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Mittwoch, 26. Oktober 2011

Auf den Weg nach Dubrovnik

Tag 43

Nach dem Blogaktualisieren ging es von Drevnik weiter entlang der Kueste. Auf den Weg nach Dubrovnik, muss man ein kleines Stueck durch Bosnien fahren. Das stand heute an.

Aui der Karte sah es nicht weit aus, vielleicht 10-20 km. Diese wollte ich heute auf jeden Fall durchqueren, um mir danach im vertrauten Kroatien wieder einen Zeltplatz zu suchen. Leider wurde daraus nichts. Das staendige auf und ab,zehrte an meinen Kraeften, und kostete zudem mehr Zeit. Gegen 17 Uhr erreichte ich die Grenze. Ja hier wird noch kontrolliert, Bosnien ist bekanntlich (noch) kein EU-Land. Doch alles ganz easy,kurz den Perso gezeigt, der Beamte fragte nach dem Weg, Gute Reise.
Kurze Zeit spaeter erreichte ich die einzigste Stadt in diesem kleinen Grenzgebiet, Neum.

Ich schaute auf die Uhr, nun war es schon 17.30. Ich war muede, abkaempft, hungrig, und somit unkonzentriert. Somit ein potentieller Kandidat, um gierigen Haien in die Haende zu fallen, die naiven Touristen das Geld aus der Tasche ziehen.
So fuhr ich auf der Hauptstrasse, und ploetzlich rief es von der anderen Seite, "Camping, Camping". Ich hielt an. Ja ich brauchte schnell einen Platz, da es ab 18 Uhr ganz schnell dunkel wird.
Eine alte, haessliche und zahnlose Frau kam auf mich zu. Auf Reisen entwickelt man einen Blick fuer die Menschen. Bei der wusste ich sofort, der geht es nur um eins: Geld!
Im gebrochenen Englisch haute Sie einige Phrasen raus: "Deutsch Mark,Euro,cheap."
Ich fragte nach dem Preis. Da antwortete mir die Alte tatsaechlich: 16 Euro!
Wie gesagt ich war abgekaempft, normalerweise trete ich bei solchen Preisen sofort in Pedale,und ziehe mit einem Grinsen weiter, jegliches weiterverhandeln ist da Zeitverschwendung.
Diesmal nicht. Ich began mit verhandeln, gab der alten Hexe zu verstehen, das ich keine Euro habe, nur kroatische Kunar, und auch davon nicht mehr viele. Da haute sie was von 30 Kunar raus. kroatische oder bosnische? 30 kroatische Kunar waere ja ganz billig. Ich war in einem Zustand geistiger Umnachtung. Ich meinte ich muesse zu einem Bankautomat. Den gab es einige Meter weiter. Als das Geld aus dem Schlitz kam, ging mir endlich ein Licht auf, nein ich wurde wieder hellwach. Du bist hier in Bosnien, du Idiot, die haben eine eigene Waehrung! Ich wusste nicht den Wechselkurs, eigentlich wollte ich doch nur ganz schnell durch dieses kleine Stueck Bosniens, und nun halte ich einen Schein in der Hand, dessen Name ich noch nicht mal weiss!?

Jetzt packte mich mein Ehrgeiz, gepaart mit Wut, ueber mich selbst,und dieser alten Geldhexe. Nein, keinen mueden Cent werde ich der in den Rachen schieben. Und wenn ich im Stadtpark schlafen muss, oder neben der Strasse. Ich packte den Schein ein, hoffte das es morgen hier eine offene Bank gab, und radelte an der alten und ihren Freunden vorbei. Wildes rufen, ich winkte nur ab, und war weg.
Es daemmerte schon. Ich fuhr ein Stueck aus Neum raus. Da ging es nur bergab, und dann wieder bergauf, keine Moeglichkeit links oder rechts zu campen.
Also muss es in Neum sein! Ich sah einen leerstehenden Parkplatz. Hinter einer verfallenene Huette wurde ich fuendig. Sichtgeschuetzt, ein stueck Wiese. Muell, Faekalien, Scherben, mir wars egal, schnell mein Zelt aufgestellt, Kocher angeschmiessen.
Es dauerte lang,bevor ich ins Zelt schluepfte, lauschte, beobachtete die Umgebung. Niemand da, hier verirrt sich Sonntagsabend keiner her,hoffentlich, das letzte was mir heute noch fehlen wuerde, waere die Bekanntschaft mit der bosnischen Polizei, oder schlimmer, Trinkern, Drogenjunkies oder Jugendlichen, die hier in der Ecke ihren Obsessionen nachgehen.

Tag 44

Es ging gut! Mal wieder. Klar, brauche es nicht extra erwaehnen, wie die Nacht war. Um 6 Uhr hatte ich schon mein Zelt abgebaut. Nun noch eine Bank, und dann nichts wie weg aus diesem unseligen Ort. Es gab eine. Dort tauschte ich in krot. Kunar um, und erfuhr den Wechselkurs zum Euro. Er ist ungefaehr die Haelfte, die 20 bos. Mark sind etwa 10 Euro.

Aus dem ganzen kann ich nur lernen, wie so oft, unterwegs. Nerven bewahren, auch in geschwaechtem Zustand, den solche Unmenschen sofort erkennen, nicht beeinflussen lassen!

Dubrovnik, Dubrvronik. Ich wollte nur noch dort ankommen. Die letzten beide Tage,jeweils um die 80 km, ich war ausgezerrt.
Am spaeten Nachmittag war es dann soweit, ich sah die ersten Haeuser von Dubrovnik.
Ueber die Haengebruecke ging es in die Stadt. Dubrovnik liegt in einem Talkessel, umringt von Bergen. Der Campingplatz lag natuerlich mal wieder einem Stadtteil jenseits des Zentrums.
Irgendwann nachmittags, nach einem letzten Huegel in Dubrovnik, stand ich dann endlich an der Rezeption. Zwar schweineteuer (wie vieles hier), aber ich haette fast alles bezahlt.

Als ich dann zu dem Stellplatz fuhr, eine freudige Ueberraschung. Gegenueber stand Emileys Zelt, zur Erinnerung die Englaenderin, mit der ich zwei Tage zusammen fuhr. Ihre Freundin ist gestern zurueckgeflogen nach Irland.
Abends dann das freudige Wiedersehen. Wir erzaehlten von den letzten Tagen, und die naechsten Plaene. Sie war 3 Tage hier, hat Vorbereitungen getroffen fuer ihre naechsten Laender. Sie will ueber den Kosovo, nach Mazedonien und Bulgarien. Wirklich mutig,a tough lady!
Spaeter kamen dann noch zwei Koreaner dazu, die auch um die Welt radeln, das aber schon seit 4 Jahren. Wir sassen alle zusammen, quatschen, assen Mandarinen und tranken Tee.
Das hat mir gefehlt! Immer wieder eine schoene Bereicherung sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Sonntag, 23. Oktober 2011

Weiter entlang der Küste

Tag 38

Wegen den ausführlichen Berichten und Updates für meine "Fan-Gemeinde" daheim, bin ich mal wieder erst am späten Nachmittag aufgebrochen. Aber mitterweile bin ich da voll im Vertrauen, und bleibe gelassen, ich weiß das ich einen Zeltplatz finden werde.

Kurz hinter Sibenik konnte ich von einer Anhöhe aus, einen herrlichen Sonnenuntergang beobachten. Für so ein Naturschauspiel ist immer zeit, ich kann da einfach nicht dran vorbei fahren. Sonst setzte ich mich an den Hang, genoss mein Abendessen, und machte einige schöne Fotos.

In Zaboric, einem kleinen Dorf das dirket am Meer lag, wurde ich dann fündig. Hier an der Küste gibt es alle paar KM ein Schild mit "Autocamp" oder "Camp", was für Campingplatz steht. Motiviert durch die positive Erfahrung vom letzten Autocamp, versuchte ich wieder mein Glück, eine kostenlose Nacht zu ergattern.

Dafür bin ich auch bereit, ein wenig zu flunkern, naja sagen wir zu übertreiben. So setze ich ein müdes und abgekämpftes Gesicht auf (was meistens nicht sehr schwer ist), und mache auf "Worldcyklist". Und wieder hatte ich Glück. Die privaten, kleinen Campingplätze, die sehr oft nicht mehr als ein grössere Hof sind, haben meistens die Tore noch offen, wenngleich auch niemand mehr auf dem Platz ist.

Ich versuche immer vorher jemanden anzusprechen, in diesem Fall war es der Nachbar, um die Sache klar zu machen, und evtl. Missverständnisse in der Nacht oder am nächsten Morgen zu vermeiden. Der meinte stell dein Zelt einfach hin.
Der Besitzer war zur Zeit nicht da. So baute ich mein Lager auf, und setzte mich an den Hafen, um etwas zu essen. Vom Meer kam ein kleines Fischerboot in den Hafen gefahren. Ich halt dem Mann am anleinen des Bootes. Als ich dann kurze Zeit später wieder im Camp war, kam dieser Mann auf das Grundstück. Es war der Eigentümer!
Wir machten beide nur "Ah", führten einen kurzen Small-Talk, und auf meine Frage für eine Nacht sagte er nur: "No Problem". Das war diesmal sehr einfach...und mal wieder ein "Zufall"..

Tag 39

Weiter meine KM entlang der Küste abgespult. Der Wind ist mal wieder da. Diesmal kommt er aus Süden und heisst "Jugo". Kein grosser Unterschied zum Bora, genauso ätzend, genauo stark, genauso kräfteraubend. Aber da muss man durch.
Nach Trogir, und rund 67 km, hatte ich genug für heute.

Also wieder ein mitleidiges Gesicht aufsetzen, und auf die Suche nach einem kleinen Camp begeben. Ich musste ein wenig rumfahren, aber in Kastel Stari hatte ich wieder Glück. Wieder keine Menschenseele auf dem Platz, wieder direkt an der Promenade.
Diesmal bedurfte es ein wenig des Verhandelns. Für das warme Wasser wollte er 40 K., er müsse das Gas anstellen. Ich meinte, brauche keine Dusche, kaltes Wasser ist ok. Dann fragte er noch, ob ich die letzten Tage auch umsonst auf Plätzen geschlafen hätte. Das konnte ich mit reinem Gewissen mit JA beantworten. Schließlich willigte er ein. Später schenkte er mich noch einen Granatapfel.

Dienstag, 18. Oktober 2011

Zurück auf dem Festland: Sibenik

Gesamt-KM: 2.000

Tag 36

Heute ging es zurück aufs Festland, mit dem Pag verbunden ist. Ich war jetzt zwei Tage mit den Mädels unterwegs. Ash hat ihren Rückflug von Dubrovnik aus, und das schon in acht Tagen. Nach Dubrovnik sind es noch um die 400 km. So wusste ich schon am Morgen, es wird unweigerlich heute oder morgen zu einem Abschied kommen, da die beiden einfach schneller sind.

Nach einem letzten gemeinsamen Kaffe und Teestop war es dann soweit. Die beiden warteten mal wieder auf mich, nach einem kräftigem Anstieg. Emiley erklärte mir die Situation, die ich ja schon erfasst hatte. Ich verstand das natürlich, trotzdem war ich nach 2 Tagen, in denen wir ein gutes Team geworden sind, ein wenig traurig.
Sofort fiel mir ein Satz von Claude Marthaler ein: "Reisen ist die Feuerprobe für Liebe und Freunschaft". Es ist schwer einen Reisepartner zu finden, mit dem nach nicht nur die selbe Reisegeschwindigkeit teilt, sondern auch die täglichen Gewohnheiten, und Abläufe, angefangen von kurzen Stopps zum fotografieren, bis zu täglicher Kilometerzahl.
Wir verabschiedeten uns herzlich, und vielleicht würden man sich ja auf der Strasse wieder sehen, obwohl ich daran, ehrlich gesagt nicht glaubten, da die beiden ein Zeitfenster haben.

So war es die ersten Kilometer etwas ungewohnt, wieder alleine zu radeln, aber ich wusste, das ich ganz schnell wieder in meinen ganz eigenen Lebens und Radelrhytmus kommen würde.
In Zadar wollte ich eigentlich auf den dortigen Campingplatz, der laut Tourist-Info aber geschlossen sei. So entschied ich mich für eine weiter Nacht des Wildcampen, um morgen aber auf jeden Fall, sehr frühzeitig einen offenen Campingplatz anzusteuern.

Auf der zweispurigen Ausfallstrasse in Zadar, traf ich dann am späten Nachmittag, noch 2 Mädels aus Hessen! Sarah und Terresa, sind von Darmstadt aus bis hier her getrampt! Respekt, das ist eine mindestens genauso grosse Leistung, wie mit dem Rad zu fahren. Wir unterhielten uns angeregt, und tauschten Erfahrungen aus. Sehr interessant war, das die beiden, auf dieser Reise die selbe Gelassenheit entwickelten, die auch ich immer wieder feststelle.
Außerdem erwähnten sie, das sie schon mehrere Jobs gemacht hätten, u.a. Äpfelpflücken in Österreich, hat sich alles vor Ort ergeben, und war ganz easy. Dies gab mir Motivation und Gelassenheit, das selbe auf Korfu zu machen.

In einem Industriegebiet, in einem kleinen Waldstück, hinter Büschen geschützt, stellte ich mein Zelt auf.

Tag 37

Nach rund 13 km fand ich schon einen privaten, noch offenen Campingplatz. Dies sollte heute mehr ein Ruhetag werden. So wusch ich die Wäsche, genoss minutenlang eine warme Dusche nach 4 Tagen, pflegte mein Rad, und meinen Körper.

Außer mir waren nur noch zwei junge Schweizerinnen mit dem Auto auf dem Platz.
Als ich sie fragte, ob Sie schon bezahlt hätten, meinten Sie, sie seien seit 2 Tagen auf dem Platz, und bisher hat sich der Besitzer noch nicht blicken lassen! Sehr gut:-)
Als ich in die nächste Stadt fuhr, um einen Geldautomat zu finden, staunte ich auf einmal nicht schlecht. Emiley und Ash rauschten an mir vorbei! Sie hatten mir zuerst gar nicht erkannt, da ich nur eine Tasche dabei hatte. Thats life!
Wir plauderten ein wenig, fuhren noch in die nächste Stadt. Für einen Kaffee war aber keine Zeit, die beiden mussten weiter.

Zurück auf den ruhigen Platz, machte ich mir mal wieder meine Pasta, ass viel Obst, lass und machte meine Aufzeichnungen. Abends kamen die Schweizerinnen zurück, die mich prompt zu einem 2. Abendessen einluden. Sie kochten auch mit Gas, nur auf einem etwas grösserem Kocher! So bekam ich eine Schale Reis, und ein Glas Wein, Special Event, klar!:)
Wir unterhielten uns bis es dunkel und kühl wurde, über Gott und die Welt. Und dies kann man wörtlich nehmen, da die beiden Zeugen Jehovas sind. So war es mal sehr interessant, Leute aus dieser "Gemeinschaft" persönlich kennen zu lernen, und zu erfahren, worum es bei ihnen eigentlich geht, und sind von Tür zu Tür pilgern.
So kam es zu einer interessanten und kontroversen Konversation, in dem ich auch meine "Sicht der Dinge" und die tieferen Gründen für diese Tour mitteilte.

Tag 38

Die beiden waren froh, das ich nur ein Platz weiter mein Zelt stehen hatte, da in der nacht ein Auto auf dem Platz umherfuhr. Sie schenkte mir noch eine Grapefruit und ein paar Kekse, ich meine Blogadresse, und ein paar Sätze für den weiteren Weg:-)
In jedem Fall war es eine interessante Begegnung.

Tja, der Besitzer war immer noch nicht erschienen, und so konnte ich frohen Mutes und ohne schlechtem Gewissen, vom Platz radeln. Ich glaube der hat sein Geschäft schon im Sommer gemacht, das ihm 3 vereinzelte Camper nicht wirklich aus der Wohnung locken. Ein erstklassiger Ruhetag war das..

Nun sitze ich in Sibenik, rund 90 Km vor Split. Die Sonne scheint ununterbrochen jeden Tag, und erwärmt die Luft auf angenehme 17 Grad.

Wieder einmal möchte ich Claude M. am Ende zu Wort kommen lassen:
"Es hat mich viel gekostet, das Wesentliche zu begreifen, ich habe die Angst in mir kennengelernt und das Gespür dafür erworben, wo meine physischen Grenzen liegen, doch für meinen Traum gibt es nach wie vor nichts, was ihn einschränken könnte. Reisen ist für mich eine Hymne ans Leben!


Dem ist nichts hinzu zu fügen!

Mittwoch, 12. Oktober 2011

Kroatien: Von den Bergen ans Meer

Gesamt-KM: 1.760

Tag 27

Erholt startete ich von dem Campingplatz. Die ersten 8 KM blieb es noch trocken, aber in den fernen Bergen kündigten dicke Wolken schon den Regen an. Wasserdicht eingepackt gehe ich es an. Der Regen läßt nicht lange auf sich warten. Ich erreiche die ersten Anstiege, und schon fängt es an zu prasseln, aber wie, gleich richtig stark. Die Regenhose ist von einem Fachgeschäft, die Jacke vom Discounter, sodass es nicht lange dauern wird, bis ich durchweicht bin. Der Regen wird immer stärker, ich schaue nach den ersten KM am Hang, nach einer Unterstellmöglichkeit.

Links sehe ich ein Haus, ohne lange zu überlegen steuere ich darauf zu. Hinter einem Schuppen kommt plötzlich der Besitzer hervorgeschossen, schnellen Schrittes richtung seinem Haus. Mit Handzeichen gebe ich zu Verstehen, das ich mich Unterstellen möchte. Ich sehe eine Bank mit Vordach. Er deutet darauf hin, und gibt mir zu verstehen, Platz zu nehmen.
So sitze ich einige Minuten, lese, esse ein paar Kekse, und beobachte den Regen. Plötzlich geht gegenüber die Tür auf, der Mann kommt zu mir und stellt mir eine Tasse Tee hin. Dann sagt er nur: "Schnaps"?? Angesichts der Nässe, sage ich ja. 2 Minuten später, probiere ich selbstgemachten Honigschnaps. Ich, der seit Monaten kein Alkohol trinkt! Die Hälfte trinke ich, die andere Hälfte schütte ich in den Tee.

Ich warte noch einige Minuten, dann steige ich wieder aufs Velo. Der Tee mit Schnaps zeigt seine Wirkung, mir wird wärmer! Zusätzlich fahre ich plötzlich mit einem Grinsen, und froher Laune, durch den Regen den Berg hinauf. So kann man wohl sagen, im wahrsten Sinne des Wortes "Hatte ich einen im Tee"...

So kämpfe ich mich weiter vor, fahre ein paar KM, stelle mich ein paar mal in Bushäuschen unter, um ein wenig zu trocknen, bis ich endlich das kleine Dorf Dragomelji erreiche, ca. 10 km vor Ljubljana. Während ich bei einem Autohaus, auf die Wegbeschreibung per SMS warte, werde ich von dem Verkäufer auf einen Tee eingeladen. Dann sind es nur noch wenige Meter, und ich stehe vor meinem heutigen Quartier. Matjaz, zu deutsch Matthias, und seine Frau Nena, wie die deutsche Sängerin, meint Sie zur Begrüßung,nehmen mich völlig durchweicht in Empfang.
Nach der warmen Dusche, fragt mich Matthias ob ich einen Whiskey möchte!
Da ich noch halb angetrunken bin, sage ich ja, und mixe ihn mit Eistee. Nach zwei Tellern Gemüsesuppe mit Brot, komme ich wieder auf Betriebstemperatur.
Nachts schlafe ich im geheizten Wohnmobil, so habe ich ein Bett für mich.

Tag 28

Vorbei ist es mit dem Spätsommer. Morgens ist es bitter kalt. Mit 3 Schichten und langen Handschuhen bekleidet verabschiede ich mich von Matthias. Heute nun in die Hauptstadt von Slowenien. Während der Fahrt mache ich mir meine Gedanken, nachts wird es noch kälter werden.
In Ljubljana fahre ich ins Stadtzentrum, zu den bekannten 3 alten Brücken, über die vor einige wochen, unsere Kanzlerin lief. Ich schiesse die üblichen Fotos von den Sightseeing Plätzen. Dann setze ich mich in ein Cafe, und bleibe dort zuerst mal 3 Stunden hängen. Trinke Tee, esse Chips mit Käse, schreibe einen längeren Artikel für den Blog. Die Kälte schreckt mich ein wenig ab. Dann, endlich, kommt die Sonne durch.

Ein wenig demotiviert, schwinge ich mich aufs Rad. Kurz vor Vrnika, sehe ich rechts auf einer Pferdekoppel zwei Männer im Stall. Davor steht ein Tisch mit Bänken. Optimaler Zeltplatz. Es ist schon später nachmittag, mich graut es vor einer kalten Nacht im Zelt.
Ich spreche einen der Männer an, erzähle ein wenig von mir, woher im komme, wohin ich will. Und frage ob ich mein Zelt hier aufschlagen kann. Der Besitzer ist gleich ganz aufgeregt, und sagt, no problem, ich könne auch im Schuppen schlafen. Er geht gleich hinein, und fängt an aufzuräumen. Es stinkt zwar nach Pferd, dürfte aber mind. um die 5 Grad wärmer sein, als im Zelt. Zum Schluss schwärmt er mir noch von der Insel Cres, in Kroatien vor, er sollte recht behalten.

Tag 29

Die Nacht war kühl und hart, aber als ich die Tür öffne, erwartet mich eine Kältewelle, und somit bin ich froh, "drinnen" geschlafen zu haben. Heute wird sich entscheiden ob ich schon bis Kroatien fahre. Vormittags kommt zwar die Sonne raus, aber es bleibt frisch. Ich fahre bis Postojna, dort gibt es den letzten Campingplatz vor der Grenze. Von Matjaz + Nena aus, habe ich 2 Tage zuvor, einen Anfrage an einen Warmshower Typ in Opatija geschickt. Wenn er mir eine positive Zusage gibt, werde ich heute bis an die Küste strampeln.
Und tatsächlich, ich mache mein Handy an, und sehe eine SMS von Ihm, ich kann kommen, soll ich Bescheid geben, wenn ich die Grenze passiere.
Auf gehts! Die Aussicht auf eine bequeme und warme Unterkunf, motiviert mich immer wieder.

Irgendwann gegen 16 Uhr ist es soweit, ich passiere die Grenze zu meinem 4. Reiseland. Es geht fast nur noch bergab. 1 Std. später kann ich das erste mal einen Blick auf die Adriaküste werfen, ich fange ich an zu jubeln. Immer wieder ein erhabenes Gefühl diese weite aus Wasser zu erblicken.
Kurze Zeit Später, und nach rund 100 gefahrenen KM, holt mich Ivo, mein 4. Warmshower Host von dem vereinbarten Treffpunkt ab. Es wird der interessantes, und amüsantes Aufenthalt der bisherigen Tour werden.
Erster Eindruck: Oh, das wird nicht angenehm. Glatze, ernster Ausdruck, fester Blick.
Wir fahren zu seinem kleinen Haus. Als wir eine Einbahnstrasse von der Gegenrichtung passieren müssen, sagt er mir, ich solle absteigen, ansonsten 300€, Polizei, blabla..Toll denke ich mir,ein Ordnungs und Regelfanatiker.
Ums vorweg zu nehmen, am nächsten Morgen begleitete er mich ein Stück mit dem Rad in die Stadt, wir fuhren falsch durch die Einbahnstrasse, durch Fußgängerzonen. "From time to time, you have to be illegal": Ivo!

Im Haus geht es weiter. Ich bekomme alles genau erklärt, wie und was ich zu tun habe. Mein Schlafplatz ist im Kinderzimmer. Verwöhnt wie ich von den vorherigen Host wurde, dachte ich mir, wann gibt es Abendessen. Ha. Die Küche kann ich benutzen, doch Kochen nur selbst. Ok, kein Thema, hatte noch genügend Reis und Pasta. Der ganze Flair ist mehr wie in einem günstigem Hostel.
Es dauerte ein wenig, bis wir uns verstanden, wie so oft verbirgt sich hinter einer rauhen Schale, ein guter Kern. Nach meinem Abendessen, fing ich an mit ihm zu plaudern, eher, ich fragte ihm Löcher in den Bauch, über Route, Inseln, Einheimische usw. Und dann lernte ich seinen trockenen, zynischen Humor kennen, und vor allem seine Ausdrucksweise. Sorry, für die nachfolgenden Ausdrücke, Jugendliche sollte jetzt aufhören weiterzulesen! "Nobody gives a shit" "I don't give a shit"; Who cares this shit" "This fuckers". Das waren so die häufigsten Phrasen, in jedem 2. Satz!

Ein echter Typ, eine echte Marke für sich! Aber er holf mir sehr weiter, gab mir viele Ratschläge, warnte mich vor orkanartigen Winden an der Küste. Und gab mir Timetables für alle Insel im Norden, die ich mir abfotografierte mit der Digi.


Tag 30

Heute ruhig angehen lassen, ausgeschlafen bis 8, gut geschlafen im Kinderbett. Geld abgehoben, Einkaufen gegangen. Dann in die Stadt, Tourist-Info. Verabschiedung, sagte ihm er war der ämusantes Host von allen bisherigen!
Mit Ivo zusammen hatte ich eine meine weitere Route ausgetüftelt. Ich möchte eine Art Insel-Hopping machen, zumindest für die nördlichen Adriainseln. Nach einer Pizza Margaritha von einem Automat (schmeckte sogar), ging es wieder los. Immer der Küste entlang, was bedeutet, meistens Anstiege. Daran sollte ich mich gewöhnen.
Trotz hartem Pedalieren, verpasste ich knapp die Fähre nach Cres um 16.30. Die nächste ging um 18.30 "who cares this shit":-))

Als ich auf Cres ankam, war es natürlich schon dunkel. In einem kleinen Dorf fragte ich einen Kroaten der sehr gutes Deutsch sprach. Er führte mich zu einer Wiese, wo ich mein Zelt aufschlagen konnte. Mit der Stirnlampe machte ich mich noch schnell ein paar Nudeln. Dann kam die unruhige Nacht. Gegen 23 Uhr hört ich plötzlich, in der ansonsten absoluten Stille, Schweine grunzen! Wildschweine, war mein erster Gedanke. Sofort kamen mir Bilder, von riesigen Hauern, und 2 Zentnern Ebern. Ich habe mal den Film "Hannibal" gesehen.., aber lassen wird das..
Ich war hellwach, und lag starr im Schlafsack. Im Zelt fühlte ich mich einigermassen sicher. Gegen Morgen wurde ich von getrampel um meinen Zelt noch mal wach.
Endlich morgen, Licht hat immer etwas beruhigendes.
Ein ältere Kroatene erzählte mir dann tatsächlich von den Wildschweinen, das sie sich unkontrolliert vermehren, und junge Lämmer reissen..Tolle Aussichten fürs Wildcampen,but keep cool..

Tag 31

Schnell mein Lager abgebaut, schnelles Frühstück, und ab auf die Piste. Heute zur Stadt Cres, 26 km. Die ersten 10 KM nur bergauf, ich fluchte. Die ganze Landschaft, und die Umgebung, erinnerte mich sehr an Sardinien. Rechts steile Abhänge, links Granifelsen, und überall Steine. Außerdem fast überall Steinmauern, oder Zäune. Allein das macht das Wildcampen schwierig, bis unmöglich, zusätzlich zu den "Kampfschweinen".

Heute wollte ich auf jeden Fall auf einen Campingplatz, schliesslich wollte ich mich hier auch ein wenig erholen, nach rund 1.700 km in den Beinen. In Cres gab es noch einen, direkt am Meer, hat diese Woche noch offen, wie die meisten.
Lecker Pasta gemacht, Wäsche gewaschen, gelesen, und schwimmen gegangen.

Tag 32

Bin noch ein wenig unschlüssig. Cres werde ich wohl nicht ganz abfahren, wegen den Problemen mit Campen. Heute will ich noch zu einem Ort an die Westküste, der mir eindringlich von Ivo empfohlen wurde. Wahrscheinlich noch 1 Nacht auf Cres, und morgen dann rüber nach Krk. Von dort gibt es eine Brücke zum Festland. Auch die kurzen Verbindungen (20 min) von Insel zu Insel, kosten um die 5-8 Euro.
Auf Krk werde ich auf jeden Fall noch übersetzen, und dann entscheiden ob ich weiter "Hüpfe" oder an der Küste weiterfahre.

Jedenfalls passt hier das Wetter zum Radeln, sonnig, 21 Grad, nachs auch noch zweistellig, trockenes Zelt. So sind 4 Wochen rum, und langsam bekommt die Tour Ihre Eigendynamik.

Abschliessen möchte ich diesen etwas längeren Post mit einem Zitat von Claude Marthaler, der 7 Jahre mit dem Rad unterwegs war:
"Der Weg ist wichtiger als das Ziel. Spannung und damit auch die Motivierung ein Ziel zu erreichen, entstehen durch die Strapazen und die Dauer der Fahrt und werden in dem Augenblick zunichte, wo wir das Ziel erreicht haben."

P.S. Lade gleich noch mehr Bilder hoch, wunderschön

Dienstag, 11. Oktober 2011

Kroatien: Insel Cres

So, nun endlich wieder ein Lebenszeichen von mir. Hat einige Tage gedauert, bis ich wieder mal ungestörten, und freien Internetzugang hatte.

Seit letzte Woche Freitag, als ich im Regen fuhr, wurde es in Slowenien richtig kalt, insbesondere nachts und morgens.
Deshalb wollte ich so schnell wie möglich in wärmere Gefilde, und trat ordentlich in die Pedale, um Kroatien, und die Adriaküste zu erreichen. Dies habe ich nun geschafft, heute habe ich sogar auf Cres im Meer gebadet. Allgemein lasse ich es heute und morgen etwas ruhiger angehen, mehr relaxing.

Leider wird es nun dunkel hier, und ich sitze auf dem Campingplatz draussen. So versuche ich morgen früh im gewohnten Stil die Tage kurz zusammen zu fassen. Es gab wieder einige echt amüsante Begegnungen, und Ankedoten.

Genug Licht gibt es aber noch, um einige aktuelle Bilder hochzuladen, gerade heute habe ich dutzende geschossen, traumhaft schöne Panoramaausblicke aufs Meer.