Ich glaube das erste mal begegnete ich ihm schon in meiner ersten Woche. Ich ging die ersten Tage viel zu Fuss, die Gegend um mein Guesthouse herum erkunden, wie ich am schnellsten in die Stadt kam, usw. So lief ich eines Tages durch das "French Quarter", das Viertel, indem noch französische Kolonialhäuser stehen, das französische Strassennamen trägt und eigentlich nicht viel mit dem Rest von Pondicherry zu tun hat, eigentlich auch nicht mit dem Rest von Indien, vergleichsweise ruhig, sauber, wenig Müll, keine Bettler.
Es geschah ganz plötzlich, auf einmal höre ich neben mir eine Stimme: "Hello Sir, how are you"? Ich schaue nach rechts, und blicke in das Gesicht eines Jungen, eines jungen Kindes das früh Verantwortung übernehmen musste, ich schätzte ihn zwischen 9-12 Jahren. Ein freundliches, strahlendes Gesicht, ob mit oder ohne Verkaufsmasche.
Und dann fängt er an zu reden, redet ununterbrochen. "Nice Bags, Sir, you can use it for handy, Money, only 20 Rupien". Mein Blick wandert von dem Gesicht runter auf die Arme des Jungen, beide sind vollgehängt mit kleinen, bunten Stoffbeuteln. Alle selber von seiner Mutter hergestellt, so sagt er, was natürlich völlig klar ist! Er ist gut, wirklich gut, weiss wo man die Westler am besten treffen kann, in ihrem Mitgefühl. Mit seiner linken Hand zupft er an seinem Hemd und erklärt mir dabei "My Mother need the money for buying the schooluniform", wenn er heute nicht genügend verkauft, kann er morgen nicht in die Schule gehen, so erzählt er weiter!
Ich bin zwar erst die erste Woche hier, aber nicht ganz ohne Vorkenntnisse nach Indien gereist. Wenn ich eins immer wieder gelesen habe, dann dies, niemals einem Kind das bettelt oder auch was verkaufen will Geld geben. Man weiss nämlich nie wo es landet, in den seltensten Fälle dort, was man von den Kids so an Stories zu hören bekommt, kann also durchaus sein, das der Junge abends nach 12 std. durch die Hitze rennend, die paar Rupien an irgendeinen finsteren Typen abdrücken muss, und dafür eine Mahlzeit und einen Schlafplatz in einer heruntergekommenen Bude bekommt. Es kann natürlich auch sein, das er wirklich abends nach hause kommt, von seiner Mutter freudig begrüsst wird, Sie ihm ein Essen macht und er stolz berichten kann das er wieder einen Monat länger in die Schule gehen kann. Aber nach allem was ich gehört, gesehen und erlebt habe, halte ich das für die unwahrscheinlichste Variante!
So blieb ich also relaxt, aber bestimmt, sagte mehrmals "No thank you i don't needed". Ich betone mehrmals, weil wie gesagt die Jungs alle Tricks draufhaben und hartnäckig bleiben, aber in dem Punkt sind wir uns ähnlich , und nach einigem "No's" und ignorieren war er so schnell wieder verschwunden, wie er gekommen war.
Die Tage vergingen, ich war ja fast jeden Tag mal in der Stadt, und wie es der "Zufall" so wollte, begegnete ich immer wieder dem selben Bag-Verkäufer. Ich suchte immer mehr das Gespräch mit ihm, laß mich mit einem Lächeln auf das "Verkaufsgespräch" ein, blieb aber bei meinem "no thank you", weil ich ja ganz abgesehen von dem Schicksal des Jungen, wirklich keine "Bag" brauchte. Aber er gefiel mir, und immer wenn ich ihn wieder sah, machte ich mir meine Gedanken.
Eines Tages stand ich mit einem Deutschen aus meinem Guesthouse vor einem Kokosnußstand, wir genossen beide gerade die kühle Erfrischung. Plötzlich, aus heiterem Himmel, stand er wieder vor mir ,mit seinen unzähligen Stoffbeuteln um den Arm, ich begrüsste ihn mit "Hello my Friend", er lächelte, ging auf mich zu und umarmte mich! Nicht weiter erwähenswert das er gleich wieder mit seinem Verkaufsgespräch anfing, ich aber weiterhin keine kaufte. Diesmal, und auch schon bei den letzten Malen, gab ich ihm stand den 20 Rs. ein Bonbons, er packte es gleich aus, steckte es in den Mund, spuckte es dann aber mit einem "Äh" aus, ok Lakritz Bonbons aus Deutschland sind nicht wirklich weit verbreitet in Indien:-)
Nach dieser Begegnung machte ich mir wirklich Gedanken, irgendwie hatte ich den Jungen in mein Herz geschlossen. Ich sprach mit einem Freund aus dem Guesthouse über die grundsätzliche Situation solcher Kinder als Verkäufer. Er vertrat die Meinung, wenn man ihnen was gibt, muss es einem egal sein, was mit dem Geld passiert und an wen es letztendlich geht. Ich sah und sehe das anders, weil ich denke man kann dadurch sogar unter Umständen das "Leid" dieser Kinder vergrössern. Aber trotzdem wollte ich ihm was gutes tun, ihm ein wenig helfen, für einen kurzen Moment seinen harten Alltag etwas erheitern. Nur was tun?
Den entscheidenen Impuls bekam ich durch Sonja, und ihrer grosszügigen Hilfe für eine indische Familie. Sie kaufte nämlich hauptsächlich, Kleidung, Obst, Essen, also Sachen die man direkt gebrauchen bzw. verbrauchen kann. So fuhr ich 2 Tage später mit meinem Rad zu einem Obstladen, kaufte eine Tüte voll Mandarinen und Bananen. Heute so hatte ich mir vorgenommen, bekommt jeder Bag-Junge der mich anspricht, eine Mandarine und eine Banane, die kann er dann direkt essen und hat wenigstens was im Magen. Ich fuhr durch die Strassen, an der Strandpromenade entlang, durch das French-Quarter, also überall dort wo die meisten Touris und somit auch Strassenverkäufer rumlaufen, wollte mal wieder den "Zufall" entscheiden lassen, aber es war wie verhext, ich traf auf gar keinen, sah keinen einzigen, als wäre es ein Gesetz, wenn man etwas unbedingt will, danach sucht, findet man es nicht!
Ich nahm die Tüte mit nach Hause, und versuchte es am nächsten Tag noch einmal, wieder ohne Erfolg. Noch nicht einmal Bettler sprachen mich an, denen ich natürlich genauso was gegeben hätte. So fuhr ich ein wenig resegniert nach Hause, vorne im Fahrradkorb eine Tüte voller Obst.
Tatsächlich war unsere Begegnung bei der "Kokosnussfrau" unsere letzte bis zu meiner Abreise, danach sah ich ihn nie wieder. Wahrscheinlich wird er aber gerade jetzt wieder durch die Strassen von Pondicherry flitzen, sich von hinten einem "Weisen" annähern und mit seinem besten Lächeln fragen: "Hello Sir, how are you"
Alles Gute mein kleiner Freund...
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Donnerstag, 24. Februar 2011
Samstag, 19. Februar 2011
Eine Reise voller Begegnungen
Das Reisen führt uns zu uns zurück.
Albert Camus
Seit dieser Woche bin ich zurück. Mein Aufenthalt ging über 2 Monate in Indien, er hat Spuren hinterlassen, Prozesse eingeleitet, alte Themen aufgerüttelt. Ja es ist so wie man von langjährigen Indienreisenden immer gehört hat, du kommst als anderer Mensch zurück. Da ich mich ja schon länger auf meiner ganz persönlichen "Reise" befinde, war dieser Aufenthalt, diese intensive Zeit, der letzte Baustein für ein neues Gebilde, einem neuen Abschnitt der nun kommen wird.
Diese Zeit war für mich vor allem eine Zeit der Begegnungen, mit einer anderen Kultur, unterschiedlichen Menschen und mit mir! Es war eine sehr wertvolle Zeit in meinem Leben, in der ich viel lernen konnte, und immer noch tue.
Und das obwohl nach "aussen" gesehen gar nicht viel passiert ist. Ausser den 10 Tagen in Chennai zur Meditation und einem Tagesausflug nach Chidambaram, bin ich nur in Pondicherry geblieben. Nach meinem 10 Tages-Retreat wurde mir klar, ich möchte nicht weiter durchs Land reisen. Es war nicht nur wegen den damit verbundenen körperlichen Strapazen, der Hitze, den tagelangen Zugfahrten oder weil ich alleine hätte aufbrechen müssen, es war vor allem die Erkenntnis, das dies momentan nicht die Zeit dafür ist, für immer neue Eindrücke im Aussen, Sehenswürdigkeiten, Tempel, Strände, nein es war und ist eine Zeit des Innen, der Begegnung mit sich selbst, mit alten Mustern und Verletztungen, ja auch mit alten Glaubenssätzen und Überzeugungen, mit alten Energien die aufgelöst und transformiert wurden.
Nun ich hatte es schon erwähnt, die ersten 3 Wochen war ich wie in einem Kulturschock, nicht nur die Hitze, das Klima an das man sich gewöhnen muss, insbesondere das was man auf den Strassen sieht. Ungefiltert und ohne Vorwarnung wird man damit konfrontiert, Dreck, Gestank, Müll, aber vor allem Leid, Elend, bei Mensch und Tier. Wie geht man damit um, wenn man als "Weißer", als Westler der immer Geld hat, von Frauen mit ihrem Baby auf dem Arm angebettelet wird, mit der typischen Handbewegung zum Mund des Kindes, wie geht man damit um wenn ein zerlumpter Fahrradrikschafahrer 1o Minuten an einem bettelt um für 10 Rupien mit ihm zu fahren, wie geht man damit um wenn man eine Familie mit 3 kleinen Kindern im Dreck leben sieht, mit nichts ausser ein paar Tüten?
Meine Antwort war, das ich mich mit der Zeit daran gewöhnte, was unvermeidlich und notwendig war, trotzdem gibt es darauf so individuelle Antworten wie Menschen, da gibt es nichts pauschales. Da gibt es jene Westler die seit mehreren Jahren in das Land kommen, oder dort schon seit mehreren Jahren leben, die sich sehr dem angepasst haben wie die Inder selbst damit umgehen "Nobody cares", es interessiert niemanden, es gehört zum normalen Anblick, eines Strassenbildes, eines Stadtbildes, wie bei uns Jogger im Park oder Radfahrer auf Gehwegen. Man könnte auch sagen, bei diesen Westlern hat eine gewisse emotionale Abstumpfung oder Anpassung stattgfunden. Und somit haben sie sich (un)bewusst dem Land angepasst, das Sie seit langem bereisen oder dort leben, Emotionen spielen keine grosse Rolle im Alltag, es wird akzeptiert wie es ist, ob nun ein Kind Dreck frisst, oder einer aus der unteren Kaste auf der Strasse überfahren wird, er hat sein Leben gelebt, und er kommt ja wieder, beim nächsten Mal vielleicht als Maharaja, die Wiedergeburtslehre macht es möglich, zudem das Kastenwesen, das jeder in die Kaste geboren wird, die er sich durch seine Taten (Karma) im vorherigen Leben "verdient" hat! Religion und Kastenwesen in enger Symbiose, was wohl notwendig ist für das zweit grösste Land der Welt, "Opium fürs Volk", ein Beruhigungsmittel um die Ordnung zu wahren, soziale Unruhen zu vermeiden (die es trotzdem gibt), 800 Millionen Inder leben unter der Armutsgrenze, ein enormes Sprengpotential.
Der Fischer mit seiner Familie, wird immer in seiner Bambushütte leben, er fragt oder denkt gar nicht, was wäre wenn, wie wäre es wenn ich ein Haus, ein Auto und fließendes Wasser hätte! Er akzeptiert es und macht das beste daraus, jammert und lamentiert nicht, ein Charakterzug, eine Haltung, von der wir im Westen durchaus mehr haben könnten, jenseits aller sozialen Unterschiede. Von meinem Zimmer aus, konnte ich die Familie, insbesondere die Kinder, lange Zeit beobachten, Kinder die auf der Strasse lachen, hüpfen, tanzen und spielen. Selten habe ich so fröhliche Kinder gesehen,und das in einem Umfeld das wir als "Slum" bezeichnen würden. Da stellt man sich doch einmal mehr die Frage, wieviel "Wohlstand" braucht man um glücklich zu sein??
Ich persönlich war in der Frage des Gebens von Geld sehr hin und hergerissen, egal wieviel. Man muss nämlich wissen, das man von dem Bettler auch etwas zurückbekommt, entweder eine patzige Antwort weil man zu wenig gegeben hat, oder was bei mir sehr häufig der Fall war, ein schlechtes Gewissen, wenn man nichts gab und mit 2 vollen Einkaufstüten nach Hause fuhr. Kindern habe ich grundsätzlich kein Geld gegeben (soll man auch nicht), sondern immer etwas was sie sich direkt in den Mund stecken konnten, z.b. was süsses, oder einem kleinen Jungen eine Banane, die ich ihm direkt schälte und dafür ein Strahlen auf seinem Gesicht geschenkt bekam.
Nun es gibt aber auch andere Beispiele von Westlern, die noch nicht so emotional abgestumpft sind, das Elend nicht nur sehen, sondern auch etwas tun, handeln. Beispiele voller Mitgefühl, Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft.
Ich hatte die Freude und Gelegenheit zwei solcher Menschen kennenzulernen, mit ihnen viel Zeit zu verbringen, Ausflüge zu machen, zu lachen und zu diskutieren.
Zum einen war das Sonja, eine vitale mitte Fünzigjährige aus dem süddeutschen Raum. Sie kam immer rüber in unser Guesthouse zum Frühstück, unser Speiseraum war insbesondere morgens immer ein lebendiger Ort der Begegnung,des Austauschs und der Inspiration. Sie war insgesamt 3 Monate in Indien, 2 davon in Pondicherry. Eines Abends kommt Sonja aus einem Cafe in der Stadt, und stolpert sprichwörtlich über 2 nackte Kinder auf den Treppenstufen des Cafes. Sie lagen komplett nackt auf den Stufen und schliefen. Wahrscheinlich sind vor Ihr schon 10 Westler über die Kinder hinweggestiegen, doch Sonja reagierte, das sind Entscheidungen die innerhalb von Sekunden getroffen werden und aus dem Bauch kommen. Sie suchte die Eltern, die allesamt im Dreck leben, und kauften den beiden Töchtern an diesem Abend zuerst mal was zum anziehen.
Aber damit nicht genug, von nun an ging Sonja regelmäßig, manchmal täglich, zu der Familie in die Stadt, versorgte Sie mit Kleidung, Obst, Geld zum Essen, und zu guter Letzt, kurz vor Ihrer Abreise, mit einer Fahrradrikscha mit Ladefläche, damit der Vater sich damit ein paar Rupien verdienen kann, Hilfe zur Selbsthilfe.
Außerdem suchte Sie in der Stadt mehrere Regierungs und Privatorganisationen auf, um zu arrangieren das sich nach ihrer Abreise jemand um die Familie kümmert, leider blieb dieser Versuch ohne Erfolg.
Zum zweiten war da Katharina, die ich erst in der letzten Woche meines Aufenthaltes kennenlernte. Katharina ist eine junge Deutsche, Mitte Zwanzig aus München, die seit rund 4 Monaten in Pondicherry lebt, und genauso lange auch schon arbeitet, als Volunteer (Freiwillige) in einem Waisenhaus! In diesem Haus leben rund 100 Kinder, die meisten auf die eine oder andere Art geistig oder körperlich behindert. Es sind Ausgestossene Kinder, die wegen Ihrer Behinderung oder als Resultat einer Affäre, von den Eltern ausgesetzt wurden, sich selbst und somit meistens dem Tod überlassen werden. Sie werden auf der Strasse aufgesammelt oder von der Polizei gebracht. Katharina nahm mich einen Tag mit in das Waisenhaus und somit konnte ich mir selbst ein Bild machen. Es ist ein Bild des menschliches Elends, aber auch der Hoffnung, jedes Kind ein Schicksal für sich, ich nahm eine Tüte voller Kekse mit, verteilte sie unter den Kindern. Sie werden mit dem nötigsten versorgt, bekommen Essen und einen Schlafplatz, und dank der aufopferungsvollen und selbstlosen Arbeit der Volunteers auch ein wenig Zuwendung, Aufmerksamkeit, Wärme.
Diese beiden sollen hier nur stellvertretend für all die anderen zahlreichen Begegnungen genannt werden, diese beiden, weil Sie mich jeweils, jede auf Ihre Art, besonders bereichert, beeindruckt und fasziniert haben, mit Ihren Taten, Ihren Worten oder einfach Ihrem Sein. Genauso dankbar bin ich für all die anderen Begegnungen, kurz oder lang, im und ausserhalb des Guesthouse's, mit so verschiedenen Menschen aus unterschiedlichen Nationen, für die Gespräche, für das Zuhören, für das Ratgeben, für das da sein, es war eine schöne, erkenntisreiche Zeit, auf allen Ebenen!
Wie gehts nun weiter? Diese Frage sehe ich schon vor mir, in Emails, "hey wieder zurück, schön, und jetzt?" Jetzt genau das ist es, jetzt wenn ich am Laptop sitze, jetzt wenn ich aufstehe und aufs Klo gehe. So geht es weiter, von jetzt zu jetzt, von Augenblick zu Augenblick, weil sonst gibt es nichts, das ist die Realität! "Ja aber man muss doch planen, ein Ziel haben, der Kamin muss wieder rauchen?!" Klar, Ideen und Planungen gibt es, alles zu seiner Zeit!
Wenn ich gefragt werden würde, was hast du aus deiner Zeit in Indien mitgenommen, würde ich antworten: "Ein Gefühl der Liebe und Dankbarkeit für dieses Leben und die Erkenntnis das ALLES ständig im Wandel ist!"
Es kommt nie und nimmer darauf an was wir vom Leben zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet.
Viktor Frankl
Sonntag, 12. Dezember 2010
Indien - Welcome to the chaos
Nun bin ich also da! Reingeschleudert worden in diese andersartige Kultur.
Am Mittwoch abend in Chennai gelandet. Was sich hier abspielt trotz jeder Beschreibung, man kann noch so viel vorher über dieses Land lesen oder mit Indientravellern darüber sprechen, man muss es einfach erlebt haben um es zu glauben und es vielleicht irgendwann zu verstehen!
Der Flug und der Zwischenstopp in Delhi waren noch ok, ok im sinne wie es mein westliches Denken erwartet hat, freundliche Stewardessen, sauberes + sicheres Flugzeug ( wenn ich überlege was ich vorher alles an Negativberichten über Air India gelesen habe), ein morderner, mit westlichen Standards vergleichbarer Airport (über den gibts auch genug kommentare), kein verloren geganges Gepäck (dies war mit meine grösste Sorge). Die 9 Std. Aufenthalt habe ich mit rumsitzen, schlafen und lesen verbracht. Abends ging dann der Inlandsflug nach Chennai wo ich gegen 23 Uhr Ortszeit landete.
Mit verlassen des Flughafensgebäude begann dann irgendwann um Mitternacht mein Indienabenteuer und damit verbunden der erste Schock. Ich dachte ich bin im falschen Film. Der Flughafen eine riesige Baustelle, ein Inder erzählte mir später er solle mal so modern werden wie Delhi, vielleicht im nächsten Jahrtausend. All die ersten Eindrücke von Delhi Airport wurden hier innerhalb von Minuten zerschlagen, das indische System nahm mich auf. Was habe ich auch erwartet, keine Ahnung, wie gesagt man kann sich noch so viel vorstellen, es trifft nicht annähernd die Realität!
Ich schiebe meinen Trolley aus dem Flughafengebäude, das schon dreckig und verkommen ist. Ich brauche ein Taxi um zu meinen gebuchten "Hotel" zu kommen. In D. hatte ich mich schlau gemacht, auf jeden Fall ein sog. "Prepaid Taxi" nehmen, fester Preis und der Fahrer fährt auch dahin wo man will. Sobald ich durch die Tür ging empfing mich schon der Sound des indischen Strassenverkehrs, Dauerhupen und Geschreie. Ausserdem links und rechts hinter Sperrgittern hunderte von Menschen, einige mit Namen auf Schildern, wie sehr hätte ich mir im nachhin gewünscht auch meinen Namen auf so einem Schild zu lesen. Nach ein paar Metern sehe ich eine Menschentraube vor einem einfachen Holztisch, mit einem Pappschild darüber "Prepaid Taxi". Die Luft ist schwül und drückend, auch nachts kühlt es hier nicht sonderlich ab, zumindest im Süden. Ich bin müde, hungrig, verschwitzt, möchte nur noch so schnell wie möglich in ein sauberes Bett mit vorheriger Dusche. Am Taxistand dann angekommen verstehe ich vor lauter Lärm den Typen nicht, ich wusste wie hoch der Preis sein sollte. Er legt mir eine Quittung hin mit einem höherem Preis, ok denke ich gleich in der ersten Nacht musst du feilschen, es früh übt sich für die unzähligen weiteren Male.
Nein, ich würde nicht verstehen, es kommt ein anderer Fluggast hinzu, ein Inder, erklärt mir auf Englisch das man hier am Stand nur eine Gebühr bezahlt und später dann dem Fahrer den Fahrpreis und die Quittung gibt.
Mit der Quittung in der Hand stelle ich mich in eine lange Warteschlange am Strassenrand, einfach so ungefähr 100 meter vor dem flughafen, unzählige Menschen, die Autos quetschen sich um haaresbreite durch, ein unglaublicher Lärm, Abgasse, stickig. Ich erfahre die Taxis dürfen hier nicht parken, müssten dafür eine Gebühr zahlen, so fahren sie immer im kreise. Dann geht alles ganz schnell, es wird hektisch, der Typ vom Holztisch schreibt auf meine Qutittung eine Kennzeichen "Thats your taxi" der Fahrer erkennt mich, schnappt meinen grossen Rucksack, schmeisst ihn auf den Beifahrersitz, ich auf die Rückbank. Puh, schon mal die erste Hürde genommen denke, es wird noch eine lange Nacht.
Ich habe auch gelesen das man dem Fahrer erst die Quittung am Ende der Fahrt geben soll, sonst kann es passieren, dass er irgendwo anders hinfährt und dann mehr verlangt. Also zeige ich sie ihm nur und erkläre wohin ich will, die adresse hatte ich ausgedruckt. Wir fahren vom Flughafen in die Stadt. Man kennt es: es gibt keine Verkehrsregeln - vor jeder Kreuzung wird einfach gehubt -, dann drüber gefahren, Rote Ampeln - ein Spass-, ausweichen, es herrscht "normal" Linksverkehr, Kühe, Menschen, unzählige Arten von Rollern und Motorbikes, durch mein Fenster sehe ich die Strassenzüge vorbeifliegen, halb abgerissene Häuser, zerlumpte Menschen in der Gosse.
Plötzlich greift der Fahrer, ein junger Inder der seine Familie mit 2 Kindern hiermit ernährt, zum Handy. Ob ich eine Nr. vom Hotel hätte. Warum? Ich verstehe es zuerst nicht richtig, denke er will nach dem Weg fragen, wobei ich ihn vorher mindestens 3 mal gefragt habe, ob er ihn kennt? Typisch indisch, wie ich später noch des öfteren erfahren sollte, die sagen immer ja, und fragen sich dann lieber 10 mal durch, eine Fahrt mit einem Weissen lässt sich keiner entgehen.
Es folgt ein kurzes Gespräch, um dann von dem jungen Familienvater verkündet zu bekommen: das Hotel sei nicht in dem von mir genannten Stadtteil, es liegt wo anders!
Toll denke ich, habe ein richtig ungutes Gefühl, aber was soll ich machen, hoffe das ich ihm vertrauen kann, und vor allem mitten in der Nacht sicher dort ankomme und er nicht irgendwo in eine dunkle Seitenstrasse abbiegt.
Es kam wie es kommen musste. Irgendwann stehen wir von einem mehrstöckigem verkommenden, für indische Verhältnisse normal aussehendem Haus, mit dem Namen meines Hotels drauf. Der Preis hat sich natürlich wegen dem Umweg um 50 Rs erhöht, es sind nur Centbeträge, aber zu diesem Zeitpunkt (eigentlich noch heute) geht es mir ums Prinzip. Ich beschwere mich, verweise auf meine Quittung, es hilft nix, ich drücke ihm die 400 Rs in die Hand mit dem Satz " For your childrens", ein kurzes verlegenes Lächeln huscht über sein Gesicht, wenigstens diese kleine Genugtuung habe ich.
Dies war der erste "Betrug", man könnte auch sagen Lehrgeld das jeder der hier das erste mal hinkommt bezahlt. Der zweite sollte nicht lange auf sich warten lassen, am Front Desk des sogenannten Hotels, das mehr wie ein mehrstöckiges Mietshaus aussieht, erfahre ich das sich der mir per email bestätigte Preis für ein Zimmer heute erhöhte hätte! Wieder kommt meine Prinzipientreue hoch, jetzt noch gepaart mit aufkommender Wut, ich sage klar ich werde nur diesen Preis hier bezahlen, ja ich solle zuerst mal den Anmeldungsformulare aussfüllen und schlafen gehen.
Ein Inder schleppt meinen Rucksack hoch und begleitet mich in mein First-Class-Zimmer.Damit nimmt der Tag, dieser Abend einen krönenden Abschluss, spätestens jetzt sollte mir klar,ich bin in Indien und nicht mehr in Europa.
So ein Zimmer würde man glaube ich in Europa noch nicht mal im letzten Bahnhofsviertel finden. Ein Doppelbett von dem ich schon nach einem einzig Blick wusste, darauf lege ich mich nur mit meinen eigenen Bettlaken, fasse noch nicht mal die Decke an. Ein Fernseher in der Ecke, der Deckenventilator surrt, in der hinteren Ecke ein Schrank den ich erst gar nicht aufmache. Zwei Fenster mit Gittern, wenigstens sicher, das eine öffne ich einen Spalt, und erlbicke eine Hauswand, Rohre, nein, bin mir nicht sicher, vielleicht auch ein Bad, über mir sehe ich nämlich einen Toillettenkasten!
Das "Beste"an diesem Zimmer ist das indisch gehaltene Bad, heisst ein verrosteteter in der Wand installierter Duschkopf, zwei Hähne, wobei es sowieso nur kaltes Wasser gibt, eine versiefte Kloschüssel, ein Waschbecken, ein Wasserhahn, ein Spiegel, ein Plastikeimer, zwei kleine Becher (erst in dem neuen Guesthouse wurde mir erklärt, das dies für die Toilette ist, Klopapier gibts nämlich grundsätzlich nicht auf ind. Toiletten, heisst also manuelle Säuberung mit der linken Hand+Wasser). Aber ich habe ja eigenes dabei.
Ich muss mich sehr überwinden, es hilft nix, ich bin so verschwitzt, ich brauche irgendwie eine Dusche. Mehr oder weniger hüpfe ich zwischen den Wasserstrahlen hin und her, und lege mich dann irgendwann gegen 2 uhr ins bett, nein auf meine gott sei dank mitgebrachten Laken. Das allerschlimmste an diesem Zimmer ist allerdings der Geruch, ein modriger, alter Gestank, nicht zu beschreiben, was es ist oder woher, das ganze Zimmer lebt davon, ich schmiere mir ein wenig Zahnpasta unter die Nase, es hilft nur kurzzeitig.
Das ist also meine erste Nacht in Indien, wow. Ich bin zwar totmüde, komme aber in keinen schlaf, mehr oder weniger nur ein dösen, Gedanken schiessen durch den Kopf, schaue immer wieder zu Tür, fühle mich irgendwie nicht richtig sicher, das Geld liegt unter dem Kopfkissen, das "Abwehrspray" griffbereit.
Am nächsten Tag checke ich aus. Am morgen gibt es fast noch Kabarettstück. Der Typ an der Rezeption fragt " How are you doing". Prima antworte ich, gut geschlafen, gemütliches Zimmer, das ironische Grinsen schwer verkneifend! "You look fresh" antwortet er daraufhin. Ich sage nichts mehr!
Der Rest in Kürze: kurzer Gang durch die Strassen, verwirrend, heiss, stressig, laut, Menschen mit Beinen wie Strohhalme. Geld gewechselt, den erhöhten Hotelpreis bezahlt, mit Motorrikscha zum Busterminal, klimatisierte 4-std. Busfahrt nach Pondicherry, ein Abend früher im gebuchten Guesthouse, Glück, das Zimmer ist bereits frei, ich öffne die Tür, im Paradies, sauber, hell, kein Autolärm, Meerblick.
Heute der 4. Tag. Habe in meinen Guesthouse mit mehreren Leuten gesprochen, es ist normal, geht jedem so wenn man das erste mal auf diesen Subkontinent kommt, die Armut, der Dreck, die Bettler, heute haben mich 3 angesprochen, alles Frauen, eine mit einem Baby auf dem Arm, schwierig, einmal gab ich 10 Rs. man muss ein eigenes Gefühl dafür entwickeln.
Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, es sprengt einfach alle westlichen Standards, Regeln, Konventionen. Es ist wie ein spiegel, bringt einem zum Nachdenken, kann auch eine grosse Chance sein, eine Weiterentwicklung, fundamental!
Aber soweit bin ich noch nicht, step by step, jeden Tag aufs neue dem Lärm,der Armut, der Hitze stellen, irgendwann so hört man, beginnt man dann das zu sehen was hiner dem Schmutz, dem Elend steckt, wofür Indien seit Jahrtausenden bekannt ist, etwas was es im westen nicht mehr gibt, verdeckt, unterdrückt, verloren durch das Materielle, hier wo der Materialismus (noch) nicht vollkommen die Oberhand übernommen hat, hier soll es noch durchblitzen, wenn man offen, bereit dazu ist.
Am Mittwoch abend in Chennai gelandet. Was sich hier abspielt trotz jeder Beschreibung, man kann noch so viel vorher über dieses Land lesen oder mit Indientravellern darüber sprechen, man muss es einfach erlebt haben um es zu glauben und es vielleicht irgendwann zu verstehen!
Der Flug und der Zwischenstopp in Delhi waren noch ok, ok im sinne wie es mein westliches Denken erwartet hat, freundliche Stewardessen, sauberes + sicheres Flugzeug ( wenn ich überlege was ich vorher alles an Negativberichten über Air India gelesen habe), ein morderner, mit westlichen Standards vergleichbarer Airport (über den gibts auch genug kommentare), kein verloren geganges Gepäck (dies war mit meine grösste Sorge). Die 9 Std. Aufenthalt habe ich mit rumsitzen, schlafen und lesen verbracht. Abends ging dann der Inlandsflug nach Chennai wo ich gegen 23 Uhr Ortszeit landete.
Mit verlassen des Flughafensgebäude begann dann irgendwann um Mitternacht mein Indienabenteuer und damit verbunden der erste Schock. Ich dachte ich bin im falschen Film. Der Flughafen eine riesige Baustelle, ein Inder erzählte mir später er solle mal so modern werden wie Delhi, vielleicht im nächsten Jahrtausend. All die ersten Eindrücke von Delhi Airport wurden hier innerhalb von Minuten zerschlagen, das indische System nahm mich auf. Was habe ich auch erwartet, keine Ahnung, wie gesagt man kann sich noch so viel vorstellen, es trifft nicht annähernd die Realität!
Ich schiebe meinen Trolley aus dem Flughafengebäude, das schon dreckig und verkommen ist. Ich brauche ein Taxi um zu meinen gebuchten "Hotel" zu kommen. In D. hatte ich mich schlau gemacht, auf jeden Fall ein sog. "Prepaid Taxi" nehmen, fester Preis und der Fahrer fährt auch dahin wo man will. Sobald ich durch die Tür ging empfing mich schon der Sound des indischen Strassenverkehrs, Dauerhupen und Geschreie. Ausserdem links und rechts hinter Sperrgittern hunderte von Menschen, einige mit Namen auf Schildern, wie sehr hätte ich mir im nachhin gewünscht auch meinen Namen auf so einem Schild zu lesen. Nach ein paar Metern sehe ich eine Menschentraube vor einem einfachen Holztisch, mit einem Pappschild darüber "Prepaid Taxi". Die Luft ist schwül und drückend, auch nachts kühlt es hier nicht sonderlich ab, zumindest im Süden. Ich bin müde, hungrig, verschwitzt, möchte nur noch so schnell wie möglich in ein sauberes Bett mit vorheriger Dusche. Am Taxistand dann angekommen verstehe ich vor lauter Lärm den Typen nicht, ich wusste wie hoch der Preis sein sollte. Er legt mir eine Quittung hin mit einem höherem Preis, ok denke ich gleich in der ersten Nacht musst du feilschen, es früh übt sich für die unzähligen weiteren Male.
Nein, ich würde nicht verstehen, es kommt ein anderer Fluggast hinzu, ein Inder, erklärt mir auf Englisch das man hier am Stand nur eine Gebühr bezahlt und später dann dem Fahrer den Fahrpreis und die Quittung gibt.
Mit der Quittung in der Hand stelle ich mich in eine lange Warteschlange am Strassenrand, einfach so ungefähr 100 meter vor dem flughafen, unzählige Menschen, die Autos quetschen sich um haaresbreite durch, ein unglaublicher Lärm, Abgasse, stickig. Ich erfahre die Taxis dürfen hier nicht parken, müssten dafür eine Gebühr zahlen, so fahren sie immer im kreise. Dann geht alles ganz schnell, es wird hektisch, der Typ vom Holztisch schreibt auf meine Qutittung eine Kennzeichen "Thats your taxi" der Fahrer erkennt mich, schnappt meinen grossen Rucksack, schmeisst ihn auf den Beifahrersitz, ich auf die Rückbank. Puh, schon mal die erste Hürde genommen denke, es wird noch eine lange Nacht.
Ich habe auch gelesen das man dem Fahrer erst die Quittung am Ende der Fahrt geben soll, sonst kann es passieren, dass er irgendwo anders hinfährt und dann mehr verlangt. Also zeige ich sie ihm nur und erkläre wohin ich will, die adresse hatte ich ausgedruckt. Wir fahren vom Flughafen in die Stadt. Man kennt es: es gibt keine Verkehrsregeln - vor jeder Kreuzung wird einfach gehubt -, dann drüber gefahren, Rote Ampeln - ein Spass-, ausweichen, es herrscht "normal" Linksverkehr, Kühe, Menschen, unzählige Arten von Rollern und Motorbikes, durch mein Fenster sehe ich die Strassenzüge vorbeifliegen, halb abgerissene Häuser, zerlumpte Menschen in der Gosse.
Plötzlich greift der Fahrer, ein junger Inder der seine Familie mit 2 Kindern hiermit ernährt, zum Handy. Ob ich eine Nr. vom Hotel hätte. Warum? Ich verstehe es zuerst nicht richtig, denke er will nach dem Weg fragen, wobei ich ihn vorher mindestens 3 mal gefragt habe, ob er ihn kennt? Typisch indisch, wie ich später noch des öfteren erfahren sollte, die sagen immer ja, und fragen sich dann lieber 10 mal durch, eine Fahrt mit einem Weissen lässt sich keiner entgehen.
Es folgt ein kurzes Gespräch, um dann von dem jungen Familienvater verkündet zu bekommen: das Hotel sei nicht in dem von mir genannten Stadtteil, es liegt wo anders!
Toll denke ich, habe ein richtig ungutes Gefühl, aber was soll ich machen, hoffe das ich ihm vertrauen kann, und vor allem mitten in der Nacht sicher dort ankomme und er nicht irgendwo in eine dunkle Seitenstrasse abbiegt.
Es kam wie es kommen musste. Irgendwann stehen wir von einem mehrstöckigem verkommenden, für indische Verhältnisse normal aussehendem Haus, mit dem Namen meines Hotels drauf. Der Preis hat sich natürlich wegen dem Umweg um 50 Rs erhöht, es sind nur Centbeträge, aber zu diesem Zeitpunkt (eigentlich noch heute) geht es mir ums Prinzip. Ich beschwere mich, verweise auf meine Quittung, es hilft nix, ich drücke ihm die 400 Rs in die Hand mit dem Satz " For your childrens", ein kurzes verlegenes Lächeln huscht über sein Gesicht, wenigstens diese kleine Genugtuung habe ich.
Dies war der erste "Betrug", man könnte auch sagen Lehrgeld das jeder der hier das erste mal hinkommt bezahlt. Der zweite sollte nicht lange auf sich warten lassen, am Front Desk des sogenannten Hotels, das mehr wie ein mehrstöckiges Mietshaus aussieht, erfahre ich das sich der mir per email bestätigte Preis für ein Zimmer heute erhöhte hätte! Wieder kommt meine Prinzipientreue hoch, jetzt noch gepaart mit aufkommender Wut, ich sage klar ich werde nur diesen Preis hier bezahlen, ja ich solle zuerst mal den Anmeldungsformulare aussfüllen und schlafen gehen.
Ein Inder schleppt meinen Rucksack hoch und begleitet mich in mein First-Class-Zimmer.Damit nimmt der Tag, dieser Abend einen krönenden Abschluss, spätestens jetzt sollte mir klar,ich bin in Indien und nicht mehr in Europa.
So ein Zimmer würde man glaube ich in Europa noch nicht mal im letzten Bahnhofsviertel finden. Ein Doppelbett von dem ich schon nach einem einzig Blick wusste, darauf lege ich mich nur mit meinen eigenen Bettlaken, fasse noch nicht mal die Decke an. Ein Fernseher in der Ecke, der Deckenventilator surrt, in der hinteren Ecke ein Schrank den ich erst gar nicht aufmache. Zwei Fenster mit Gittern, wenigstens sicher, das eine öffne ich einen Spalt, und erlbicke eine Hauswand, Rohre, nein, bin mir nicht sicher, vielleicht auch ein Bad, über mir sehe ich nämlich einen Toillettenkasten!
Das "Beste"an diesem Zimmer ist das indisch gehaltene Bad, heisst ein verrosteteter in der Wand installierter Duschkopf, zwei Hähne, wobei es sowieso nur kaltes Wasser gibt, eine versiefte Kloschüssel, ein Waschbecken, ein Wasserhahn, ein Spiegel, ein Plastikeimer, zwei kleine Becher (erst in dem neuen Guesthouse wurde mir erklärt, das dies für die Toilette ist, Klopapier gibts nämlich grundsätzlich nicht auf ind. Toiletten, heisst also manuelle Säuberung mit der linken Hand+Wasser). Aber ich habe ja eigenes dabei.
Ich muss mich sehr überwinden, es hilft nix, ich bin so verschwitzt, ich brauche irgendwie eine Dusche. Mehr oder weniger hüpfe ich zwischen den Wasserstrahlen hin und her, und lege mich dann irgendwann gegen 2 uhr ins bett, nein auf meine gott sei dank mitgebrachten Laken. Das allerschlimmste an diesem Zimmer ist allerdings der Geruch, ein modriger, alter Gestank, nicht zu beschreiben, was es ist oder woher, das ganze Zimmer lebt davon, ich schmiere mir ein wenig Zahnpasta unter die Nase, es hilft nur kurzzeitig.
Das ist also meine erste Nacht in Indien, wow. Ich bin zwar totmüde, komme aber in keinen schlaf, mehr oder weniger nur ein dösen, Gedanken schiessen durch den Kopf, schaue immer wieder zu Tür, fühle mich irgendwie nicht richtig sicher, das Geld liegt unter dem Kopfkissen, das "Abwehrspray" griffbereit.
Am nächsten Tag checke ich aus. Am morgen gibt es fast noch Kabarettstück. Der Typ an der Rezeption fragt " How are you doing". Prima antworte ich, gut geschlafen, gemütliches Zimmer, das ironische Grinsen schwer verkneifend! "You look fresh" antwortet er daraufhin. Ich sage nichts mehr!
Der Rest in Kürze: kurzer Gang durch die Strassen, verwirrend, heiss, stressig, laut, Menschen mit Beinen wie Strohhalme. Geld gewechselt, den erhöhten Hotelpreis bezahlt, mit Motorrikscha zum Busterminal, klimatisierte 4-std. Busfahrt nach Pondicherry, ein Abend früher im gebuchten Guesthouse, Glück, das Zimmer ist bereits frei, ich öffne die Tür, im Paradies, sauber, hell, kein Autolärm, Meerblick.
Heute der 4. Tag. Habe in meinen Guesthouse mit mehreren Leuten gesprochen, es ist normal, geht jedem so wenn man das erste mal auf diesen Subkontinent kommt, die Armut, der Dreck, die Bettler, heute haben mich 3 angesprochen, alles Frauen, eine mit einem Baby auf dem Arm, schwierig, einmal gab ich 10 Rs. man muss ein eigenes Gefühl dafür entwickeln.
Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, es sprengt einfach alle westlichen Standards, Regeln, Konventionen. Es ist wie ein spiegel, bringt einem zum Nachdenken, kann auch eine grosse Chance sein, eine Weiterentwicklung, fundamental!
Aber soweit bin ich noch nicht, step by step, jeden Tag aufs neue dem Lärm,der Armut, der Hitze stellen, irgendwann so hört man, beginnt man dann das zu sehen was hiner dem Schmutz, dem Elend steckt, wofür Indien seit Jahrtausenden bekannt ist, etwas was es im westen nicht mehr gibt, verdeckt, unterdrückt, verloren durch das Materielle, hier wo der Materialismus (noch) nicht vollkommen die Oberhand übernommen hat, hier soll es noch durchblitzen, wenn man offen, bereit dazu ist.
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