünen" Bewußtseinswelle im Allgemeinen und der Occupybewegung im Speziellem. Keine Frage, in gewisser Form ist diese bestimmt schon im Gange, da sich wie alle Systeme und Gruppierungen auch diese Bewegung im ständigen Wandel und Austausch mit der Umwelt befindet. Kurz bevor ich Anfang April am nächsten Morgen abgereist bin, sagte mir Jan, dass sie jetzt schon viel schneller Leute aus dem Camp verweisen, die sich nicht an elementare Regeln halten ("Ich mach mein Ding, halt die Fresse"). Aber es könnte noch weiter gehen, ja es muss, da diese Bewegung aus meiner vollsten Überzeugung heraus eine der wichtigsten dieses Jahrzehnts ist, ganz einfach deswegen, da sie das "Potential" hat, tiefgreifende kulturelle und gesellschaftliche Veränderungen anzustossen - ähnlich wie damals die "68er".

Wenn wir nun konstatieren, dass sich die Occupybewegung schwerpunktmäßig auf der "Grünen Bewußtseinsstufe" befindet, gehört für eine Weiterentwicklung oder Transformation als erstes dazu, sich mit dem Wert und dem Inhalt von Wachstumshierarchien auseinanderzusetzen. Nur dann ist es möglich gewisse Strukturen aufzubauen, weil nur dann können wir eine "Einheit in der Vielfalt" praktizieren, indem wir niemanden ausgrenzen, aber auch jeden seinen Platz zuweisen. Nur dann ist es möglich zielgerichteter vorzugehen und den "Hyperraumsprung" zu den Anfängen einer wahrhaft ganzheitlichen, integralen Sichtweise zu schaffen, die versucht alle vorhandenen Sichtweisen zu akzeptieren und zu integrieren, und nicht einzelne zu verdammen, nur weil sie nicht in die "eigene" Wahrheit passen!

 Dann wäre der Übergang auf die erste integrale, die "Gelbe" Bewußtseinsstufe möglich, was heissen würde, alle vorherigen Ebenen - von Beige bis Grün - wären darin integriert, das jeweils Gute daraus wäre mitgenommen  und es würde sich eine völlig neue Bewußtseinsstufe mit ihren inhärenten Fähigkeiten und Werten entwickeln. Nach diesem Prinzip  funktioniert unsere Evolution seit 14 Milliarden Jahren und warum sollten wir nicht versuchen damit in Einklang zu leben? Mit dem Leben an sich, das eine ganz bestimmte Richtung verfolgt, das offensichtlich von einer unsichtbaren Kraft hin zu mehr Ganzheit, Liebe und Harmonie angetrieben wird. Also genau die hohen Ideale und Ziele, die auch "Grün" vorgibt zu verfolgen, aber sie meist mit ihrer starren Verhaftung auf die eigene subjektive Wahrheit eher blockiert als fördert. Und ein ganz wesentlicher Schritt in diese Richtung wäre sich von der festen anti-hierarchischen Haltung zu lösen und sich für eine andere, wachstumförderliche Art von Hierarchie zu öffnen. Nur durch das Akzeptieren von Entwicklung und Rangfolgen kann man verstehen, wie sich ein Individuum sowie eine Kultur von der Ego - zur Ethno -  zur Weltzentrischen Bewußtseins- und Moralstufe entwickeln kann, und nur auf der letztgenannten sind die globalen Krisen und Probleme wirklich zu lösen.
 "Herrschaftshierarchien und Verwirklichungshierarchien. Die erstgenannten sind die starren gesellschaftlichen Hierarchien, die Werkzeuge der Unterdrückung sind; die letzteren sind Wachstumshierarchien, die tatsächlich notwendig sind für die Selbstverwirklichung von Individuen und Kulturen (und auch praktisch aller biologischen Systeme). Die Wachstumshierarchien sind es, die zuvor isolierte und fragmentierte Elemente zusammenführen. Isolierte Atome werden zu Molekülen zusammengebracht, isolierte Moleküle zu Zellen, isolierte Zellen zu Organismen, Organismen zu Ökosystemen, Ökosysteme zu Biosphäre - und so weiter. Kurz gesagt: Wachstumshierarchien verwandeln Anhäufungen in Ganzheiten, Bruchteile in Integration, Entfremdung in Zusammenarbeit. (...) Das integrale Sekundärschicht-Bewußtsein versteht die verschachtelte Hierarchie des Wachstums. Wenn wir also negativ auf alle Hierarchien reagieren, dann werden wir nicht nur ehrenhaft die Ungerechtigkeiten der Herrschaftshierarchien bekämpfen, sondern wir werden uns sehr wahrscheinlich auch selbst daran hindern, uns zur integralen Sekundärschicht weiterzuentwickeln. (Ganzheitlich handeln, S.39)


Was will Occupy eigentlich?

Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten. Klare Aussagen bezüglich der Forderungen der Bewegung sind schwer zu finden, und wenn, dann beziehen sie sich meist nur auf Meinungen einzelner Aktivisten, die mehr oder weniger von der Mehrheit der Bewegung mitgetragen werden. Im Camp wurde mir erzählt, dass eine klare Festlegung auf bestimmte Forderungen und Ziele vermieden wird, ganz einfach deswegen, weil man von den Medien, und den politischen Gegnern, nicht auf eine bestimmte Richtung "festgenagelt" werden will. Deshalb wird der Bewegung mangelnde Zielgerichtetheit vorgeworfen, was meiner Meinung nach nicht ganz von der Hand zu weisen ist. Würde man (Wachstums-) Hierarchien und Abstufungen in der Bewegung zu lassen, würde das in Sachen Ausrichtung und Zielfindung einen klaren Sprung nach vorne bedeuten!

Nach einigem recherchieren bin ich auf eine Reihe von offenen Fragen an das derzeit existierende System gestossen. Es scheint mehr Mahnungen als Antworten zu geben. Ein Projekt von Occupy Frankfurt ist der Arbeitskreis "Occupy Money" , dem einige Finanz- und Wirtschafsexperten angehören. Diese haben folgende Fragen formuliert:

  • Wie können wir nachhaltige Geldsysteme schaffen?
  • Wie sehen Geldsysteme aus, die nicht regelmässig zusammenbrechen und uns beherrschen sondern die uns dienen?
  • Wo gibt es in der Vergangenheit und Gegenwart gute Beispiele, die funktionieren?  
  • Eine Hauptursache für Inflation, regelmäßige Krisen und Zusammenbrüche liegt in der fehlerhaften Konstruktion unseres Geldsystems. Davon profitiert eine kleine Minderheit von etwa 10 Prozent der Menschen. Die große Mehrheit zahlt drauf. Über die in allen Preisen und Steuern versteckten Zinsen beträgt diese Umverteilung von Arm zu Reich in Deutschland etwa 600 Millionen Euro pro Tag. Doch unser Geldsystem ist nicht gottgegeben. Wir können es neu gestalten!
(Quelle: Occupymoney.de/occupy-money.de Prof. Margrit Kennedy) 

Weitaus aufschlussreicher und informativer, was die Forderungen und Beweggründe angeht, ist ein jüngst erschiener Sternartikel (21/2012) über die Occupy - Bewegung. Darin kamen Occupierer aus Deutschland und den USA zu Wort. Unter anderem auch drei der engagierteren Aktivisten aus dem Camp in Frankfurt, denen es wirklich um etwas geht, die etwas bewegen wollen und die ich alle drei während meines Aufenthaltes kurz kennenlernen durfte. Lassen wir sie selbst sprechen:

Jan Umsonst (Pseudonym, Thai-Chi-Lehrer, 38, Occupy Frankfurt):

" Vier Jahre habe ich für mein Buch „Planet der verrückten Affen“ recherchiert, es sind 1000 Seiten zusammengekommen. In Occupy findet eine holistische, generalistische Konstante der Weltgeschichte ihren Ausdruck. Ich werde mich diesen Sommer als freies Radikal in der globalen Protestcloud bewegen, um später sagen zu können: Ich war da, als die Chaoswolke subversiver Kreativer mit ihren Ideen die Welt veränderte."

Thomas Occupy (Pseudonym, Aktivist, 52, Occupy Frankfurt): 

" Ich bin Kapitalist und stehe dazu. Ich will nicht das System abschaffen,ich will es grundlegend neu strukturieren. Gewalt lehne ich ab, so wie alle Aktivisten von Occupy Gewalt ablehnen. Als wir  kürzlich eine Pressekonferenz machten, baute die Polizei Überwachungskameras auf. Man hat Angst vor uns. Aus gutem Grund. Oft fragen uns Journalisten: Wie lange wollt ihr bleiben? Bis sich was ändert, antworten wir. Wir haben Geduld. "

Sascha Reynolds (Student, 26, Occupy Frankfurt):


"Für Occupy betreibe ich den Sender „Radio 99 Prozent“, bin am Kunstprojekt bei der Biennale Berlin beteiligt. Nächtelang sitze ich manchmal vor dem Livestream, wenn Tim Pool von Protestmärschen aus den USA berichtet, so angstfrei und sympathisch. Die Energie ist zum Schneiden. Ich kann dann nicht schlafen gehen, denn ich weiß, es kommt auf jeden von uns an. Dieses Gefühl der Solidarität ist viel stärker als das Gefühl der Ohnmacht, das einen angesichts der Macht der Finanzkonzerne befallen könnte."

Besonders interessant fand ich die Aussage eines Fondsmanagers, der sich dem Occupy - Money Arbeitskreis angeschlossen hat, und quasi an den Schaltstellen des weltweiten Turbokapitalismus sitzt:

Peter Grahn (Pseudonym, Fondsmanager, 34, Occupy Money + Occupy Frankfurt):

"Als Fondsmanager ist man nah dran an dem Zusammenspiel von Realwirtschaft, Finanzsystem und Politik. Die Entwicklung der letzten Jahre empfinde ich als zutiefst ungerecht. Das Hauptproblem des Kapitalismus ist seine unausweichliche Anfälligkeit gegenüber der giftigen Kombination von  Gewinnstreben, Überoptimismus und Disziplinlosigkeit. Hyman Minsky beschrieb diesen Kreislauf bereits 1975, Zentralbanker und Ökonomen ignorieren ihn heute noch. Ein durch „moral hazard“, also leichtfertiges Verhalten, exzessives Kreditwachstum und mangelnde Aufsicht entfesseltes Bankensystem hat zu einer ungerechten Vermögensverteilung und Schuldenüberlastung geführt. Occupy fordert global und friedlich, dass die Politik zu einem Wirtschaftssystem zurückkehrt, das für die Menschen da ist."

Was offensichtlich alle vereint ist ein Gefühl, dass irgendetwas aus der Balance geraten ist in unserem System?! Eine Gesellschaft, in der derjenige belohnt wird, der andere ausnimmt, ganz legal und ohne Konsequenzen, kann nicht mehr im Gleichgewicht sein. Wollen wir so weiterleben? Eine Vision von einem neuem Gesellschaftsvertrag liegt in der Luft, einer Gesellschaft, die auf Gerechtigkeit und Fairness beruht. Die Gretchenfrage lautet: Hat Occupy dafür die passenden Ideen, oder geht es zuerst mal nur um "Krawall" machen?

Bis hierher kann ich in weiten Teilen den oben gemachten Aussagen nur zustimmen. Gier, Macht, Materialismus und Ausbeutung sind die Pestbeulen der "Orangen - leistungsorientierten" Entwicklungsstufe. "Die Kehrseite der Aufklärung und des orangen Mems im Allgemeinen sind ebenso gut bekannt. Es gibt dort eine Neigung, die Welt abstrakt, ungebunden und in einer reduktionistischen Weise zu betrachten, was zu einer zunehmenden Entfremdung führt. Dies bedingt das Auftauchen vieler verschiedener materialistischer Philosophien und materialistischer Motivationen. Ökonomisches Denken tritt als das angebliche Mittel zu Befreiung in den Mittelpunkt und ein unbarmherziger Kapitalismus startet seine lange Karriere." (Boomeritis, S.106) Aber noch einmal, wie schon mehrmals betont, jede Entwicklungsstufe hat ihre Licht- und Schattenseiten. Und der Raubtierkapitalismus ist eindeutig einer der grössten Schatten der Modernen. Wenn wir also über die Moderne und damit auch über die Banken, die Industriestaaten und den damit verbundenen Kapitalismus nachdenken, lasst uns bitte gleichzeitig an die Guten wie auch an die schlechten Dinge denken.

 Ohne Zweifel, es ist eine der großen Leistungen der Bewegung, dass sie diese lange im verborgenen gehaltenen Schattenseiten nun ans Licht der Öffentlichkeit holt und thematisiert. Und das reicht auch zuerst mal aus, so die Bewegung. Auf der Suche nach einer gerechteren und faireren Welt müssen wir zuerst mal auf das aufmerksam machen, was seit Jahrzehnten schief läuft. Wir brauchen nicht sofort etwas zu ändern. Es reicht wenn sich irgendwann etwas ändert. Es scheint, als wäre der Wunsch nach einem Ende der Ausbeutung und Unterdrückung, dass einzige, was alle in der Bewegung eint und zusammenbringt. Über alles andere diskutieren wir basisdemokratisch. Und wenn es Stunden, Wochen oder Monate dauert.

Hier nun, so glaube ich, kann die Integrale Theorie einen wesentlichen Beitrag für einen Sprung nach vorne leisten. Diskutiert und gestritten wurde weiß Gott genug. Das wird auch immer so weiter gehen. Aber wie wäre es, wenn man jetzt über konkrete Strukturen reden würde, über eine geregelte Organisationsform, über Hierarchien ohne gleich nach Unterdrückung zu brüllen, und vor allem, über echte umsetzbare Entwicklungs- und Transformationsszenarien zum derzeitigen System? Im nächsten Kapitel wird es darum gehen.

Freitag, 20. Januar 2012

Über Gott und die Welt Teil 2

Das Königreich Gottes

Somit kommen wir zum nächsten großen Thema, welches Gegenstand dieses Gesprächs unter dem klaren Nachthimmel war: Die Rückkehr des Königreich Gottes auf Erden!
Von dessen Rückkehr waren die beiden ja felsenfest überzeugt. Gott wird in all die menschlichen Fehlentwicklungen eingreifen, Leid, Schmerz und Tod beenden, und damit das Paradies auf Erden wieder herstellen, in dem die Gerechten ihren verdienten Platz haben und das Böse verbannt ist. Das wiedergefundene Paradies auf Erden! In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu betonen, das nach Auffassung Ihrer Glaubensgemeinschaft, wie auch der jüdischen und christlichen, nur die Gerechten und Guten ,die „Werke“ vollbracht haben, in dieses neue Paradies aufgenommen werden. Der ganze „Rest“, also die, die sich nicht der Bibel und einer institutionellen ( kirchlichen ) Autorität unterworfen haben, werden in der ewigen Verdammnis landen.

„Für Juden und Christen bezeichnet Gottes Reich eine Welt, in der Gottes Wille geschieht, der alles Böse überwunden und alle Schuld vergeben hat, so dass Leid, Schmerz und Tod ein Ende haben. Nicht erst im Jenseits, sondern bereits hier auf Erden soll dieses Reich Gestalt annehmen.
Gottes Reich verhält sich nach jüdischer wie christlicher Tradition nicht ergänzend, überbietend und absichernd, sondern begrenzt, relativiert und kritisiert alle menschliche Machtausübung und alle irdischen Herrschaftssysteme als ihre endgültige Zukunft.“

Quelle: Wikipedia

Ich persönlich glaube nicht, das etwas von Außen kommen wird, um uns in irgendeiner Form von ( selbstverursachten ) Leid und Schmerz zu befreien. Ich bin ein erbitterter Verfechter von Eigenverantwortlichkeit und davon, das Menschsein heißt, sich kontinuierlich zu entwickeln und, ganz wichtig, Lektionen zu lernen!

„Benutze die Zeit nicht leichtfertig, die dir zu verbringen gegeben ist. Gehe fürsorglich mit ihr um, damit dir jeder Tag neue Reife, neue Einsichten und ein neues Bewusstsein schenkt!"
E. Kübler-Ross

Womit wir bei der aktuellen Zeit und ihren Problemen wären.Wir leben in einer Zeit, wo vieles im Außen passiert und viele sich offensichtlich unkontrollierbaren Kräften und Mechanismen hilflos ausgeliefert fühlen. Bestes Beispiel ist dafür momentan Griechenland. Sparreformen, Steuererhöhungen, Entlassungen. Natürlich, für den Einzelnen fühlt sich das an, als würde ein plötzlicher Orkan über seinen Kopf hinwegfegen. Aber auch hier, insbesondere hier, muss man genauer hinschauen. Vieles ist über die Jahrzehnte selbst verursacht worden, und man dachte, man könne so bis in alle Ewigkeit weitermachen. Ohne Zweifel, die Gier und die Korruption von vielen Politikern, Finanzhaien, Funktionären, und wie man jüngst gesehen hat, sogar von kirchlichen Würdenträgern, hat dafür den Nährboden bereitet, und die Strukturen immer mehr ausgehöhlt. In meinen Augen kann die Lösung nur in einem inneren Transformationsprozess liegen, in allen gesellschaftlichen Bereichen, vom Spitzenpolitiker bis zum einfachen Bauern. Danach erst können im Außen neue Strukturen aufgrund den Erkenntnissen dieser Bewusstseinserweiterung aufgebaut werden Und wie soll diese Bewußtseinserweiterung nun aussehen? Einfach ausgedrückt „vom Ich zum Wir“! Dazu bedarf es zuerst mal der durchschlagenden Erkenntnis was das „Ich“ wirklich ist. Und das ist momentan noch ein langer Weg, auf dem viele sich noch nicht einmal befinden.

„Sondern das Königreich des Vaters ist ausgebreitet über die Erde, und die Menschen sehen es nicht.“
apokryphes Thomasevangelium

„Gott ist mir näher, als ich mir selber bin. In welcher Seele „Gottes Reich“ sichtbar wird und welche „Gottes Reich“ als ihr „nahe“ erkennt, der braucht man nicht zu predigen noch Belehrung zu geben: sie wird dadurch belehrt und des ewigen Lebens versichert. Wer weiß und erkennt, wie „nahe“ ihm „Gottes Reich“ ist, der kann mit Jakob sagen: „Gott ist an dieser Stätte und ich wußte es nicht“; nun aber weiß ich´s.“
Meister Eckhart

Quelle Wikipedia


...was heißt das nun für unsere Zeit?

"Ich bin das Licht für die Welt. Wer mir nachfolgt, irrt nicht mehr in der
Dunkelheit umher, sondern folgt dem Licht, das ihn zum Leben führt."

Jesus von Nazareth

Wir leben im 21. Jahrhundert, seit einigen Tagen im Jahr 2012. Meiner Meinung nach, kann es nicht mehr um eine Art der Unterwerfung und des blinden Gehorsams unter irgendein Dogma, eine Kirche, eine Lehre oder einen Guru gehen. Jeder von uns hat in sich die Kapazität, sein eigener Guru zu sein, seinen eigenen göttlichen Funken zu entdecken!

Die menschliche Evolution geht weiter. Meiner Ansicht nach stehen wir an einer entscheidenden Schwelle, zwischen Erweiterung und Stagnation. In dieser Zeit, in diesem Jahr und den folgenden, können wir den entscheidenden Schritt vollziehen, die wahre Natur unseres begrenzten, körperlichen Selbst zu erkennen und das wahre, zeitlose Selbst dahinter zu befreien. Das bedeutet nicht, das dieses Ego dann verschwindet. Wir erkennen nur seine Begrenztheit und tanzen dann spielerisch mit ihm durch die Welt. Wenn Angst und Begierde erst mal transzendiert sind, entsteht Mitgefühl von alleine. In diesen Tagen, in dieser besonderen Zeit, kann es nur noch darum gehen, zu erkennen wer wir wirklich sind, um die große Befreiung für uns und den Planeten zu erreichen.

„Dabei ist es so einfach, sich an die Wahrheit zu erinnern und heimzukehren: Ich bin nicht meine Gedanken, Emotionen, Sinneswahrnehmungen und Erfahrungen. Ich bin nicht mein Lebensinhalt. Ich bin das Leben selbst. Ich bin der Raum, in dem alles geschieht. Ich bin Bewusstsein. Ich bin das Jetzt. Ich bin.“
Eckhart Tolle
Natürlich gibt es momentan genug Anlass sich Sorgen zu machen. Aber seien wir ehrlich. Für die meisten drehen sich diese Sorgen um den Benzinpreis oder ob das Steak auch wirklich “well done” ist. Wir leben nachwievor auf einem gewissen Wohlstandsniveau. In anderen Ländern sterben Kinder in den Armen Ihrer Mütter! Es gibt viel Ungerechtigkeit und Elend auf der Erde und das obwohl wir genügend Wohlstand und Reichtum für alle hätten. Die Verteilung ist nur ungerecht. Und das ist von bestimmten Interessengruppen auch so gewollt. Bestimmte Güter werden künstlich knapp gehalten. Wenn man das alles so hört, sieht, liest und versteht, kann man sehr schnell wütend werden, und sich fragen: Was kann ich tun?

Es gibt in dieser komplexen Welt mit Ihrer Bandbreite an Problemen keine einfachen Lösungen. Zumindest kenne ich keine, und kennen auch keinen der Sie zur Hand hat. Und bei manch einfachen Lösungen muss man auch ziemlich aufpassen, von wem sie kommen. Ich glaube, dass es nur gemeinsam möglich ist, in einem neuen individuellen und kollektiven Bewußtsein unsere Probleme der Zeit zu lösen.

Trotz alledem, bin ich aus eigener Erfahrung fest davon überzeugt, es ist nicht so entscheidend was alles noch kommt, sondern viel mehr, wie wir auf das reagieren was kommt. Da wird sich die Spreu vom Weizen trennen! Wir können aber entscheiden wie wir in Zukunft leben wollen? Oder anders ausgedrückt, wie wir heute schon leben wollen! Wollen wir zurückkehren zur vollen Eigenverantwortung für unser Tun und Handeln? Gleichwohl für unser Nichttun! Einfach, für unser selbstbestimmtes Leben! Unabhängig was Politiker beschliessen. Ich bin davon überzeugt, das für diejenigen, die zu dieser Verantwortung zurückkehren, alle kommenden Entwicklungen und Ereignisse glimpflicher und ruhiger ablaufen werden.

Somit können wir am Ende dieses Essays sagen, das Königreich Gottes ist schon da, und zwar hier auf Erden. Vielmehr war es schon immer da, und zwar in uns! Wir sind das Licht dieser Welt! Zu erkennen wer wir in unserem Innersten wirklich sind, ist meiner Meinung nach die größte Chance und gleichzeitig die größte Herausforderung eines jeden Einzelnen in diesem Jahrhundert!

„Die wichtigste Transformation oder Transzendenz besteht jedoch in der wachsenden Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, also nicht bloß einzusehen, daß andere die Dinge anders sehen, sondern deren Perspektive tatsächlich innerlich rekonstruieren zu können, in ihre Haut zu schlüpfen. „
Ken Wilber, Eros, Kosmos, Logos




Samstag, 14. Januar 2012

Über Gott und die Welt Teil 1

Einleitung

Dieser Artikel, der nun mehr zu einem Essay geworden ist, liegt mir schon seit Kroatien sprichwörtlich auf der Seele. Endlich habe ich hier die Zeit und Muse gefunden, ihn zu verfassen und heute zu veröffentlichen.

Nach Zadar, traf ich am nächsten Tag auf einem eigentlich geschlossenen Campingplatz zwei Schweizerinnen. Wir drei waren die einzigsten Zelter auf diesem Platz, und mussten noch nicht einmal etwas bezahlen, da der Besitzer nie auftauchte.
Ich traf schon in den frühen Morgenstunden ein, da ich einfach müde war, und hier einen halben Ruhetag einlegte. Die beiden Schweizerinnen, Anja und Charlotte*, waren seit 2 Tagen auf dem Platz. Sie machten eine Rundreise mit Ihrem Auto entlang der italienischen und kroatischen Küste. Schnell kam man ins Gespräch, was nicht schwer ist wenn man nur zu dritt auf einem Campingplatz ist, und zudem nur zwei Plätze voneinander entfernt liegt.

Ich wusch meine Wäsche, legte mich in die Sonne, und machte ein paar Einkäufe. Die beiden Eidgenössinnen waren tagsüber auch unterwegs, und kamen erst am späten Nachmittag zurück. Sie waren gerade dabei ihr Abendessen auf einem eindeutig grösseren Gaskocher als meinen zu zubereiten, als ich zu Ihnen kam um ein wenig zu plaudern.

Ich hatte schon gegessen, wurde aber prompt von Anja auf einen Teller Reis und ein Glas Weißwein eingeladen. Das nenne ich mal Schweizer Gastfreundschaft. So saßen wir an einem lauen Oktoberabend gemütlich zusammen und fingen an zu plaudern.
Nach wenigen Sätzen über meine Radtour und Ihre Autoreise, kamen wir irgendwie auf das Thema Religion. Schnell stellte sich heraus, die beiden sind Zeugen Jehovas! Eindeutig die Jüngsten ( 20 und 21) die ich jemals getroffen habe, oder überhaupt traf. Ich musste zuerst mal überlegen, und kam dann zu dem Entschluss, bei mir standen noch nie welche vor der Haustür. Diese Gelegenheit wollte ich natürlich nutzen, um mehr über diese Glaubensgemeinschaft zu erfahren, und so entstand eine interessante Diskussion über Gott und die Welt, im wahrsten Sinne des Wortes.

Eines möchte ich von vornherein klarstellen. Die beiden waren sehr nett und hilfsbereit, luden mich zum Essen ein. Das hat sie in erster Linie als hilfsbereite und freundliche Menschen ausgezeichnet. Ob sie Zeugen Jehovas sind oder Osho-Jünger, bleibt davon völlig unberührt, und spielt für mich auch keine Rolle. Mir haben sie sich als freundliche Mitmenschen präsentiert, und das war das Entscheidende. Danach habe ich sie beurteilt und nicht nach ihrer frei gewählten Glaubensrichtung. Natürlich, diese Gemeinschaft ist für ihren missionarischen Eifer bekannt ist, von dem ich aber an diesem Abend nichts bemerkte. Ich respektiere voll und ganz Ihre Entscheidung und Ihre gewählte Glaubensrichtung, so wie ich jede andere Richtung auch respektiere. Jeder sucht sich sein eigenes Heil.

Trotz dem eben gesagten, muss es möglich und erlaubt sein, auch kritische Anmerkungen dazu zu machen. Und auch diesbezügliche Fragen zu stellen, was ich auch machte, wie ich es nun darstellen werde. Ich war neugierig endlich mal etwas über die Motive und Ziele dieser Gruppe zu erfahren, die man bei uns nur vor Supermärkten oder vor der eigenen Haustür sieht. Insbesondere von zwei solch jungen Menschen, die sich diesem Glauben voll verschrieben haben, wie ich schon nach kurzer Zeit feststellte. Im Grunde ging es mir um zwei Fragestellungen: Warum lauft ihr von Haustür zu Haustür, und was wollt ihr damit erreichen?

Frage eins war relativ schnell klar: Missionieren. So formulierten es die beiden natürlich nicht, sondern eher in die Richtung, die Leute aufzuwecken, und von der „Wahrheit“ zu überzeugen. Das haben wohl grundsätzlich alle monotheistischen Religionen gemein, ob der Pfarrer von seiner Kanzel predigt, oder ein Zeuge Jehova's vor der Haustür steht. Was mich schon immer an diesem missionieren störte, war der Anspruch einer absoluten Wahrheit , und der Absolutismus der eigenen Religion, und somit die Nichtigkeit der anderen Weltreligionen und Weisheitstraditonen. Statt das zu Verbindene zu suchen, wird der Fokus auf das Trennende und Unterschiedliche gelegt. Und, auch wenn es immer wieder gerne geleugnet wird, mehr Schäfchen im Stall bedeutet auch mehr Münzen im Klingelbeutel.

Nach einigem hin und her, ein paar kritischen Kommentaren und Anmerkungen meinerseits kam die ultimative Gegenfrage von Anja:„ Warum gibt es dann das Böse in der Welt?!“
Da war Sie, die Frage der Fragen! Warum gibt es Kriege, Morde, Hunger, Vergewaltigungen, Diebstähle, Schlägereien, fiese Chefs, Drogen und das Dschungelcamp auf RTL??
Ich wollte zuerst mal nichts darauf antworten und fragte Sie.

Antwort Anja: Weil in uns Menschen das Böse ist! Luzifer, Satan, der Teufel spielen hier eine Runde mit. In seiner grenzenlosen Liebe hat Gott uns die von ihm erschaffene Erde übergeben, damit wir sorgsam mit ihr umgehen, und hier ein schönes Leben haben. Wie wir alle wissen, sieht die Realität leider anders aus. Deshalb wird Gott sehr bald eingreifen, um all die Fehlentwicklungen - und Tritte der Menschheit zu korrigieren und das Königreich Gottes auf Erden wieder herzustellen.

Wow, das war mal eine Antwort. Nun kommt der Haken an der Geschichte: Nur die Gläubigen, die „Werke“ vollbringen, und Ihr Leben ganz nach seinen Regeln ausgerichtet haben, also zum Beispiel Anja und Charlotte, werden dann im Königreich Gottes leben dürfen, im neuen Paradies auf Erden. Der ganze Rest, und das dürfte momentan wohl die Mehrzahl der Menschheit sein, inkl. mir, haben ganz schön gelitten. Wir leben nicht im Einklang mit den Geboten und Regeln der Bibel, wie zum Beispiel kein Sex vor der Ehe, Besuch von Gottesdiensten, Bibelstudium, und gehen nicht von Haustür zu Haustür, um die Menschen vor der Verdammnis zu retten. Somit haben wir keinen Platz im neuen Königreich auf Erden, und werden in der Verdammnis landen!

Ich insistierte, was ich denn tun könnte um diesem Elend zu entgehen.
Anja: „Erkennst du die Bibel als Autorität an?“
Ich: „Nein!“
Anja: „ Tja...“
Das wars dann wohl mit meiner Rettung!

Irgendwann wurden wir alle müde und gingen in unsere Zelte. Ein wirklich interessanter Abend, mit einem interessanten Gespräch. So interessant, das ich mich während der nächsten Tage und Wochen immer wieder daran erinnerte. Beim Abschied am nächsten Tag, gab mir Charlotte eine Ausgabe Ihrer „Mitgliederzeitung“ mit. Während der Tour lass ich sie mir durch. Harter Stoff, da haben sich einige Leute wirklich Gedanken gemacht.
Ein Beispiel? „Heute ist wissenschaftlich anerkannt, dass dass Universum einen Anfang hatte, womit der Glaube an einen Schöpfer ohne weiteres übereinstimmt: „ Im Anfang erschuf Gott die Himmel und die Erde“ (1. Mose 1:1) Ganz anders verhält es sich, wenn man das Leben und das Universum als das Werk eines genialen Schöpfers sieht, der über eine Fülle dynamischer Kraft“ oder Energie verfügt. Das würde erklären, woher die komplexen Informationssysteme des Lebens kommen, und warum in aller Materie – von den gewaltigen Galaxien bis zu den winzigen Atomen – äußerst fein abgestimmte Kräfte wirken (Jesaja 40:26)"

Eine Vermischung von wissenschaftlichen Erkenntnissen und Zitaten aus der Bibel.
Mit diesem Essay, möchte ich versuchen ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, und den aufgeworfenen Fragen und Thesen nachspüren. Das ganze geschieht auch für meine eigenen Fragen. Irgendwo lass ich mal „spirituell, aber nicht religiös“. So würde ich mich selber einschätzen. Ich glaube durchaus an eine unsichtbare, universelle oder auch göttliche Kraft, die in uns und in allem Formen auf der Erde wirkt. Und vor allem, glaube ich an eine universelle (göttliche) Führung im Leben, wenn man sie erkennt und sich darauf einläßt. Mittlerweile besteht da nach so vielen Erfahrungen auf meinen Reisen, kein Zweifel mehr.

Soviel zur Einleitung. Beginnen wir mit dem „Bösen in der Welt“.

Gut und Böse

Denn an sich ist nichts weder gut noch böse; das Denken macht es erst dazu.
William Shakespeare, Hamlet

Gut und Böse.Schwarz und Weiß. Tag und Nacht. Warm und Kalt. Christ oder Moslem. Man könnte die Reihe beliebig lange fortsetzen. Dualismen oder Gegensätze aus denen unsere Welt besteht und hervorgeht. Alina ging es ja darum, um die beherrschende, für Sie unbeantwortete Frage: Warum gibt es das Böse in einer Welt die erfüllt ist mit der Liebe Gottes?

Was ist Böse? Was ist Gut? Ist man böse wenn man seine Frau schlägt, das Finanzamt betrügt oder Konflikte mit Gewalt löst ? Ohne Zweifel, viele würden das so sehen. Heißt das dann im Umkehrschluss, der Mensch ist automatisch Gut, wenn er seine Frau nicht schlägt, ordentlich seine Steuern bezahlt und Konflikte mit Reden löst?
In den letzten Jahrhunderten haben sich die Philosophie und die Religionen darüber den Kopf zerbrochen, mit teils ganz unterschiedlichen Aussagen. Hier ein paar Beispiele:


Taoismus
„Das Dao hat im Daoismus die Bedeutung eines der ganzen Welt zugrunde liegenden, alldurchdringenden Prinzips. Es ist die höchste Wirklichkeit und das höchste Mysterium, die uranfängliche Einheit, das kosmische Gesetz und Absolute. Aus dem Dao entstehen die „zehntausend Dinge“, also der Kosmos, und auch die Ordnung der Dinge entsteht aus ihm, ähnlich einem Naturgesetz, doch ist das Dao selbst kein omnipotentes Wesen, sondern der Ursprung und die Vereinigung der Gegensätze und somit undefinierbar.
Das Wirken des Dao bringt die Schöpfung hervor, indem es die Zweiheit, das Yin und das Yang, Licht und Schatten hervorbringt, aus deren Wandlungen, Bewegungen und Wechselspielen dann die Welt hervorgeht“

Christentum"Aus einer von Jesu Botschaft inspirierten Sicht kann das Böse als solches nicht von Gott gewollt sein, dies widerspräche Gottes alle Geschöpfe umfangender Liebe. Die Möglichkeit des Bösen resultiert daher aus christlicher Sicht aus der Fehlbarkeit endlicher, von Gott zu verschiedenen Stufen selbständigen Wirkens ermächtigter Wesen“

Philosophie
"Benedict de Spinoza kennzeichnete das Böse als subjektive Zuschreibung: das was die Selbstbehauptung des Einzelnen hemme, nenne der Betreffende „böse“ (entsprechend umgekehrt gilt dies ihm zufolge ebenso für den Begriff „gut“)“

„Im Handbüchlein der Moral beschreibt Epiktet dass ebenso, wie ein Ziel nicht zum Verfehlen aufgestellt werde, das Schlechte kein Ziel sein und in der Weltordnung und im Sein keine Erstursache haben könne. Das Böse könne jedoch auch als solches angestrebt werden. Dabei wirft Wille zum Bösen die Frage nach dem Ursprung des Bösen auf.“

- Quelle: Wikipedia-
Wir sehen, ganz unterschiedliche Ansichten und Aussagen. Meine ganz persönliche Interpretation ist, das wir bei der Geburt aus dem reinem Gewahrsein oder Bewußtsein in eine körperliche Form geboren werden. Dadurch vergessen wir zuerst einmal unseren Ursprung, und machen unsere Erfahrungen als menschliches Wesen (Kleinkind, Prägungen, Erziehung, Schule, Beruf, Familie usw.) Und diese sind bestimmt nicht immer gut, schön und nett, sondern auch unangenehm, schmerzlich und leidvoll. So beginnen wir uns als menschliche Wesen zu entwickeln, und kreieren aus diesen Erfahrungen unsere eigene, individuelle Lebensgeschichte, an die wir uns immer wieder zurückerinnern, die uns oft belastet, und die wir manchmal am liebsten abschütteln wollen. Unser Gehirn produziert offensichtlich einen endlosen Gedankenstrom, der dazu führt, dass wir meistens in der Vergangenheit verharren, oder von einer rosigen Zukunft träumen. In der Gegenwart, im jetzigen Moment sind wir meistens nie, vielleicht kurz, aber nie ganz!

Tabula Rasa
"Der Philosoph John Locke verwendet diese Vorstellung als Metapher für den menschlichen Verstand bei der Geburt („ein unbeschriebenes Blatt“). Dieser wird im Verlauf des Lebens durch die Erfahrung geprägt.“

Quelle: Wikipedia

Schlussfolgerung

Gut und Böse entstehen erst durch uns, unsere Tat. Wir sind geprägt und konditioniert durch verschiedenste Personen und Umstände:Kindheit, Erziehung, Schule, Freunde, Partner, Familie Kollegen, TV, Werbung, Medien.
Bei vielen läuft das wie ein automatisches Programm ab, das sie lenkt und steuert, und glauben lässt, ich kann daran nichts ändern, so bin ich. Die Ausschaltung dieses Automatismus liegt im Gewahr werden. In dem Moment, in dem wir uns unserer Handlung voll bewußt werden,uns nicht blindlings unserer Wut, Aggression oder Gier hingeben, haben wir eine Wahl, haben wir einen freien Willen uns anders zu verhalten, wie es uns unser konditionierter Geist weiß machen will. Der Schlüssel liegt in der Achtsamkeit, in dem kurzen Moment des Innehalten unmittelbar vor der Handlung. Und dann können wir sehr wohl entscheiden, ob wir zuschlagen, betrügen, mißhandeln, verspotten, oder nicht. Wir haben die Wahl, immer!

*Namen wurden geändert

- Fortsetzung folgt -