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Mittwoch, 23. Mai 2012

Das Interview

Liebe Freunde und Leser,

heute ist im Giessener Anzeiger ein letzter Zeitungsbericht zu der Way of Living Radtour erschienen. Diesmal ist es ein Interview zu der Radtour und meinem Reiseleben seit zwei Jahren. Der Redakteur schickte mir die sechs Fragen und ich beantwortete Sie ihm gerne und ausführlich. Ich glaube, dieses Interview ist ein passender Abschluss der Berichterstattung von dieser sechsmonatigen Radtour. Es gewährt einen Einblick in meine inneren Prozesse während der Tour und gibt einen Ausblick auf mein weiteres (Reise) Leben.

Interview Giessener Anzeiger

Wie ihr lesen könnt, arbeite ich momentan an meinen Aufzeichnungen von der Radtour. Diese setzen sich aus meinen Tagebuch- und Blogeinträgen zusammen, werden redigiert und ergänzt. Wenn alles so klappt wie ich es mir vorstellen, kommt am Ende ein fertiges Buch heraus. Die gesamte Tour und Ihre Erlebnisse kompakt zusammengefasst, ergänzt durch philosophische Einwürfe und persönliche Einsichten. Ob elektronisch oder gedruckt, das wird sich zeigen, je nachdem ob ich einen Verlag finde. Die ebook Variante ist derzeit am einfachsten umzusetzen. Dieses Projekt nimmt einige Zeit und Arbeit in Anspruch, insofern wird es noch einige Wochen dauern. Zudem stecke ich momentan in einem weiterem Umzug im Raum Erlangen. Nichtsdestotrotz, versuche ich in der verbleibenden Zeit den Blog mit weiteren Themen interessant und aktuell zu halten. Also, bleibt dran, es wird ein spannender Sommer.

Herzlichst
O.L.

Montag, 14. Mai 2012

Gesamtstatistik Way of Living Radtour

Hier nun die Gesamtstatistik der kompletten Radtour. Für alle Fans von Zahlen, Daten, Fakten.

Gesamt-Dauer: 81 Tage
Hinfahrt Frankfurt - Korfu: 59 Tage
Rückfahrt Venedig - Frankfurt: 22 Tage

Gesamt-Km: 4.419 (ohne die Fahrten in GR)
Hinfahrt: 3.114 km
Rückfahrt: 1.305 km

Durchschnitt. - Tages-KM: 58,14

Längste Etappe: 130, 25 km (Ingolstadt - Nürnberg)
Kürzeste Etappe: 12,9 km (Bibinje - Jakov)/Kroatien

Hinfahrt
  • Deutschland 
  • 14 Tage
  • 792 Km          

  • Österreich
  • 10 Tage
  • 602 Km

  • Slowenien
  • 4 Tage
  • 200 Km

  • Kroatien
  • 17 Tage
  • 849 Km

  • Montenegro
  • 4 Tage
  • 185 Km

  • Albanien
  • 9 Tage
  • 485 Km

Rückfahrt

  • Italien
  • 6 Tage
  • 375 km

  • Österreich
  • 3 Tage
  • 208 km

  • Deutschland
  • 14 Tage
  • 721 km


Höhenprofile 

Bozen - Brennerpass Wiesing - Achensee

Donnerstag, 5. April 2012

Der erste Flügelschlag des Schmetterlings

Tag 22: Frankfurt am Main!

Der Kreis hat sich geschlossen! Am 11.09.2011 begann dieses Radabenteuer. Über 6 Monate war ich unterwegs, reiste durch unterschiedliche Länder und erfuhr so viel Gastfreundschaft und Unterstützung. An einem Montag im April endete es. Vor 3 Tagen erreichte ich Frankfurt. Genau 3 Wochen nach meinem Aufbruch von Venedig. Zurück in der Finanzmetropole. Die letzten Tagen waren noch einmal gespickt mit bewegenden Begegnungen und ein paar kalten Nächten im Zelt. Darüber wird zu berichten sein, aber erst, wenn ich richtig angekommen bin, mich erholt habe und alles ein wenig verdaut und verarbeitet ist. Und die nötige Zeit und Ruhe dafür finde, weil jetzt ein paar Erledigungen auf mich warten.

Es ist das bekannte weinende und lachende Auge. Die letzten zwei Tage vor Frankfurt, war ich sehr in mich gekehrt, viele Erinnerungen kamen hoch. Ein großer Abschnitt geht zu Ende und etwas Neues, Unbekanntes wartet auf mich. Ich werde in mich gehen und versuchen diesen neuen Lebensabschnitt wie jeden neuen Tag während der Tour zu begrüssen: Mit der Freude und Dankbarkeit an diesem Wunder, namens Leben, teilhaben zu dürfen.

Just think about it!
 Ein Biologielehrer unterrichtete seine Schüler über den Prozess, wie aus einer Raupe ein Schmetterling wird. Eine Kokon lag vor ihm auf dem Tisch und er informierte die Klasse darüber, dass in den nächsten Stunden der Schmetterling mit allen Kräften versuchen würde, den harten Flor zu öffnen. Dann verließ der Dozent den Raum. Die Schüler warteten und es passierte. Der Schmetterling kämpfte und kämpfte, um die Wände des Gespinsts zu durchbrechen. Plötzlich überkam einen der Schüler Mitleid mit dem Tier und er beschloss, dem Insekt zu helfen. Gegen den ausdrücklichen Rat des Pädagogen brach er den Kokon entzwei und der Schmetterling kam frei. Um kurz darauf zu sterben. Als der Lehrer zurückkehrte, erfuhr er, was passiert war. Er erklärte den Jugendlichen, dass der Kampf des Schmetterlings unabdingbar sei, um seine Flügel zu stärken. Wer ihm dabei behilflich sei, entziehe dem Falter seine lebensnotwendige Bewährung.
Aus "Triffst du Buddha, töte ihn" von A. Altmann

Hier begann die Reise vor 6 Monaten: Börse in Frankfurt



Eine Nacht verbrachte ich im Occupy Camp vor der EZB



Mittwoch, 29. Februar 2012

Way of Living Tour: Weiter voran..


Die Way-of-Living - Radtour geht weiter! Nach drei Monaten Winterpause in der milden und wilden Mani, mit viel Sonne, Kraft und Inspiration, stehe ich nun wieder in den Startlöchern.

Lange habe ich überlegt, wie ich nach meiner Zeit hier auf der Mani, wieder nach Deutschland zurückkehren kann und wie ich der ganzen Tour einen runden und passenden Abschluss geben kann. In den ersten Wochen meines Aufenthaltes war die Variante mit dem Flugzeug nach Deutschland zurückzufliegen sehr präsent. Einfach aus rein finanziellen Gesichtspunkten ( es gibt Flüge ab 80€). Aber, dies wurde mir dann immer klarer, aus rein ökologischen Gründen wäre das kein passender Abschluss und würde die Tour in gewisser Weise ad absurdum führen, da sie ja stark mit dem Motto „Weniger-ist-mehr“ und einem minimalistischen Ansatz verbunden war und ist. Dann gab es eine Variante mit dem Firmen-LKW bis nach Deutschland mitzufahren, die sich dann aber auch zerschlagen hat.

So habe ich mich dann irgendwann entschieden diese Tour so zu beenden wie ich sie begonnen habe, mit dem Fahrrad! Vieles hat sich in den letzten 4 Monaten seit meiner Ankunft in Griechenland getan und verändert, persönlich, sowie in diesem Land das von einer tiefen Sinn- und Wirtschaftskrise erfasst ist. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist meine Reisekasse nach 2 Monaten des Reisens und 4 Monaten Aufenthaltes rapide zusammen geschmolzen, so dass nur noch ein kläglicher Rest vorhanden ist. Aus dieser Not möchte ich auf meiner Rückreise nun eine Tugend machen und mit diesen minimalen finanziellen Mitteln die rund 1.000 km von Venedig nach Frankfurt bestreiten.

Das Thema Geld beschäftigt mich schon sehr lange, nicht erst seit dem Beginn dieser Radtour. Es scheint so, dass es nicht nur mir so geht. Jeder ist wohl derzeit damit direkt oder indirekt beschäftigt. Ob ein Grieche, dessen Lohn von 700€ auf 500€ gekürzt worden ist oder ein deutscher Angestellter der sich um seine Ersparnisse Sorgen macht, dass Thema Geld, seine Macht, seine Verteilung und sein Erhalt, ist derzeit omnipräsent.

Und so kamen mir in den letzten 3 Monaten einige Gedanken zu diesem Thema. Wie damit umgehen, welche Energie hat dieses Zahlungsmittel? Und vor allem, gibt es Alternativen zum herrschenden Zins- und Schuldsystem? In diesem Zusammenhang und den Überlegungen für meine Rückreise, fielen mir zwei Bücher ein, die ich in den letzten Jahren gelesen hatte. Einmal Andreas Altmanns 34Tage, 33 Nächte: Von Paris nach Berlin und dann der Klassiker, der diesem Buch vorausging, Michael Holzachs Deutschland umsonst. Diesen beiden Bücher gaben den Ausschlag für die Idee und Konzeption meiner Rückreise nach Deutschland.

Zuerst ein paar „technische“ Daten und einen Überblick über die Route, bevor ich ein wenig auf die Hintergründe und die Umsetzung eingehe:

  • Geplanter Start: 09.03.12
  • Von Pirgos aus geht es mit dem LKW der Firma Bläuel nach Patras. Dort steige ich auf die Fähre Richtung Venedig, welches ich voraussichtlich am 11.03. erreichen werde.
  • Von Venedig aus geht es durch das Etschtal nach Bozen. Hier wartet dann der anstrengendste Part der ganzen Rückreise auf mich: die Alpen! Wenn es das Wetter, und meine hoffentlich wieder eingefahrenen Beine zulassen, möchte ich den Brennerpass (1.364m) mit dem Rad überqueren. Ansonsten Zug.
  • Nach dem Pass lasse ich es rollen bis nach Innsbruck. Ein Stück den Inntalradweg entlang, bevor diese auf die Via Bavarica Tyrolensis abzweigt. Dieser Radweg führt mich dann bis nach München.
  • Hier möchte ich 1-2 Tage bleiben, um zu regenerieren und um persönlichen Kontakt zu der örtlichen Occupy-Gruppe aufzunehmen. Je nachdem was sich daraus ergibt, setze ich meine Tour alleine fort, oder zusammen mit Leuten oder einer Aktion von Occupy. Kontakt und Ideen gibt es bereits.
  • Ab Regensburg folge ich dann der bekannten Route zurück bis nach Frankfurt am Main, wo ich dann hoffentlich wieder glücklich vor der Börse landen werde (Start/Ziel).

    Way of Living - Tour 2011/12 auf einer größeren Karte anzeigen

Hier nun einige Gedanken zur Umsetzung und Motivation für die Rückreise:

  • Mein Tagesbudget von ursprünglich 10€ wird auf 5€ gesenkt. Diese sollen auch nur verwendet werden, wenn es keine anderen, kostenfreien, Möglichkeiten für die Verpflegung gibt. Das dies möglich ist, und sogar noch viel weiter, nämlich einmal um die Welt, zeigen gerade zwei zwei junge Österreicher, die letztes Jahr im Oktober gestartet sind.
  • Dies bedeutet ich werde noch aktiver und gezielter nach kostenfreien Möglichkeiten der Lebensmittelbeschaffung Ausschau halten. Die jungen Weltenwanderer haben mit ihren Aufzeichnungen gezeigt, das dies möglich ist, insbesondere was auch den nächsten Punkt angeht.
  • Thema Wegwerfgesellschaft. Ich möchte bei Supermärkten nachfragen, die täglich mehrere Kilos an einwandfreien Lebensmitteln in Container stopfen, nur weil die Gurke eine Delle hat oder das Mindesthaltbarkeitsdatum um einen Tag abgelaufen ist. Dies werde ich vor allem in Österreich und Deutschland versuchen zu nutzen.
  • Dort gibt es auch ein breites Netz von „sozialen Einrichtungen“: Suppenküchen, Bahnhofsmissionen, Tafeln. Diese Einrichtungen sind auch ein positives Beispiel der Solidarität und was man mit Überfluss machen kann, da das meiste gespendet wird, anstatt es wie üblich wegzuschmeißen.
  • Das Thema Solidarität, Austausch und auf die Menschen zugehen nimmt einen noch grössen Stellenwert ein, als auf der Hinreise. Ich kann mich an Passagen aus den oben genannten Büchern erinnern. Die Autoren gingen ganz gezielt auf völlig fremde Menschen zu um nach einem Wurstbrot oder etwas zu trinken zu fragen, und entgegen der verbreiteten Meinung das verlangte sogar bekamen, meistens sogar noch viel mehr.
  • Insofern ist das ganze auch eine gewisse Gesellschaftsstudie, wie im Prinzip schon auf der Hinreise. Und zwar gerade jetzt, in Zeiten der Verunsicherung und Selbstkontraktion. Ich möchte herausfinden, ob in modernen und ansatzweise Postmodernen Nationen wie Österreich und Deutschland, in denen der Leistungsgedanke (Winner or Loser) als höchste Maxime gilt, und gleichzeitig ein ausgeprägtes Besitz- und Anspruchsdenken vorherrscht (mein Haus, mein Auto, meine Frau), ob in diesen Gesellschaften voller materiellen Reichtums und seelischer Leerheit, noch so etwas wie Altruismus, Solidarität und Mitgefühl für seine Mitmenschen (oder Reisende:-) vorhanden ist?!
  • Und wieder einmal meine eigenen Grenzen ausloten. Das Ganze soll nicht in einer Opfer und Mitleidstirade ausarten. Diesen Übergang zu finden wird nicht einfach werden! Wie mutig bin ich wirklich wenn ich mit hungrigen Magen dastehe? Wie weit gehe ich, inwieweit kann ich meine Scham und Hemmschwelle überwinden? Inwieweit kann ich unnötige Schuldgefühle verhindern bzw. damit umgehen? Theoretische Fragen, auf die es nur praktische Antworten geben kann. Aber auch genau so klar: immer im Bereich der Legalität. Einbrüche und Diebstähle, wie teilweise von dem Autor Holzach unternommen, wird es nicht geben! (das kam von dem strengen Vorsatz, keinen Cent auszugeben)
  • Und natürlich wieder ganz offen und wachsam sein, für alles um mich herum und in mir. Die Situationen ganz genau anschauen, von den Begegnungen und Schicksalen berichten. Aber auch von geschürtem Hass und Vorurteilen, derzeit insbesondere gegen Deutschland, in diesen Zeiten einer europäischen Staats- und Identitätskrise. Ich möchte den von der Occupy-Bewegung postulierten 99% begegnen, möchte herausfinden ob es wirklich die 99% sind, oder vielleicht doch nur 90% oder 95%, ob es wirklich nur an den 1% der Eliten , den rücksichtslosen Bankern, Politikern, Funktionären und Managern liegt, oder ob auch in der breiten Masse die Grundübel und Auslöser eines Raubtierkapitalismus zu finden sind: hemmungslose (Profit)Gier, Narzissmus und Gefühlslosigkeit??

Man sieht, ein gewagtes Unternehmen mit hohen (moralischen) Ansprüchen, an mich selbst und in gewisser Weise auch an andere. Was davon alles eintritt, ob das alles so verläuft wie ich es mir jetzt in meinem gemütlichen Häuschen ausdenke, ob ich mir zu viel einbilde, all dies wird sich zeigen. Darauf habe ich keinen Einfluss. Worauf ich aber Einfluss habe ist meine Einstellung. Und so gehe ich es erneut an, wie vor 6 Monaten, eine Reise mit vielen Unbekannten und Variablen, mit nichts in der Hand, ausser einem Fünkchen Hoffnung und einem vagen Gefühl für Offenheit, Vertrauen und Führung. Und genau das macht das Reisen für mich aus, das täglich Neue, Unvorhergesehene, Überraschende. Vibrierend stehe ich in den Startlöchern, die Vorfreude ist da, die Spannung auch, es geht wieder los, auf in ein neues Abenteuer, mit Höhen und Tiefen und einem unbekannten Ausgang.
"Wir müssen unser Dasein so weit, als es irgend geht, annehmen; alles, auch das Unerhörte, muss darin möglich sein. Das ist im Grunde der einzige Mut, den man von uns verlangt: mutig zu sein zu dem Seltsamsten, Wunderlichsten und Unaufklärbarsten, das uns begegnen kann."
Rainer Maria Rilke

Freitag, 30. Dezember 2011

+Abschlussartikel der Tour+

Liebe Freunde + treue Leser,

pünktlich zum Abschluss dieses aufregenden Jahres, freue ich mich, euch einen Zeitungsartikel über den Abschluss der Way-of-Living Tour präsentieren zu können.

Nach Split ging es weiter entlang der Küste, durch das aufregende Albanien wo ich einige verrückte Abenteuer erlebte, um schließlich mein großes Ziel zu erreichen: Korfu. Dieser Artikel ist länger als der erste, und eindeutig persönlicher und tiefgründiger. Neben der Schilderung der Eindrücke und Erlebnisse, kommen auch Reflexionen und Erkenntnisse zur Sprache. Wieder mir sehr schönen Fotos. Viel Spaß!

Zeitungsausgabe (pdf):

Giessener Anzeiger 30.12.2011

Für alle, die den ersten Artikel noch einmal lesen wollen, nun ebenfalls im pdf-Format:

Giessener Anzeiger 05.11.11

Weitere Infos in der Rubrik Medien.

P.S. Einen persönlichen Jahresrückblick und Ausblick aufs Neue, möchte ich bis morgen noch verfassen, soweit es meine Zeit zuläßt.

Freitag, 18. November 2011

Am Ziel!



08.11.2011, Korfu, Hafen

Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende

Gesamt-Km: 3.104

Tag 59

Nach 59 Tagen, 3.104 gefahrenen Kilometern und sechs durchreisten Ländern, erreiche ich am 08.11.2011 gegen 13.30 MEZ mit dem Schnellboot Korfu.

Ich habe es geschafft, und bin geschafft, für Luftsprünge bin ich viel zu müde. Vor mir am Zoll steht eine ganze Traube Albaner, die es kaum erwarten konnten, aus dem Boot zu kommen. Ich bin der letzte in der Schlange. Der Zöllner macht mal wieder den berühmten „Fahrzeugscheinwitz“, aber alles ganz locker, er geht mit mir nach draussen, und zeigt mir wie ich in die Stadt komme
.
Endlich wieder „europäischen Boden“ unter den Füssen, ich fühle mich gleich ganz anders. Aber hier ist ja nicht irgendwo in Europa, hier ist das Land auf das momentan die ganze Welt schaut. Das bekomme ich gleich im Hafen zu spüren, als ich zwei Griechen frage, ob Sie ein Foto von mir und meiner Ankunft machen können. Als sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme, höre ich irgendwelche griechischen Sätze, und mehrmals den Namen „Merkel“.

Ich fahre in die Altstadt, und gönne mir zuerst einmal ein Willkommens-Menü, welches aus Pommes, Fetakäse, Brot und einer Fanta besteht. Dann möchte ich zur Tourist-Info, die aber schon geschlossen hat. Ich klappere einige Hotels ab, die aber alle für mein Budget zu teuern sind. Nein, auch nicht zu Feier des Tages, möchte ich 40 Euro für ein Zimmer ohne Frühstück ausgeben. Einen Campingplatz gibt es in der Stadt nicht, nur einige Kilometer ausserhalb, und ob der noch geöffnet ist, konnte mir auch keiner sagen. Ich fahre durch die Strassen, frage nach Privatzimmern, nichts zu finden.

Tja, ich wollte es ja so, ankommen mit nichts in der Hand, und relaxt bleiben. Schließlich, als es schon dämmert, fahre ich zum Hafen, sehe in einem geschlossenen Restaurant Licht, frage den Besitzer der gerade am aufräumen ist, ob ich eine Nacht auf seinen Spielplatz übernachten kann. Kein Problem, und so verbringe ich meine erste Nacht auf Korfu, zwischen einer Schaukel und einem Karussell. Abends setze ich mich an den Hafen, schaue den Anglern zu, lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Morgen früh werde ich gleich die Tourist-Info ansteuern, um Infos zu erhalten.
Ich möchte nicht gleich wieder hier abreisen, sondern ein paar Tage, oder sogar Wochen bleiben. Ein Zimmer mit Verpflegung finden, das ich gegen Mitarbeit bekomme. Die Olivenernte steht an. Das ist mein Plan. Inwieweit er aufgeht, wird sich morgen zeigen, ein neuer Tag, eine neue Chance.

Zum Abschluss dieser Reise möchte ich ein letzte Mal Claude Marthaler zu Wort kommen lassen.

„Unser Charakter zeigt sich auf Reisen, in unvorhergesehenen oder schwierigen Situationen, wo die üblichen Bezugspunkte fehlen, besonders deutlich. „

„Unterwegs gibt es wohl mehr Unvorhergesehenes als bei einem sesshaften Dasein, aber meistens wird der Tagesablauf bestimmt durch die menschlichen Grundbedürfnisse: Essen, Trinken und Schlafen. Dieses spartanische Leben, oft so reich an Begegnungen und Entdeckungen, entspricht meinem Naturell und meinen Wertvorstellungen.“

Besser hätte ich es nicht beschreiben können...




Tag 58

Die Hotelbesitzerin ist richtig traurig, als ich Ihr am Morgen mitteile, das ich heute auschecken werde. Grundsätzlich war es sehr schön hier, aber ich merke nun ganz deutlich, wie ich nach 2 Monaten auf dem Rad nur eines will: Ankommen.
Sie bedankt sich tausend mal für den Excel Grundkurs, ich gebe ihr meine Email und Blogadresse.

Die Reise nähert sich dem Ende, das ist klar. Bis nach Saranda sind es ca. 60 km. Von da aus noch einmal 70 km bis nach Igoumentitsa, der Fährhafen in Griechenland. Gestern fand ich heraus, das es eine Verbindung von Saranda nach Korfu gibt, mit dem Schnellboot.
Eigentlich habe ich gestern abend schon darüber nachgedacht, und mich entschieden. Wenn das mit dem Fahrrad geht, nehme ich das Schnellboot. Wenn ich bis Igoumenitsa fahre, werde ich wohl noch einmal dort übernachten müssen. Aber vor allem bin ich müde. Und schlecht gelaunt. Die fast zwei Monate habe gezerrt, ich habe ein paar Kilo abgenommen. Mein Körper bettelt um Ruhe, Erholung und gutes Essen. Ganz klar, dafür an anderer Stelle einiges hinzugewonnen, Erfahrungen, Disziplin und Wertschätzung, für die kleinen Dinge, die so selbstverständlichen, Essen, Trinken, vier Wände zum schlafen.

Und so gehe ich sie an, die letzten Kilometer durch Albanien, und der ganzen Tour. Die letzte Entscheidung will ich in Saranda treffen. Eine Mischung aus Wehmut und Vorfreude. Was habe ich nicht alles erlebt in diesen zwei Monaten, Krankheit, Regen, Sonne, Hunger, Kälte. Wenn ich eine sichere und feste Bleibe auf Korfu gefunden habe, werde ich das alles Revue passieren lassen, in mich hineinhören was es mit mir gemacht hat, die Strapazen, wie die Freuden, das täglich neue, das täglich Ungewisse. Und versuchen darüber zu schreiben.

Nach einigen Kilometern merke ich eine Leichtigkeit beim fahren. Es könnte jetzt eine Bombe vor mir einschlagen, oder ein Pitbull auf der Strasse stehen, ich glaube es wäre mir egal, würde einfach weiterfahren, oder eben nicht, alles ist gut, alles ist schlecht, alles ist Veränderung.

Noch einmal zähes Treten bergauf, und lässige Rollen bergab, Dörfer, Hundegebell. Kurz vor Saranda, eröffnet sich links von mir ein riesiges Tal, und absolute Stille. Ich trete langsamer, bleibe immer wieder kurz stehen, ein passender, schöner Ausklang einer Tour. Da stören sogar die riesigen Müllberge am Strassenrand nicht.

Dann rolle ich in Saranda ein. Es ist früher Nachmittag. Die Frau in der Tourist-Info ist sehr freundlich, und bemüht für mich eine günstige Unterkunft zu suchen. Die beiden Hostels in der Stadt haben geschlossen. Sie gibt mir einen Stadtplan und ein paar Hotelempfehlungen mit auf dem Weg. Ich schiebe mein Rad durch die Strassen, die Albaner begaffen mich wie einen Außerirdischen. Sie sitzen in ihren Cafes, trinken Espresso, rauchen wie die Schlote, machen Tauschgeschäfte auf der Strasse. Man merkt eindeutig einen italienischen Einfluss, nicht nur bei den Restaurants, laize faire, warum sich verrückt machen, jeden Tag 8 Stunden arbeiten. Nun kommen ja immer mehr Touristen, wie mir die Dame in der Info erzählt hat, und wie man es überall an den Betonrohbauten erkennen kann.
Sie fragte mich auch, welcher Eindruck nach sechs Tagen durchs Land nun bleibt. Unterschiedlich antwortete ich, viele Vorurteile sind gefallen, ich fühlte mich nicht unsicher oder bedroht, aber auch nicht richtig wohl. Es bleibt ein fader Geschmack zurück, die Gesichter der Alten sind verhärmt, ausdruckslos, starr, man könnte meinen, die ereignisreiche und raue Geschichte des Landes ist darin gezeichnet.

Gerade als es zu regnen anfängt, habe ich wieder ein günstige Hotel gefunden. Ich bin wohl der einzigste Gast, die Dusche ist nur lauwarm. Nun ist es klar, morgen um 12.45 geht es mit dem „Dolfin“ Schnellboot rüber nach Korfu, in 30 Minuten in ein anderes Land.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich bei diversen Seiten im Internet anmelden soll, um vorab Kontakt mit unterschiedlichen Gastgebern auf Korfu aufzunehmen,Wwoofen, HelpExchange, es gibt einige Möglichkeiten, um was Sicheres zu haben, eine Anlaufstelle. Habe es dann aber trotzdem nicht gemacht. Durch die Erfahrungen und den Austausch mit anderen Reisenden habe ich eine gewisse Gelassenheit bekommen, ich möchte morgen auf Korfu den Tag beginnen wie die letzten Tage, mit nichts Gewissem, nichts Sicherem, kenne niemanden dort, weiß noch nicht einmal wo ich schlafen werde.
Den Dingen ihren Lauf lassen, sich entwickeln lassen, das Schicksal arbeiten lassen. Hört sich manchmal etwas großspurig an, und für manche leichtsinnig, aber so möchte ich die Reise beenden, so wie ich sie auch angefangen habe.

Mittwoch, 14. September 2011

Frankfurt - Würzburg Tag 1-3

Gesamt-KM: 173

Tag 1
Vom Hauptbahnhof ging es zuerst zur Börse. Nach dem Startfoto, ging es runter zum Main. Es war Sonntag, gutes Wetter, somit viel los auf dem Radweg, Jogger, Skater, Radler, Kinderwägen. Das unter all diesen Sonntagssportlern auch einiges Gesocks rumläuft, zumal ich mich innerhalb der gefährlichsten Stadt Deutschlands bewege, daran hätte ich später einmal denken sollen. Ein Dixie-Klo direkt am Radweg verschaffte einem dringenden Bedürfnis abhilfe. 5 Minuten später sitze ich wieder auf dem Rad, und radel frohen Mutes weiter. Nach ca. 2 KM fällt mir auf, mein Tacho ist weg! Verloren, der rastet doch ein! Die Strecke noch mal zurück, aber eigentlich war es klar.
So begann gleich meine Radtour mit einem Warnschuss. Irgendein so Verrückter hat mir tatsächlich vor dem Dixie-Klo den Tacho abgezogen, sonst fehlte nix, in der Lenkertasche waren die wirklich wertvollen Sachen.
Ok, anfänglicher Ärger, war ich zu unvorsichtig? Wie oft hatte ich das schon gemacht, in Italien, Spanien, aber hier bin ich ja im Rhein-Main-Gebiet, in Offenbach, das auch berüchtigt ist. Relativ schnell stellte sich eine spirituelle Gelassenheit ein "soll er glücklich damit werden". Das sind erste "Prüfsteine" auf der Tour, von der bestimmt noch weitere kommen werden. Jetzt nur nicht in eine totale, Angsthaltung verfallen, Vertrauen und gesunder Menschenverstand beibehalten.
So ging es weiter bis nach Stockstadt, 10 KM vor Aschaffenburg. An einer kleinen Brücke, auf einer Schaafswiese schlug ich schon relativ früh, mein Zelt auf, da sich ein Gewitter ankündigte. Im Prinzip war es neben einem Seitenradweg des Hauptmainradweges, es fuhren jede Menge Radler vorbei, die meisten beachteten mich gar nicht.
Und so zahlten sich einmal mehr, die Kontakte und Gespräche auf solchen Touren aus. Letztes Jahr, traf ich an der Weser, einen älteren Radler, der seine kpl. Donautour nur mit "Wildcampen" bestritt, im Fluss badete, und sich Wasser vom Friedhof holte. Letztes Jahr hatte ich noch Bedenken, nun machte ich es einfach. Und es zahlte sich mal wieder aus, seiner "Angst zu folgen" und es einfach zu machen.
Zelt aufbauen, Essen kochen, ausruhen, Gewitter abwarten, Schlafen gehen.
Ein guter erster Tag.

Tag 2
Früh ging es raus. In Aschaffenburg kaufte ich mir einen neuen Tacho, optisches Besser als der vorherige, Sigma, günstiger Preis. Somit ist das Thema erledigt.
Einkauf für um die 4 €. Mein Tageslimit von 10 möchte ich abgesehen von ausserplanmässigen Ereignissen halten. Leicht bewölkt, viel Sonne. Weiter am Main. Hinter Aschaffenburg wird das Maintal richtig schön. Unterhalte mich mich Freizeitradlern,alle machen sie 5-6 tägige Touren. Bin gespannt wann ich den ersten "Tourenradler" treffe. Kurz hinter Miltenberg schlage ich an einer traumhaft idylischen Insel, direkt am Main mein Zelt auf. Strahlend blauer Himmel, springe in den Main und wasche mich, herrlich, pures Lebensgefühl. Plötzlich taucht ein Mann mit einer Kamera auf. Er macht eine Ausstellung über Menschen und Leute entlang des Mains, fragt mich ob er Fotos von mir und meinem Zeltplatz machen kann! Klar, Publicity kann nie schaden.:) Er schiesst eine regelrechte Serie, gebe ihm meine Blog-Adresse.
Abends als es schon dunkel ist, ich geniesse noch den Ausblick auf dem Main, kommt dann der erste Tourenradler. Hanso, aus der Tschechischen Republik. Wir unterhalten uns zuerst, dann entscheidet er sich sein Zelt aufzubauen. Halb englisch, halb deutsch verständigen wir uns. "Ich fahre liebe nachts, tagsüber ist zu warm."

Tag 3
Als ich schon mein Zelt abgebaut habe, erwacht er erst, und streckt sein Kopf aus dem Zelt. Jetzt sehe ich ihn das erste mal bei Tageslicht. Er ist von Marienbad nach Prag geradelt, und nun auf dem Rückweg. Er ist Maler, und entsprechend besteht der grösste Teil seiner Ausrüstung aus Malerzubehör, Stativ, Papier, Farben. Ein echter Künstlertyp, schlägt einfach irgendwo sein Zelt auf, oder schläft auf Parkbänken. Zersaust, muffig, Rauschebart, wohl seit einige Tagen keine Dusche.
Aber er hat echtes Talent, während einer Rast zeigt er mir seine gemalten Bilder von unterwegs, Burgen, Kathedralen, alle Achtung, wirklich beeindruckend. Ich sage ihm, er solle sein Talent zum Beruf machen, das ist sein Potential. "I'm not a buisnessman" Entweder guter Maler oder Buisnessman, beides ist sehr selten. Wir recht er hat, zeigt nicht die ganze Geschichte von Künstler aller Coleur, von ihre Gabe konnten nur wenige zu Lebzeiten leben, Ruhm und Geld kamen erst ganz spät oder nach dem Tod. Ich denke darüber nach.

Wir fahren den Tag zusammen, bis Bamberg will er auf dem Mainradweg bleiben, biegt aber auch gerne auf die Strasse ab " Habe genug Flüsse gesehen, ist langweilig, immer gerade aus". Ansichtssache.
In Wertheim trinken wir einen Kaffee zusammen. Dann lasse ich mich von ihm überzeugen, über die Landstrasse bis nach Würzburg zu fahren. Ein Blick auf die Karte zeigt, der Main macht eine riesige Schleife Richtung Norden.
In Würzburg trennen sich dann unsere Wege. Für meinen "Piccasso vom Ostblock" ist es noch zu früh (16.00) um sein Zelt aufzuschlagen, mir schickt es für heute, außerdem möchte ich versuchen bei einem Kanuclub mein Nachtlager zu finden, und dort mal wieder zu duschen. Wir tauschen noch die blog-Adressen. Auf der Wiese vom Ruderclub W. Schlage ich mein Zelt auf.
Zelt, Kocher anschmeissen, asiatische Instant-Nudeln ins heisse Wasser, duschen.
Ich fühle mich gut, abends natürlich erschöpft, aber eine wohltuende. Jeden Morgen ein neuer Aufbruch, neuer Begegnungen, neue Eindrücke.
Soviel von mir, sitze im McDonald in der Innenstadt, die sonne lacht, das Radlerherz auch.

Freitag, 9. September 2011

Packliste



"Ich habe nicht viel, aber ich habe ein Herz"
aus Peru

Kleidung

Fleece Pullover
3 Shirts (1x langarm, 2x T-Shirts)
Unterwäsche (5x, 1x lang)
2 Paar Radsocken
2 Paar Lange Socken
Moorhead Zip-Hose
2 Radlerhosen (lang/kurz)
1 Radtrikot
2 Paar Radhandschuhe (kurz/lang)
Vaude Garmaschen (Radüberschuh)
Baumwollmütze, Kappe
Sonnenbrille
2 Halstücher
2 Buff Kopftücher
1 kleines Microfaserhandtuch
1 Fine-Well Outdoorwaschlappen
Xert Performance Regenhose
Regenjacke
Radweste (Microfaser)


Camping


Tatonka Arctis 2 Zelt
Mountain classic 500 Daunenschlafsack
Therm-A-Rest Prolite Iso-Matte
Seam Grip Nahtversiegelung (für Schäden am Zelt)

Kochen

Trangia Sturmkocher-Set Gross Ultra-HA inkl. Gasbrenner
Trangia Teekessel 0,6L
Snow Peak Gaskartusche
Ortlieb Faltschüssel
Spork Ligth My Fire Plastikbesteck
Opinel Schneidemesser
Kleiner Plastikteller
Geschirrtuch

Sonstiges

4 Ortlieb Packtaschen Ultimate4Classic-Globetrotter Edition
Ortlieb Packsack M
Meru Mulittool
Stirnlampe
Netbook
Casio Exilim Digi-Cam 6 MP
Ersatzschlauch
Sigma Pocket-Tool
Nano Kettenöl
Meru Reisekissen (aufblasbar)
Ortlieb Wassersack 4L
UCO Kerzenlaterne inkl. Ersatzkerze
Meru BodyWash Duschgel (hochkonzentriert)
CS-Abwehrspray
kleines Ladegerät für Akkus
Handyladekabel
Reisewecker
Micropur Wasserdesinfektion
Strassenkarten
leichte Sandalen
Erste-Hilfe-Set

Insgesamt 27 KG

Sonntag, 4. September 2011

Way of Living - Radtour

Vielleicht ist es schließlich doch die schlechte Angewohnheit schöpferischer Menschen, mit pathologisch anmutender Energie geistiges Neuland zu betreten. Die Erkenntnisse, zu denen sie dabei gelangen, sind oft bemerkenswert. Allerdings verhelfen sie nur jenen zu einer dauerhaften Existenz, denen es gelingt, sie in nennenswerte Kunst oder Gedankenwelten zu übertragen
Theodore Roszak,"In Search of the Miraculous"


2 Jahre. 5 Länder. 2 Kontinente. Rund 5.000 KM mit dem Fahrrad, 45.000 KM mit dem Flugzeug. Nach 2 Jahren schliesst sich in gewisser Weise ein Kreis. Im September 2009 kündigte ich meinen Job + Wohnung. Im September 2011 breche ich zu einer neuen Radtour auf. Aber nicht irgendeine weitere! Diese Tour ist in mancherlei Hinsicht, eine "finale" Tour. All die Erlebnisse, all die Erfahrungen, Impulse und Eindrücke der letzten beiden Jahren, fliessen in dieses neue Radprojekt.

Und das zu einer ganz besonderen Zeit. Über die momentane Zeitqualität habe ich in den letzten Monaten ausführlich berichtet. Auch darüber wie meine Einschätzung dazu ist, und welche Prognosen ich daraus ableite.
Allgemein ist viel gesagt worden. Nun ist es Zeit zu handeln, etwas zu unternehmen, und nicht wie das Kaninchen vor der Schlange in Angst zu verharren!
Über viele Monate habe ich mir das ganze Szenario genau angeschaut, viel gelesen und recherchiert. Und mir Gedanken gemacht. Was kann man angesichts einer Situation von allgemeiner und zunehmender Verunsicherung und Angst tun?
Zunächst einmal Vertrauen bewahren, und nicht die Nerven verlieren. Aus Vertrauen und handeln entsteht eine Tat, eine Idee für eine Handlung.

Und so kam es allmählich zu der Idee, das wofür ich vor rund 2 Jahren aufgebrochen bin, Freude, Freiheit, Intensität, verbunden mit den prägenden Erfahrungen meiner Reisen, zu nehmen und alles in ein Projekt einfliessen zu lassen, das nahe am Puls der Zeit ist. Ich führte viele Gespräche, bekam dadurch, einige Anregungen und Tipps. Und so ist nach langer Vorbereitung, die "Way of Living Radtour" entstanden. Eine Tour von Frankfurt am Main nach Korfu.

Start und Zielort sind keine zufällige Auswahl. Geht es doch bei beiden, irgendwie um Geld und Schulden, in ganz unterschiedlicher Ausprägung. Und auch der Starttermin, der 11.09.2011 ist kein willkürliches Datum. Es ist ein symbolisches Datum, das uns allen ins Gedächtnis gebrannt wurde, und an das wir alle in diesen Tage wieder erinnert werden.
Ich erinnere mich noch genau an meinen 11.09.2001. Ich saß in einem Lehrraum der Bundeswehr, gerade seit 10 Tagen meinen Grundwehrdienst leistend, und auf einmal mitten im Vortag, sprang die Tür auf und ein aufgebrachter Soldat verkündete, das Amerika angegriffen wurde.
Ehrlich gesagt, im ersten Moment dachte ich, dies sei Teil einer cleveren Ausbildungstaktik für die neuen Schützen, um sie für die Inhalte der Ausbildung zu sensibilisieren, zu zeigen das dies hier kein "Spass" sei. So unverstellbar schien mir dieses Ereignis. Erst abends als ich die Fernsehbilder sah, konnte ich es wirklich glauben.

10 Jahre nach diesem traurigen Tag, der die Welt für immer veränderte, möchte ich nun, am 11.09.2011 zu einer Radtour starten, die zumindest meine Welt dauerhaft verändern soll. Und vielleicht bleibt es nicht nur bei meiner?

Mehr als alle anderen Touren der letzten beiden Jahre, ist diese ganz klar auf ein stärkeres Miteinander ausgerichtet. Mehr als sonst möchte ich in Kontakt, Austausch und Diskussion mit den Menschen von unterwegs kommen. Durch ein gelebtes Beispiel vorangehen, Denkprozesse anregen.

Details zu Ablauf und Route findet ihr in der Projektbeschreibung. Auf dieser Tour möchte ich versuchen, häufiger und aktueller von meinen Erlebnissen zu berichten.

Nun heisst es aufstehen, raus aus der Komfortzone, und die Augen für die Realität öffnen, wie sie sich uns momentan darstellt. Es gibt kein unendliches Wachstum, in einer endlichen Welt!

Abschließend möchte ich mich recht herzlich bei all den Leuten bedanken, die mein Leben in den letzten 6 Monaten, so stark prägten, die mich unterstützten und beeinflußten auf so vielerlei Weise.


Lieber als Liebe, als Geld, als Ruhm gebt mir Wahrheit
Henry Thoreau