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Sonntag, 10. Juni 2012

Brot und Spiele

Toooooorrrrr!

 Das, verbunden mit lautem Geschrei und Böllerschüssen, konnte ich gestern in meiner unmittelbaren Nachbarschaft hören. Deutschland hat sein Auftaktspiel gewonnen. Seit zwei Tage rollt das runde Leder wieder, die schönste Nebensache der Welt beherrscht in den nächsten Wochen den Alltag. Es ist angerichtet und es wird in Schwarz-Rot-Gold geschmückt: Balkone, Bierbäuche, Fahnemasten, Außenspiegel, Autotüren.  Das schwarz-weiße Trikot wird übergezogen, der Deutschlandschal um den Hals gehängt und auf gehts zum Nachbarn. Es wird der Grill angefeuert, die Bruzzler aus den EM-Sonderwochen vom Rewe auf den glühenden Rost gelegt und der Kasten Bier aus dem kühlen Keller geholt.
"Ahh, wie ist das schön, so ein Tag so wunder wunderschön, ahhh wie ist das schön", Fußballerherz, was willst du mehr. Die nächsten drei Wochen versprechen eine einzige Party zu werden: jeder Deutschlandsieg steigert die Euphorie, die Niederlande putzen wir auch weg, Vorrunde geschafft, Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale..., der Traum kann Realität werden, könnten wir es wirklich schaffen?! Deutschland im kollektiven Freudentaummel, vergessen all die Sorgen,  dass tägliche Scheiss malochen, der Stress mit den Nachbarn, der Verlust an den Aktienmärkten, die steigenden Sprit- und Lebensmittelpreise, egal, ganz egal, für drei Wochen herrscht kollektive Amnesie. Für drei Wochen vergessen wir die täglichen Sorgen, das Hetzen und Drängen, die Eurokrise, die Pleitegriechen und die neuen Pleitespanier, Italien, Portugal, und was damit alles zusammenhängt. Jetzt ist EM, jetzt ist Freude und Ausgelassenheit angesagt, jetzt vergessen wir all den Mist, zumindest für die nächsten drei Wochen, danach dreht sich die Welt wieder weiter und dann vielleicht mit Deutschland als Europameister! Was soll da noch kommen? Eine Europameisterschaft als Tranquilizer, als Beruhigungspille, als Opium fürs Volk.

Ich entschuldige mich jetzt schon mal. Gleich zu Beginn, ist wohl besser. Ich entschuldige mich ein Spielverderber zu sein! Sorry, an all die eingefleischten Fußballjunkies, bei denen für drei Wochen der Neocortex (Teil des Gehirns der für abstrahierendes und selbständiges denken zuständig ist) aussetzt und dafür der bisher von der Hirnforschung unentdeckte "Soccercortex" aktiviert wird. Ein kleines Areal im Stammhirn, das ausgesprochen auf Bier, Laolawellen, dem Geruch von verbrannten Steaks, die Nationalhymne und Blondinnen in engen Deutschlandtrikots reagiert. Willkommen im alten Rom! Hä,was hat eine Fußballeuropameisterschaft mit Julius Cäsar zu tun? Nun ja, es gibt gewisse Parallelen.
Um das gemeine Volk ( zur damaligen Zeit auch Pöbel genannt) im alten Rom zu belustigen, und bei Stange zu halten, schickten die Herrschenden Sklaven und Gefangene in die Arena, um sie von den  Löwen zerfleischen zu lassen. Der Pöbel gröllte und ging mit einem Leib Brot unterm Arm zufrieden nach Hause. Heute brauchen wir keine Löwen mehr. Heute haben wir RTL, die Bildzeitung und die Sonderangebote von Aldi und Lidl. Und alle zwei Jahre ein Großereignis, welches, wie damals im alten Rom, die Arenen mit dem breiten Fußvolk füllt, bei dem aber niemand mehr umgebracht wird. Ok, mal abgesehen von den Tausenden von Gehirnzellen, verursacht durch exzessiven Alkoholgenuss, aber das ist ein anderes Thema.

Und noch eine Gemeinsamkeit läßt sich zu den alten Römer finden: während die Spiele liefen - ob nun die Gladiatorenkämpfe oder eine Fußballeuropameisterschaft - konnten im Hintergrund die Machthabenen in aller Ruhe die Weichen für tiefgreifende Veränderungen für das Leben ihres Volkes stellen. Aber wie gesagt, kriegt ja keiner mit... Insofern ist der Beginn dieser Europameisterschaft ein Glanzstück in Sachen Timing, und ein wirklich großes Geschenk für die Politiker.

Die Woche der Wahrheit

Seit rund zwei Jahren berichte ich in sporadischen Abständen immer wieder mal in kürzeren oder längeren Artikeln, über die Zusammenhänge der Eurokrise und dem Thema Geld und Schulden. Wer meine letzte Radtour nach Griechenland aufmerksam verfolgt hat, wird festgestellt haben, dass dieses Thema ein Schwerpunkt der Reise war (u.a., mit wenig auskommen, sich unabhängig machen von den finanziellen Ansprüchen, wie hoch ist der Stellenwert des Geldes in anderen Ländern). In letzter Zeit habe ich mich diesbezüglich ein wenig zurückgehalten, vieles wurde gesagt, aber vor allem wollte ich tiefer in die Hintergründe eintauchen, die Lage aus einer objektiven Sicht beurteilen und vor allem nach Möglichkeiten suchen, welche eine Lösung anbieten könnten. Ich glaube nun wird es Zeit, sich wieder zu Wort zu melden.

 Insbesondere in dieser Woche. Der Ausruf  "Woche der Wahrheit"  wurde in den vergangenen Monaten im Zusammenhang mit der Eurokrise schon oft gemacht. Meistens von irgendwelchen "Alternativ- und Insiderblogs" im Netz. Nun wird aber auch der Mainstream wach und nimmt sich intensiv dem Thema an. Und zwar im ganz konkreten Zusammenhang mit einem Scheitern der Einheitswährung. Das mag daran liegen, das die Einschläge immer näher kommen und die Dichte der Schreckensmeldungen immer mehr zunimmt: Ahnungslos in die Euro-Dämmerung  schreibt der Spiegel; Scheitert Spanien, dann auch der Euro schreibt das Handelsblatt; Sorge um Spanien und die Weltkonjunktur schreibt die FTD. Und nicht zu vergessen: die bevorstehenden griechischen Parlamentswahlen am 17.06. Falls die Linksradikalen die Wahl mit großem Vorsprung gewinnen sollten, würde das zu einem sofortigen Aufkündigen der Sparmaßnahmen durch die EU führen. Aber auch ein Patt, bei dem erneut keine Regierungsbildung möglich wäre, würde zu unvorhersehbaren Schockwellen auf den internationalen Finanzmärkten führen, wie der Spiegel und die Zeit schreiben. Auch wenn Spanien gestern unter den Rettungsschirm geschlüpft ist, ist dies noch kein Grund zur Entwarnung, ganz im Gegenteil, es bleiben noch vielen Antworten offen, wie die Zeit schreibt. In diesen, wie in vielen anderen Artikeln der Vergangenheit, klingt es an: diese ganzen Maßnahmen sind weitere Beruhigungspillen, Zeitkäufe, für die nervösen und verunsicherten Finanzmärkte rund um den Globus. Also, nachwievor das gleiche Spiel wie seit rund zwei Jahren.

Wenn man die ganze Entwicklung schon etwas länger verfolgt hat, hat man gesehen, dass es solche und andere Meldungen in den vergangenen Monaten schon öfters gab. Nur ein weiteres Zeichen, dass die Schuldenkrise noch lange nicht überstanden ist. Nun mehren sich aber die Zeichen, das es endgültig auf eine finanle Phase hinausläuft! Das die Handlungsspielräume immer kleiner werden! Das man wirklich von einer "Woche der Entscheidungen" sprechen kann. Und zwar mit globalen Auswirkungen! Und bei all den Diskussionen sollte man nicht vergessen: einen wirklichen Ausweg, der die Ursachen der Krise an den Wurzeln packt, habe ich bisher im Mainstream noch nicht gelesen. Ich meine, dazu müsste man einen grösseren Gesamtzusammenhang heranziehen, und viele verschiedene Bereiche berücksichtigen. In einem integralen, ganzheitlichen Ansatz wäre das möglich, und darüber mache ich mir derzeit intensiv Gedanken und sichte unterschiedliches Material.

In genau einer Woche werden wir in mancherlei Hinsicht schlauer sein. Zum einen, ob es wirklich eine "Woche der Wahrheit" war, was die Schuldenkrise angeht, zum anderen, ob wir mit einem Bein im Achtelfinale stehen, und damit das Thema Schuldenkrise noch mehr im kollektiven Fußballtaummel untergeht. Wie gesagt, ein perfektes Timing, des Zufalls oder wem auch immer. Lassen wir die Spiele beginnen und brüllen aus vollem Halse: Toooooooooorrrrrr...


Freitag, 9. März 2012

Yasu Griechenland

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben."

Mit diesen Zeilen aus meinem Lieblingsgedicht von Hermann Hesse's "Stufen", verabschiede ich mich nach 4 Monaten von Griechenland. Morgen gegen Mitternacht geht meine Fähre von Patras nach Venedig. Dort werde ich am Montagmorgen ankommen.

Eine Zeit der Reifung und Entwicklung, ich glaube, ohne sentimentale Übertreibung kann ich die zurückliegenden Monate in dieser Weise skizzieren. All das Erfahrene, Erlernte und Erkannte versuche ich nun mitzunehmen, auf einen Weg ins Unbekannte, auf einen Sprung zu einem neuem Anfang. Und darauf freue ich mich. Bleibt heiter und gelassen, auf bald, das nächste mal wieder von unterwegs, i am back on the road!

Dienstag, 21. Februar 2012

Griechenland im Jahr 2012 oder weiter wie bisher?

Ergebnis der Umfrage auf dem Blog:" Was verbindest du persönlich mit 2012?"

82% (27 Stimmen): Nichts besonderes. Ein Jahr wie jedes andere auch.
18% (6 Stimmen): Veränderungen, Umbrüche, Neuanfänge.

Das ist eindeutig! Vielen Dank an alle, die sich an der Umfrage beteiligt haben.

Die grosse Mehrheit verbindet also mit diesem Jahr nichts besonderes. Ein Jahr wie jedes andere halt, weiter wie bisher. Auch wenn ich keine Stimme abgegeben habe, meine Meinung dazu sollte bekannt sein: Ich glaube das nicht. Oder anders: Ich möchte gar nicht, dass alles so weiter geht wie bisher!

Diesen Standpunkt habe ich in vergangenen Posts schon ausführlich dargelegt. Und warum gerade jetzt die Zeit dafür ist. In den letzten Wochen wurde dieser durch die Integrale (ganzheitliche) Sichtweite erweitert und gewährt mir dadurch eine ganz neue Sicht auf die Probleme der europäischen Schuldenkrise im Allgemeinen und die in Griechenland im Speziellen.Hier in Griechenland kann man von allem anderen sprechen, als von weiter wie bisher. Hier sieht die Situation ganz anders aus. Ich bin nun seit gut 3 Monaten im Land, habe mit ganz unterschiedlichen Leuten gesprochen und glaube dadurch ein breites Meinungs- und Stimmungsbild gewonnen zu haben.

Ein paar Fakten. Die deutschsprachige Griechenlandzeitung berichtet von tiefer Resignation und Hoffnungslosigkeit bei den Menschen in Athen. Die Arbeitslosenquote ist auf über 20% hochgeschossen. Besonders betroffen sind die Jugendlichen. Dort herrscht null Zukunftsperspektive und völlige Lethargie, die irgendwo ein Ventil sucht, bei manchen in Gewalt. Die Selbstmordrate ist stark angestiegen, zwar im Vergleich zu anderen europäischen Ländern noch gering (wie z. B. Deutschland), aber trotzdem für dieses Land der Freude und Leichtigkeit ein Alarmsignal.

Für Griechenland waren die letzten beiden Jahren schon nicht wie jedes andere, und dieses gerade begonnene, wird es bestimmt auch nicht. Die Leute werden ausgepresst wie eine Zitrone, es mehren sich die Stimmen das die Bevölkerung kurz vor einer Revolution steht. Was das bedeutet, konnte man vor 2 Wochen nach der Verabschiedung des letzten Sparpaketes sehen, als in Athen über 50 Häuser brannten. Auch das ein Ausdruck von tiefer Hilf- und Hoffnungslosigkeit, die sich dann in Wut und Aggression entlädt. Das ist wirklich nicht schön mit anzusehen, auch wenn ich hier in der "sicheren" Mani sitze und das alles aus der Presse entnehme. Athen ist 290 km von hier entfernt und nicht über 3.000 km wie von Deutschland aus. Das läßt die Situation näher rücken, wenigstens mental, und gibt einem zu denken.

Am Sonntag, während einer Müllsäuberungsaktion am hiesigen Badestrand, an der sich viele europäische Immigranten die hier leben, beteiligt haben, lernte ich ein Ehepaar aus Deutschland kennen, dass hier seit 2 Jahren lebt. Er ist gebürtiger Grieche, Sie eine Bayerin. Beide lebten 30 Jahre in Deutschland. All die fleißigen Helfer für den Umweltschutz waren nach getaner Arbeit, zu Kaffee und Kuchen in Ihr Haus eingeladen. Eine andere Deutsche und Ich blieben dann sogar noch zum Abendessen, und so hatten wir genügend Zeit über Griechenland und die aktuelle Situation zu reden.

Wieder einmal war es sehr interessant, von den Hintergründen und Ursachen dieser nun  drohenden Eskalation der Krise zu erfahren. Relativ schnell wurde klar, es ist ein schleichender Prozess der seit Jahren andauert, und tief mit der Kultur und Mentalität des griechischen Volkes verbunden ist. Ich möchte jetzt auf keine Einzelheiten eingehen, da dies den Umfang dieses Post sprengen würde, aber einmal mehr wurde mir klar, es herrscht eine jahrzehntelange Tradition des Misstrauens gegenüber der Politik und auch unter den Menschen, eine Klientel- und Vetternwirtschaft die alle gesellschaftlichen Bereiche durchzieht und tief im kulturellen Bewußtsein verankert ist. Es geht mir hier nicht um ein Recht oder Unrecht, es geht um ein Verstehen des kulturellen Hintergrundes.

Diese Auffassung und Mentalität scheint fest in den Köpfen der Menschen zu sein, durchzieht alle Gesellschaftsschichten, angefangen vom Spitzenpolitiker, über den Arzt bis zum einfachen Olivenbauern. Und nun kommen die Technokraten aus Brüssel und wollen hier Strukturen und Maßnahmen durchsetzen, und zwar so schnell wie möglich, die in einem modernen Land wie z. B. Deutschland vorhanden sind. Das kann aber nicht funktionieren, da hier der größte Teil der Gesellschaft noch nicht in der Moderne angekommen ist, sondern sich noch in der Prämodernen befindet. Das will natürlich keiner hören, und der Aufschrei wegen Diskriminierung und Ausgrenzung ist gleich riesen groß. Aber darum geht es ja gar nicht, sondern um ein verstehen, warum es zu so vielen Problemen mit der EU kommt und vor allem, warum die Bevölkerung nicht versteht was da verlangt wird, und umgekehrt, die EU-Politiker nicht verstehen, warum immer drastischere Sparmaßnahmen, Regeln und Kürzungen, das Volk immer mehr auf die Strasse und in die Aggression treibt. Hier prallen einfach zwei völlig verschiedene Entwicklungsebenen aufeinander, nämlich die mytisch-agrarische in Form von Griechenland, auf die rational-leistungsorientierte in Form von Deutschland (oder anderen Industriestaaten).
Auch am Sonntag gab es wieder eine lebhafte Diskussion und Kontroversen, über die Ursachen, Probleme, wer Schuld hat und wer nicht. Am Ende kamen wir aber zu keiner Lösung. Ich persönlich glaube auch, das Schuld das falsche Wort ist. Verständnis für unterschiedliche Entwicklungsebenen ist das Passendere. Nur fehlt das komplett bei den entsprechenden Entscheidungsträgern auf allen Seiten. Mir war und ist es nach wie vor zu einfach, mit dem Finger auf "die da oben " zu zeigen. Das soll nicht heissen das dort "oben" alles richtig läuft. Mir wird aber nun immer bewußter, das es von großter Bedeutung ist, den Versuch zu unternehmen, einen objektiven Blick von aussen auf das ganze Geschehen zu werfen, um dann zu erkennen, das es ist vielmehr ein Problem von kulturellen und bewußtseinsmäßigen Unterschieden ist, als es nur auf die Gier und Korruption von einzelnen Bankern und Politikern zu schieben.

Es gibt Abstufungen in der Entwicklung, bei jedem einzelnen, sowie auf gesellschaftlicher/kultureller Ebene, was in den letzten Jahren intensiv erforscht wurde. Wenn man das einmal verstanden und anerkannt hat, und sich nicht gleich über Diskrimierung empört, wird vieles verständlicher, was derzeit zwischen Griechenland und der EU läuft. Die nun aufkeimenden und sich verstärkenden Proteste und Bewegungen sind alle sehr lobenswert, nur sollten man sich darüber im klaren sein, gegen was man protestiert und vor allem, was man verändern will? Nach allem was man so hört, wollen die Protestierer in Athen in der EU bleiben, aber gleichzeitig, soll alles so weitergehen wie bisher. Wenn man aber jetzt die Entwicklungsebenen im Hinterkopf behält, kann dies nicht funktionieren, da Griechenland sich mit seiner Klientel- und Vetternwirtschaft, die in ALLEN Schichten verbreitet ist, auf einer entwicklungstechnisch prämodernen Ebene befindet, und die EU sich mit solchen Industrienationen wie Deutschland oder Frankreich auf einer modernen Ebene befindet, deren wesentlichstes Merkmal Fairness und Gleichberechtigung ist, also genau das Gegenteil einer Vetternwirtschaft, wo ja nur die eigenen Verwandten und Gönner bevorzugt werden. Noch mal, dies ist keine Herabsetzung, sondern eine natürliche Entwicklung, die es so schon immer in der Menschheitsgeschichte gab. Und gleichzeitig ist dies die Chance für Griechenland, sich weiterzuentwickeln, gesellschaftlich wie individuell, auf den Sprung in die Moderne, mit all ihren Vorteilen aber auch Nachteilen, wie auf jeder Ebene.

Weil, dass sei hier auch ganz klar gesagt, das eben Gesagte heisst nicht, dass in einem modernen Land wie Deutschland alles richtig läuft. Die Auswüchse dieser Entwicklungsstufe erleben wir gerade weltweit in den grossen Industrienationen: hemmungslose Gier nach Profit und Gewinn, verbunden mit einem überbordenden Narzissmus einzelner Leute in Macht- und Führungspositionen und der damit verbundenen "Sozialisierung" der Verluste auf die unteren Einkommensschichten. Deshalb sind Bewegungen wie Occupy, Attac und andere nun so wichtig, da sie der Fratze des Raubtierkapitalismus einen Spiegel vorhalten und somit die ersten Schritte in Richtung Postmoderne gehen, die in Zügen in Deutschland schon vorhanden ist, aber nicht auf breiter Front.

Nach all dem was ich in den letzten 3 Monaten erlebt, erfahren und gelernt habe, gibt es keine leichten Lösungen für diese Art von komplexen Problemen. Zumindest nicht die, die momentan von der Politik propagiert werden, da sie, nach dem eben gesagten, an der Wurzel des Problems vorbeigehen. Es kann meiner Meinung nach nur in die Richtung gehen, eine ganzheitliche Lösung zu finden, die allen vorherigen Stufen berücksichtigt und miteinschließt. Das wäre dann eine Transformation im klassischen Sinne, das vorherige umschliessen, transzendieren und daraus etwas völlig neues kreieren.

Das wäre dann ein Umbruch, ein Neuanfang, eine Veränderung zu etwas nächst höherem, eine (R) Evolution im wahrsten Sinne des Wortes. Ich glaube die nächsten Monaten werden uns dazu eine Antwort geben.

Update 29.2.12: Das was ich vor einer Woche über die Ursachen und kulturellen Gründe der Krise geschildert habe, wird heute durch einen Zeitungsartikel in der Griechenlandzeitung von einem griechischem Philosophen und Schriftsteller bestätigt. 

Sonntag, 5. Februar 2012

Am Grab von Bruce Chatwin

Es hat mich drei Anläufe gekostet. Doch heute war es nun soweit. Ich stand an dem Ort, wo die Asche des berühmten Reiseautors Bruce Chatwin begraben liegt. Ein toller Moment.

Zur Vorgeschichte. Schon im Jahr 2010, als ich zum Schreibseminar hier war, erfuhr ich, dass der Reiseschriftsteller Patrick Leigh Fermor in Kardamily lebt, nur 10 km von unserem Seminarzentrum entfernt, in einem wunderschönen, traditionellen Steinhaus direkt am Meer. Ich muss gestehen, bis dahin war mir Fermor nicht weiter bekannt. Erst im Laufe des Workshops, erfuhr ich von anderen Teilnehmern, dass Fermor zu der ersten Generation der Reiseschriftsteller gehört, und gleichzeitig zu den Besten seiner Zunft. Seine Bücher sind echte Klassiker der Reiseliteratur und haben viele nach ihm inspiriert. Mit 18 zog er von  London aus los, mit leichtem Gepäck und wenig Geld, zu seiner Reise quer durch Europa der 30er Jahre, mit dem Ziel Konstantinopel. Aus seinen Erinnerungen und Tagebuchaufzeichnungen entstanden viele Jahre nach seiner Rückkehr zwei Bücher: "Die Zeit der Gaben" (das ich gerade lese) und " Zwischen Wäldern und Wasser". Später schrieb er noch diverse Bücher, zum Beispiel über seine Wahlheimat hier auf den Peloponnes, die Mani, aber seine ersten beiden Bücher, sind die bekanntesten und machten ihn gleich berühmt.

Seine Bücher und  wortgewaltigen Erzählungen inspirierten viele Autoren und Schriftsteller nach ihm, so auch den jungen Reiseautor Bruce Chatwin, der später einmal selbst zu den Großen in seinem Genre zählen sollte. Fermor war für Chatwin das grosse Vorbild, und insgeheim beneidete er ihn, für seinen umfassende literaische Bildung und seine präzise Sprache. Beide waren Engländer und wurden bald Freunde.
Irgendwann vor einigen Monaten, lass ich in einer Zeitschrift, dass Chatwins Asche in der Nähe von Kardamily begraben liegt. Wenige Tage nachdem ich hier war, erinnerte ich mich daran, und begann meine Recherchen im Internet. So fand ich heraus, das Chatwin regelmäßig seinen Freund Paddy Fermor hier in Kardamily besuchte. Morgens ging er in die Bucht zum surfen, arbeitete dann bis Nachmittags und anschließend machte er mit seinen Freund ausgiebige Wanderungen im Taygetos- Gebirge, oberhalb von Kardamily. Bei einer diese Wanderungen kamen sie an einem atemberaubend schönen Platz, mit einer alten byzanntischen Kapelle. Von dort aus hatten sie einen umwerfenden Blick aufs Meer und die angrenzenden Berge. Der weitgereiste Chatwin fand diese Stelle so wunderbar, dass er in seinem Testamtent verfügte, hier oben begraben zu werden. Als Chatwin dann schon sehr früh verstarb, 1989 , erfüllte ihm sein Freund Paddy Fermor diesen Wunsch.

Das kann man alles nachlesen, unter anderem in zwei Artikeln von Reiseautoren aus der jüngeren Zeit, die auch dieser Geschichte nachgingen und die Kapelle ausfindig machten. Es ist ja kein richtiges Grab in dem Sinne, dass dort ein Grabstein steht, oder eine Inschrift. Und da es hier in den Hängen und Bergen, Kapellen und Kirchen, wie Sand am Meer gibt, war es nicht einfach, die Richtige zu finden. Das galt für mich, wie wahrscheinlich für die beiden Autoren auch.

Ich stütze mich auf deren Angaben und begab mich vor rund 3 Wochen das erste Mal auf die Suche. Mit einer hier lebenden Schweizerinn fuhr ich zu einem abgelegenen Dorf, weit oben in den Bergen, dessen Name in einem der beiden Artikel erwähnt wurde. Und stiessen damit gleich auf ein weiteres Problem. Hier in Griechenland ist es üblich, das Dorfnamen mehrfach für Ortschaften vergeben werden. Die Bedeutung dieses Dorfnamens, war einfach nur "oberes Dorf " und davon gibt es wahrscheinlich einige in Griechenland. Das fanden wir aber erst nach unserer Rückkehr heraus. Natürlich frugen wir uns durch, da wir auch einen Namen der Kapelle hatten und standen dann auch vor der, mit einem trügerischen Gefühl von Sicherheit, das ist sie. Der Name der Kapelle sollte "Agios Nikolaus" sein, was "Heiliger Nikolaus" bedeutet. Kapellen mit diesen Namen gibt es hier wahrscheinlich noch öfter, als Dörfer mit gleichen Namen. Also war dies eine schöne Wanderung in den Olivenhängen, aber mehr nicht.

Eine Woche später, beim zweiten Anlauf kam ich der Sache schon näher, wenigstens geografisch. Diesmal ging ich an einem freien Sonntag alleine auf die Suche. Sicher war nun, es muss direkt oberhalb von Karadamily sein, in den Bergen mit einem freien und weiten Ausblick aufs Meer. Ich fuhr hoch in das Dorf Agia Sofia. Dort gibt es eine bekannte Kirche auf einem Plateau, welche die Attribute, Ruhig, Ausblick, alt, Steinmauer herum, erfüllte, von der ich aber aus den Artikeln wusste, dass es sie mit Sicherheit nicht ist. Von hier aus, soll es  nocheinmal 1 Std. zu Fuss zu der vermeintlichen Stelle sein. Ich wanderte ein wenig herum, schaute nach versteckten Kapellen, fand aber nichts, und hatte irgendwann keine Lust mehr.


Letzte Woche bekam ich dann den entscheidenden Hinweis. Eigentlich hatte ich die Sache schon abgehakt. Meine Nachbarin Barbara lud mich zu einem kleinen Ausflug ein. Ausgerechnet nach Agia Sofia zu einer Deutschen die dort ein Haus hat. Als wir dann auf der Terrasse in der Sonne bei Tee und Kekse sassen, sprach ich das Thema an. Ein letzter Versuch. Marion, die hier seit Jahren lebt, muss doch von dieser Geschichte schon mal gehört haben?! Und ja, so war es. Sie wusste sofort Bescheid, und meinte, die Kapelle sei nicht weit von hier. Und dies wäre 100% die Richtige. Im Sommer kommen hier immer wieder einmal Deutsche vorbei, die nach dem Weg fragen. Bingo. Sie erklärte mir den Weg. Leider war an dem Tag nicht mehr genügend Zeit für eine Expedition. Aber eins war klar, ich werde es ein letztes Mal versuchen.

Und dieser letzte Versuch fand heute statt. Ich fuhr mit dem Pick-Up rauf nach Agia Sofia. Kurz vor dem Dorf parkte ich. Ich folgte der Beschreibung von Marion. Ja tatsächlich, es gibt einen aspahltierten Weg. Gespannt und mit schnellem Schrittes schriet ich voran. Da, links, eine kleine Kapelle. Genau wie es Marion mir erklärt hat, man stößt auf eine Kapelle, die ist es aber noch nicht, man muss weiter. Ich folgte weiter dem Weg. Nun wird es wieder steinig, und steiler. Links und rechts säumen Olivenbäume den Weg. Es geht immer weiter nach oben. Je höher man kommt, desto schöner wird der Ausblick. Ja das könnte es sein, ich bin auf der richtigen Fährte. Gierig schaue ich nach oben, nach rechts und links, mit der Hoffnung endliche eine Spitze von einem Kreuz zu sehen. Dann, nach ungefähr 20 Minuten marschierens von der ersten Kapelle, sehe ich links über mir eine weitere. Eine Ältere wie mir sofort ins Auge fällt. Ein weisses Holzkreuz thront auf dem Gibel. Das muss sie sein! Als ich fünf Minuten später vor der kleinen Holztür stehe, mich umdrehe, und aufs Meer schaue, habe ich keine Zweifel mehr: hier oben wurde Bruce Chatwins Asche begraben. Was für ein Ausblick, auch jetzt, wo es stark bewölkt ist. Was für eine Ruhe. Sonnenstrahlen reflektieren auf dem Meer. Rechts sieht man die Hänge des Gebirges. Unter mir die Umrisse von Agia Sofia und noch weiter unten die von Kardamily.

Zwar stark bewölkt, aber trotzdem atemberaubend


Nun kann ich verstehen warum Bruce Chatwin, der überall auf der Welt war, alle Kontinente bereist hat, sich diesen Platz als seine letzte Ruhestelle ausgesucht hat. Lange kann ich nicht verweilen und schwelgen, es fängt an zu regnen. Und wie, Hagel mischt sich mit dem Starkregen. Es gibt hier nichts zum unterstellen, ausser, hinter mir die Kapelle. Die Holztür ist angelehnt. Zögernd, mit einem lauten Knarren, öffne ich langsam die Tür. Bei solchen Aktionen habe ich immer die Befürchtung hinter der Tür verbirgt sich etwas, etwas das ich jetzt aufschrecke, eine kläffende Bestie, eine Schlange oder auch nur einen Bergeremit. Es regnet so stark, das mir die Entscheidung leicht gemacht wird. Ich trete in die alten Gemäuer ein. Heiligenbilder hängen an der Wand, Kerzenhalter, ein Ständer, hier kommen offensichtlich immer wieder mal Menschen vorbei. Ich schliesse ein wenig die Tür, aber nicht ganz, sonst ist es duster. Nach 10 Minuten ist der Schauer vorbei, und ich begebe mich auf den Rückweg, bevor es wieder anfängt.

Die Asche wurde in der Nähe unter einem Olivenbaum vergraben.

Ruhe sanft, weitgereister Nomade....

Mittwoch, 25. Januar 2012

Bericht aus dem Winterquartier

Nach rund 6 Wochen Aufenthalt in meinem gemütlichen Winterquartier hier auf der Mani, dachte ich mir, es wird Zeit für einen Bericht, wie ich hier meine Zeit verbringe und es mir so ergeht.

Morgens stehe ich zwischen 7 und 7.30 auf. Mein Tag beginnt auf dem Sitzkissen mit einer halben Stunde Meditation. Danach setze ich mich an den kleinen Rundtisch in meinem Häuschen, und beginne eine andere Art der Meditation. Ich schlage ein liniertes Schulheft auf und fange an zu schreiben. Alles was gerade in meinem Bewußtsein herumfliegt, egal was, wird niedergeschrieben, zwei bis drei Seiten lang. Das dauert ungefähr eine weitere halbe Stunde und nennt sich Morgenseiten. Eine sehr empfehlenswerte Technik aus dem Buch „Der Weg des Künstlers“, egal ob man mit Schreiben etwas am Hut hat oder nicht.

Nach diesen unterschiedlichen Arten der Meditation, fühle ich mich aufgeräumt und sortiert, und kann den Tag beginnen. Nun erfolgt mein Frühstück. Nahrhaft und gesund soll es sein und dazu nicht allzu teuer. Ich glaube mittlerweile bin ich ein Meister darin, sich mit geringem finanziellen Aufwand gut und ausreichend zu ernähren. Während der Tour hatte ich darin ja genug Übung. So koche ich mir meinen Tee, schwarz oder grün, dazu gekochte Haferflocken mit Äpfel oder Bananen und zwei Scheiben Toast mit einem feinen Aufstrich Nuss-Nougat-Creme. Ich setze mich an meinen Tisch, mit Blick zum Fenster und genieße meine erste Mahlzeit des Tages. Die sonst obligatorische Zeitungslektüre am Morgen brauche ich hier nicht, auch wenn ich gelegentlich eine deutsche Zeitung von meiner Nachbarin bekomme. Der Ausblick auf das metallisch schimmernde Meer und dem blauem Horizont, ersetzt eine Zeitung voll und ganz.

Wenn die Toastscheiben verspeist sind, ich ein paar Schlücke Tee getrunken, und von meinen Haferbrei genascht habe, geht’s an die morgendliche Arbeit. Dafür brauche ich noch nicht einmal den Platz zu wechseln, diese Art von Arbeit kann ich direkt hier am Tisch erledigen. Ich schlage mein Arbeitsheft auf und beginne mit den wöchentlichen Aufgaben und Übungen aus dem „Künstlerbuch“. Bis 11 Uhr habe ich dafür Zeit, so habe ich es mit meiner Gastgeberin vereinbart.



Ab 11 Uhr beginnt dann der zweite grosse Abschnitt des Tages, und mein Anteil des Gebens, dafür, dass ich hier in diesem wunderbaren Haus wohnen darf. Wir haben uns hier auf ein Tauschmodell verständigt, oder anders, ein Gib- und Nimm Modell. Dieser Anteil besteht hauptsächlich aus Tätigkeiten im Bereich des Gartens. Da gibt es einiges zu pflegen und zu tun, in diesem riesigen,trassenförmig angelegten Hain, mit Olivenbäumen, Kräutern und einer großen Anzahl von Blumen: Unkraut jäten, aufräumen, fegen, Bäume schneiden, Äste hexeln.
Zwischen 12.30 und 13.00 gehe ich in mein Haus, und bereite mir mein Mittagsmahl. Nach einer halben Stunde geht es dann meist weiter. Gegen 16 Uhr habe ich „Feierabend“. Danach beginnt wieder meine Zeit. Diese verbringe ich mit Lesen, schreiben, Wandern, spazieren gehen, malen, spielen und Gesprächen über "Gott und die Welt" mit meinen Gastgebern und meiner Nachbarin, die auch eine Deutsche ist. Ab und an koche ich was leckeres für alle, gehe einkaufen, fahr den Müll weg oder gehe mit den Hunden raus. Sonntags habe ich meistens „frei“, einen ganzen Tag für mich, den ich gerne für ausgiebige Tagesausflüge nutze. Abgerundet wird dieses ganze Programm durch gelegentliches Weggehen in urige Tavernen, mit traditionellen Essen und ein oder zwei Gläschen griechischen Weins.

Ich glaube, nach 6 Wochen kann ich aus vollster Überzeugung sagen, diese Zeit hier ist in vielerlei Hinsicht eine Bereicherung für mich. Ja, ich behaupte sogar, hier findet ein entscheidender Entwicklungs- und Entfaltungsprozess für meine nahe Zukunft statt.

Auch diese Zeit nähert sich langsam, aber stetig, ihrem Ende entgegen. Es gibt neue Pläne und Ideen. In erster Linie geht es zunächst einmal um meine Rückreise nach Deutschland. Das war eigentlich immer klar, nach Griechenland geht es zurück, ein Neuanfang.Viele unterschiedliche Varianten gingen mir diesbezüglich in den vergangenen Wochen durch den Kopf. Nun wird eine davon immer konkreter. Mehr dazu zur gegebenen Zeit, wenn ich meine Planungen abgeschlossen habe. Aber, soviel kann ich jetzt schon sagen, es soll in den Kontext und das Anliegen der gesamten Tour passen. Der erneute Aufbruch, zum passenden Abschluss dieser Way of Living – Tour, soll in 4-6 Wochen beginnen.




Bis dahin genieße und nutze ich noch die verbleibende Zeit in diesem Kleinod der Inspiration und des spirituellen Wachstums.
Ich fühle mich derzeit sehr leicht und gelassen, habe ich das schon gesagt? Grüße aus der Sonne und der Leichtigkeit.


Sonntag, 11. Dezember 2011

Unterwegs in die Sonne



Wer vertraut, den behütet das Schicksal!
Unbekannt


Und so, nach einigem Hin und Her, fielen irgendwann die Würfel. Ich spürte, das ich in Bewegung bleiben musste, um in Gleichgewicht zu bleiben! Das finanzielle war das eine, das andere war mein gewonnener Gleichmut, meine spürbar zunehmende Gelassenheit gegenüber vielen vermeintlichen Problemen des Alltags, die ich während des Reisens immer wieder erfahre.
Das Reisen lehrt mich, die Dinge so zu akzeptieren wie sind sie, oder wie sie kommen. Die neuen Umstände und Menschen auf die ich immer wieder treffe, sind meine Lehrer. Ob der schweißtreibende Anstieg hinter der nächsten Kurve, ein kläffender Hund von der Seite oder eine Regenfront auf die ich zufahre, all dies kann ich nicht ändern, das sie auf meinem Weg liegen, und so bleibt mir nur es anzunehmen, wenigstens es zu versuchen, obgleich ich immer wieder fluche, schimpfe oder schreie, raus damit, weg damit, fertig damit.

Eine Rückkehr nach Deutschland, in Kälte, Regen, Dunkelheit, in zunehmenden Schwermut, in Verpflichtungen, in Sorgen, Langeweile, Tristestes, Papierkram, Routine, Dorfgetratsche, Belanglosem, Gehetze, Spott, Intrigen, Lügen, Stress, Hektik, Fußballbundesliga und Bauer sucht Frau, ja irgendwann kommt das wieder, werde ich mich dem allen Stellen müssen, aber noch nicht jetzt, noch habe ich einen kleinen Spielraum, Zeit mich zu wappnen, ein Schutzpolster aufzubauen aus Freude, Gelassenheit, Inspiration und Vertrauen, mich hier in Südeuropa vollzusaugen, mit Sonne und Leichtigkeit, um dann genug Reserven zu haben für diese Zeit.

Und so fiel von diesen drei genannten Optionen schon mal eine raus. Blieben noch Weiterreisen mit dem Rad, oder auf die Mani reisen, was auch kleine Reise mit dem Rad bedeuten würde. Mit Burgi, der Österreicherin, die wie erwähnt, ein traumhaft gelegenes Seminarzentrum betreibt, hatte ich schon seit einigen Tagen regen Emailkontakt. Sie lud mich ausdrücklich dazu ein, zu ihr zu kommen, um bei Ihr viel Freude und Inspiration zu erhalten, für meine kreativen und schriftstellerischen Prozesse. Nach einem Telefonat in meiner letzten Woche auf Corfu, indem Sie mich noch einmal ermutigte und mir einige Vorteile nannte, war für mich eine Vorentscheidung gefallen. Ich schlief noch mal eine Nacht darüber, und dann war es klar, ich werde auf die Mani in Südgriechenland fahren. Während des Telefonats, ergab sich nämlich auch eine günstige Möglichkeit, wie ich von dort aus nach Deutschland zurückkehren könnte. Das war unter Berücksichtigung aller momentan Aspekte, das beste „Gesamtpaket“.

Eine Weiterreise mit dem Rad durch Griechenland, auf eigene Faust, mit unbekanntem Ziel, ohne laufendem Einkommen und unbekannter finanzieller Zukunft, wäre einfach mit zu vielen Ungewissheiten verbunden gewesen. Auf der Mani gibt es ein paar Fixpunkte, eine Art Gib und Nimm Modell, deutschsprachige Bücher und viel Austausch auf spiritueller Ebene. Das alles, zusätzlich zu der Ruhe, Zurückgezogenheit, dem wärmenden Licht, dem atemberaubenden Ausblick und dem preisgekrönten biologischen Mani Olivenöl, gaben den Ausschlag für diese Option.

Nun da es klar war, galt es diesen „Kurztrip“ zu organisieren. Als erstes galt es herauszufinden, wie ich von Igoumentitsa, dem Fährhafen auf dem Festland, nach Patras komme, der grossen Stadt im Norden der Peloponnes. Apostolos und seine Frau telefonierten stundenlang bei den Fährlinien herum, ich fuhr selbst noch mal in die Stadt zu zwei verschiedenen Reisebüros, wir konnten es selbst nicht verstehen, aber es gab tatsächlich keine Fährverbindung mehr, zwischen Igoumentitsa und Patras.
Die Strecke mit dem Rad zu fahren, war von vornherein ausgeschlossen, da ich schon die rund 260 KM von Patras bis Kalamata mit dem Rad zurück legen musste, und von da aus noch mal 50 Km bis zu dem Haus von Burgi.
Kurze Zeit dachte ich schon, das wars mit der Mani, doch dann brachte mich Apostolos auf die Möglichkeit mit dem Bus zu reisen. Und tatsächlich, es gab eine Verbindung von Korfu-Stadt bis nach Patras.

Und so stand ich dann am Samstag Mittag, nach einem Abschiedsessen am Vorabend und einer herzlichen Verabschiedung am Morgen, am Busbahnhof von Korfu vor einem grossen Reisebus, und hielt die Luft an, ob ich mein Rad und die 5 Packtaschen dort hinein bekommen würde. Gestern holte ich mich schon mein Ticket, und zahlte für das Rad 10€ extra. Also wird der mich mitnehmen, irgendwie, darauf würde ich schon bestehen!
Als dann endlich der Busfahrer kam, und die Klappe öffnete, sah ich sofort, das passt. Ein Stein fiel vom Herzen. Aber der Busfahrer, ein älterer Typ in den Fünfzigern und mit Schnauzer, schaute auf mein Rad und wackelte mit dem Zeigefinger, geht’s noch? Ich habe dafür bezahlt, und es fahren nur 10 Leute mit, also genug Platz für alle? Ein junger Grieche, der für das Gepäck verantwortlich ist, spricht mit dem störrischem Kerl, und nach einigen Sätzen wird mein Rad verladen.

Mein Rad und das Gepäck sind verstaut, ich sitze auf meinem Platz, es kann losgehen. Zuerst geht es natürlich auf die Fähre von Korfu nach Igoumentitsa, 90 Minuten Zeit um mich von der Insel zu verabschieden, von der ich nicht viel gesehen habe, was ich aber irgendwann bestimmt nachholen werde.

Die Busfahrt verläuft ruhig, das einzig störende war eine lautstarke Auseinandersetzung mit dem bockigen Kerl mit Schnauzer und einer Frau, die fast in einer Handgreiflichkeit endete.
Gegen Acht kamen wir in Rio an, eine Stadt, 10 km vor Patras. Zelten war hier ausgeschlossen, außerdem wird es auch hier nun nachts empfindlich kalt. Hostels gab es keine, also musste ich in ein Hotel.

Die 260 km bis Kalamata bewältigte ich in 3 Tagen, die relativ ereignislos verliefen. Es galt Strecke zu machen, immer rechts am Straßenrand entlang der Hauptstrasse. Diesmal war nicht der Weg das Ziel, sonder so schnell wie möglich in Kalamata anzukommen. Auch die nächsten 2 Übernachtungen, verbrachte ich im Hotel, zweimal bekam ich wieder Nachlass, nachdem ich meine mittlerweile geübte, „armer Tourenradler-Story“ herunterließ. Auch wenn es mein klammes Budget noch weiter auszerrte, aber ich war einfach müde vom wilden zelten, und hier gab es auch wieder das „Hundeproblem“. Zweimal liefen mir wieder welche von Grundstücken hinterher, ich bin es echt leid, da sehe ich sie fast schon lieber auf der Strasse, als verweste Kadaver, im Durchschnitt alle 100 Meter.

Mein Ausblick

Am Dienstag, an Nikolaus, erreichte ich dann endlich Kalamata, die grosse Stadt im Süden der Peloponnes. Von hier aus waren es noch rund 50 km bis zu dem Haus von Burgi. Diese hatten es aber in sich, brutal lange Anstiege, ein ständiges Auf und Ab, das hatte ich noch in guter Erinnerung vom letzten Jahr.

So erfuhr ich von Burgi, das es einen Überlandbus gab, den ich dann auch nahm. Wieder Luft anhalten, wieder ging die Klappe zu, und mein Rad war drin.
Gegen acht erreichten wir in Stoupa die Haltestelle, von wo aus die strahlende Burgi mich mit ihrem Kombi abholte, um die letzten Kilometer zu Ihrem wunderbaren Seminarhaus zurückzulegen, bevor ich dann endlich mit einem Ausblick wie im Bilderbuch belohnt werde.


Mein Morgentee

Und so wache ich nun seit 5 Tagen jeden Morgen in meinem auf Feng Shui ausgerichteten Häuschen auf, gehe von meinem Coco-Mat-Bett zu meinem Sitzkissen um 30 Minuten zu meditieren, ziehe danach die Vorhänge auf, mache mir mein Frühstück, schaue dabei aufs Meer, und spüre wie mir dabei das Herz aufgeht.
Vormittags habe ich Zeit für mich, zum schreiben, lesen, inspirieren, mache mir dann mein Mittagessen, gehe raus in den Garten und arbeite ein paar Stunden. Abends dann ein wenig plaudern über Gott und die Welt, Sitzkissen, Coco-Mat-Bett, schlafen, träumen, ein neuer Tag im Paradies.

Ja ich fühle mich wohl hier, und das jeden Tag mehr. Die Umständen und Bedingungen könnten nicht besser sein, und so geniesse ich diese Zeit, der Erholung, der Regeneration, des Austauschs und der Inspiration, nach all den Wochen der Entbehrungen und Arbeit.
Burgi bietet für die ruhigeren Wintermonate ein spezielles Arrangement zum wohnen und leben an, freut sich immer über nette Gesellschaft und so bin ich herzlich eingeladen, den ganzen Winter in diesem herrlichem Ambiente zu bleiben.

Ob ich so lange bleibe? Wer weiß, vielleicht, ich versuche meinem Herzen zu folgen, und damit meinem Schicksal! Und...,auch wenn ich momentan nicht mehr körperlich reise, so bleibt nun mehr Raum für „geistige Reisen“, und an denen möchte ich euch in gewohnter Form teilhaben lassen.Keep on watching!

In diesem Sinne, wünsche ich all meinen Lesern eine besinnliche und schöne Vorweihnachtszeit!


Nicht den Tod sollte man fürchten, sondern das man nie beginnen wird zu leben.
Marcus Aurelius

Sonntag, 4. Dezember 2011

Abschied von Korfu



Die besten Dinge im Leben sind nicht die, die man für Geld bekommt
Albert Einstein


3 Wochen, länger als gedacht, länger als einmal geplant. Am Samstag verließ die entstehende Bio-Farm von Apostolos, seiner Familie und seinen Tieren. Es waren drei aufregende, anstrengende, und lehrreiche Wochen. In vielerlei Hinsicht. Eine intensive Erfahrung mehr, einmal mehr, für die ich dankbar bin.

Und wieder einmal war es spannend, was man alles für interessante, aber auch verrückte Leute kennenlernt. Während meines Aufenthalts auf der Insel, lernte ich drei Deutsche kennen. Ein junger Koch aus Hamburg, der den gleichen Vornamen trägt wie ich, und nach einigen Umbrüchen in seinem Leben, kurzentschlossen einfach nach Griechenland durchstartete, und auf Korfu in einem Bio-Restaurant nun die Küche schmeißt, mit Talent und Kreativität seinen Beruf(ung) ausfüllt, was man sofort schmecken konnte. Er versteht was von seinem Handwerk, und so war es für mich eine Bereicherung, einmal mit Ihm zusammen, ein Abendessen für meine griechische Gastfamilie zu kochen. Dann lernte ich noch zwei weitere Deutsche kennen, die aus dem östlichen Teil unserer Republik stammen, und auf Korfu den Winter verbringen wollen. Sie haben mir zwar ausschweifend und mit Begeisterung aus Ihrem Leben, von Ihren Erfolgen und Misserfolgen, und Ihren zukünftigen Ideen erzählt, aber eigentlich weiß ich nichts über die beiden, da ich bis heute nicht weiss, was war real und was entsprang einer blühenden Phantasie?! Nach einigen Gesprächen, tendiere ich eher zur zweiten Annahme, aber eigentlich ist das auch egal, es bleibt der Eindruck einer weiteren, skurrilen Reisebekanntschaft.

Am ersten Tag unseres Kennenlernens, als wir über die Arbeitszeiten und Pflichten sprachen, hieß es, 25 Stunden die Woche, dafür eine Mahlzeit am Tag, und natürlich das Wohnen. Die 25 Stunden hatte ich an manchen Tagen, innerhalb von 3 Tagen erreicht! Es herrschte ein gewisser Zeitdruck, die Oliven waren noch grün, also besonders frisch, und mussten so schnell wie möglich abgeerntet werden. Sie bestimmten die Arbeitstage.

So war es meistens 18 oder 19 Uhr, manchmal auch später, bis wir wieder nach Hause kamen. Das Abendessen gab es dann aber noch nicht. Das musste natürlich erst gekocht werden, was auch noch zu Apostolos täglichen Programm gehörte. Vorher verbrachte er aber zuerst mal die erste freie Zeit des Tages mit seinem Sohn, füttern, baden, ins Bett bringen. Familienvater halt, ganz klar und verständlich. Es gibt bei so einem Alltag, eine Rangfolge, oder Abfolge, und mein Bedürfnis nach Essen, Erholung, Schlafen, steht dann eher weiter hinten an. Verständlich, auch für mich, zumindest die ersten Tage. Nachdem all die täglichen Pflichten erledigt waren, gab es dann das Abendessen, meist nach 21 Uhr. Essen, ein wenig quatschen, bis die Müdigkeit überhand nahm, und ich mich dann in Richtung meines Hauses bewegte. Die Uhr zeigte dann meistens schon 23.00 an.
So stellte sich bei mir, nach einigen Tagen eine chronische Müdigkeit ein, und in der letzten Woche auch eine gewisse Unlust.Freie Tage waren meist nur die Sonntage. Ehrlich wie ich bin, thematisierte ich dies gegenüber Apostolos, nur mit der Bemerkung das ich nach 2,5 Wochen müde von der Arbeit bin. Dies führte dann zu einer lebhaften Diskussion, die einige Missverständnisse der letzten Wochen aufdeckte. Das ganze zeigte mir ganz klar, es wurde Zeit zum weiterziehen, ich fühlte mich nicht mehr ausgeglichen.

Und so machte ich mir schon seit einigen Tagen Gedanken, wie es nach meiner Zeit auf Korfu weitergehen könnte. Vor allem spürte ich , ich brauche wieder mehr Raum und Zeit für mich, Ruhe, Inspiration und wieder mehr Eigenständigkeit, was die Einteilung des Tages betrifft.
Ich musste aber auch den Tatsachen ins Auge sehen, vor allem den finanziellen, und das bedeutete momentan, das mein Handlungsspielraum relativ begrenzt ist.

Und so kamen nach Berücksichtigung aller derzeitigen Umstände, Angebote und Möglichkeiten, drei Handlungsoptionen heraus:

- Zurück nach Deutschland, was nichts anderes bedeutet, als bei Null anzufangen, und mir die Vision Schreiben + Reisen aufzubauen. Die lange, und teure Rückreise würde per Fähre und Zug erfolgen.

- Mit dem Rad weiterfahren, weiter Richtung Südgriechenland, evtl. bis nach Istanbul, über verschiedene Inseln „hüpfen“, und so den Winter verbringen. Unterwegs versuchen einige Artikel über das „Krisenland“ an Zeitungen zu verkaufen. Was aber auch einiges an Kosten bedeutet, Verpflegung, Unterkunft, Fähren und wir somit gleich wieder bei dem finanziellen Rahmen wären.

- Last but not least, eine Möglichkeit die sich erst während der Tour ergeben hat, mehr ein Angebot. Eine nette Österreicherin, die ganz im Süden von den Peloponnes (Mani) ein Seminarhaus betreibt, und dich ich letztes Jahr während des Schreibworkshops, der bei Ihr stattfand, kennengelernt habe, hat mich eingeladen zu Ihr zu kommen, und während des Winters in einem Ihrer wunderschönen Ferienhäuschen zu wohnen, gegen eine kleine Kostenpauschale und einige Stunden Mitarbeit am Tag.

Diese drei Optionen gingen mir in der letzten Woche meines Aufenthaltes durch den Kopf, beschäftigten mich. Die Entscheidung die ich treffen würde, wäre nicht einfach eine Entscheidung, was kaufe ich morgen ein, sondern hätte schon eine richtungsweisende Wirkung für meine Zukunft, eine Positionierung für mein neues (berufliches) Leben. Und so machte ich es mir nicht leicht, ich versuchte meiner inneren Stimme zu folgen, wie so oft in der Vergangenheit, aber auch wie so oft, ist diese manchmal von „rationalem Ballast“ blockiert.

Am Samstag war dann die grosse Verabschiedungsrunde, bevor ich auf die Fähre ging. Danke Apostolos, Christina, Myrto, Morten, Oli, Graham, Costa und Tekkla für die gemeinsame Zeit, das Lachen, die Arbeit und die Gespräche. Ihr werdet mir in lebhafter Erinnerung bleiben!
Und nun..?? Wo hat es mich hinverschlagen? Tja, bleibt dran, mehr dazu in den nächsten Tagen...

Samstag, 26. November 2011

Schüttelfrost, kalt gepresstes Olivenöl und das Knistern des Kaminfeuers



"Leben ist, was uns zustößt, während wir uns etwas ganz anderes vorgenommen haben"
Henry Miller




Am nächsten Tag, genau am 60. meiner Reise, verließ ich Korfu Stadt in Richtung Norden der Insel. Ich hatte nun alles was ich brauchte, eine Karte von der ganzen Insel, und Infos. Mir wurde empfohlen, in den Dörfern in der Inselmitte zur Mithilfe bei der Ernte zu fragen.

Auf meiner Fahrt aus der Stadt, traf ich am Hafen einen belgischen Tourenradler. Er kam gerade mit der Fähre vom Festland, und wollte heute noch weiter an Albanien. Das rief gerade zu nach Erfahrungsaustausch, und so gab es bei einer Cola genug zu erzählen. Er ist in meinem Alter, hat sich ein Jahr Auszeit genommen (nach der er aber nicht zurückkehren will), will mit dem Rad und dann als Backpacker die Welt erkunden. Am Ende frage ich ihn nach seinen Bewegründen für das Reisen:
“ Im normalen Alltag ist jeder Tag der selbe, wie sagt man, no Suprise!“

12 Km nach Korfu Stadt steuerte ich in Kontokali den Campingplatz an. Natürlich war der schon geschlossen, aber wie so oft in den vergangenen Wochen, lebt der Besitzer auf dem Platz, und so konnte ich einmal mehr, kostenfrei auf einen Campingplatz übernachten. Natürlich fragte ich ihn gleich nach Tipps oder Empfehlungen, bei wem ich wegen der Olivenernte nachfragen könnte. Er nannte mir den Namen einer Ferienanlange die, wie er meinte, alternativen Tourismus anbietet.

Am nächsten Tag stehe ich auf dem Gelände dieses Alternativtourismus, eine Casa, die als Alternative zu Einheitszimmern und Speisesall, stilvolle Appartaments und Häuschen in einer ruhigen Umgebung anbietet. Eine Engländerin, die seit 25 Jahren hier lebt, betreibt dieses Kleinod der Ruhe und Besinnung. Wir sind uns sofort sympathisch und bei einer Tasse Tee, erzähle ich ihr meine Geschichte von der Idee bis zur Umsetzung dieser Radtour. Sie ist sofort begeistert und möchte mich bei meiner Suche nach einer Unterkunft unterstützen. Sie schreibt mir mehrere Telefonnummern auf, darunter auch die eines Griechen, der in der Nähe ein grosses Grundstück mit vielen Olivenbäumen hat. So weit Sie weiß, möchte er in den nächsten Tagen mit der Ernte beginnen. Zusätzlich möchte Sie einen Rundbrief an einige Leute aus Ihrem Bekanntenkreis verschicken, und mich darin kurz vorstellen. Grandios.

Während meiner Fahrt zurück zum Campingplatz in Kontokali, merke ich, das ich krank werde. Während so eines Trips, lernt man sich und seinen Körper genau kennen. Ich fühle mich geschwächt. Letzte Nacht, habe ich mein erstes schweres Gewitter auf Korfu erlebt. Es hat so laut gedonnert, das ich aus dem Zelt geschlüpft bin, und unter einem Vordach verharrte, bis der sintflutartige Regen und das Donnern nachliessen. Das brauche ich heute nicht noch einmal, und so entscheide ich mich, mein Zelt hier abzubrechen, und in ein Hostel zu gehen. Mein Körper gibt mir ganz klar das Signal, nach Ruhe, Erholung und einer warmen Behausung.

Den Ort und den Namen des Hostels, hatte ich mir noch schnell in Albanien aus dem Internet geholt, um für alle Fälle gewappnet zu sein. Wenn der Preis aus dem Internet stimmt, wäre das ein echtes Schnäppchen, vorausgesetzt es hat noch geöffnet, was bei Hostels um diese Jahreszeit nicht selbstverständlich ist. Das Hostel liegt in Ipsos, einem Touristenort direkt am Meer, der um diese Jahreszeit wie ausgestorben ist. Ohne Erfolg frage ich zwei Einheimische, und so versuche ich alleine den Weg zu finden. Der Ort ist nicht gross, und so stehe ich einige Minuten später vor dem Hostel. Der Anblick von aussen verspricht nichts gutes. Das mehrstöckige Haus sieht ziemlich geschlossen aus. Trotzdem betrete ich über eine Treppe das Hostel, und befinde mich in einem offenem Vorraum, links und rechts die Zimmer mit individuellen Namen. Niemand zu sehen, weder zu hören. Ich mache mich bemerkbar, und rufe ein paar Mal. Und plötzlich, höre ich wie sich die Tür von einem Zimmer öffnet. Ein freundliches Gesicht einer jungen Neuseeländerin erscheint im Türrahmen. Sie erklärt mir das der Besitzer nicht hier wohnt, er aber seine Handynummer an der Pinnwand hinterlassen hat. Sie meint der Preis wäre um die 10 € für eine Nacht. Prima. Fünf Minuten später habe ich den Betreiber am Ohr, er erklärt mir, das Zimmer Nr. 10 geöffnet sei, ich sollte hineingehen und er würde dann heute abend zum bezahlen kommen. Wieder einmal hat letztendlich alles geklappt. Das Zimmer ist eher ein Appartment mit Küchenzeile und Kühlschrank genau das was ich momentan brauche zum Erholen und Regenerieren. Als ich mich nach einer heissen Dusche auf das Bett lege, fange ich plötzlich an zu zittern. Zusätzlich glüht mein Gesicht. Schüttelfrost und Fieber. Ich packe mich in 3 Decken ein. So zittere ich mich durch die Nacht, am nächsten Morgen fühle ich mich richtig elend.

Ich hole mir Medikamente, verlängere meinen Aufenthalt um eine Nacht, kaufe viel Obst und Lebensmittel, und gönne mir viel Ruhe. Mit der Neuseeländerin, die als Backpackerin durch Europa reist, habe ich viele interessante Gespräche, beim Abschied tauschen wir die Emailadressen, wieder ein Kontakt mehr in der Welt, und eine Einladung, falls es mich einmal dahin verschlägt.

Am nächsten Tag rufe ich den Griechen an, der mir von der Casa empfohlen wurde. Er hat schon auf meinen Anruf gewartet, ja er möchte am Montag mit der Ernte beginnen , und sucht händeringend noch Leute dafür. Als Gegenleistung kann er mir eine kostenfreie Unterkunft und eine warme Mahlzeit am Tag anbieten. Hört sich sehr gut an, ich erkläre ihm das ich noch ein wenig krank bin, und erst morgen zu ihm kommen kann.

Der nächste Morgen, fühlt sich schon viel besser an, und so lerne an einem Samstag im November, vier Tage nach meiner Ankunft auf der Insel, Apostolos kennen, ein junger Grieche in den dreißigern, der mit seiner Freundin und seinem kleinen Sohn, von Paris nach Korfu zurückgekehrt ist, und nun versucht auf dem riesigen Grundstück einer alten Olivenpresse, eine organische Farm aufzubauen, mit dem Anbau von Gemüse, Orangen, Zitronen und dem Herstellen von biologischen Olivenöl. Alle zwei Jahre können die rund 200 Bäume abgeerntet und beschnitten werden, dieses Jahr ist es wieder soweit.Und so fanden zwei Leute zur rechten Zeit und zum rechten Ort zusammen.

Seit zwei Wochen bin ich nun bei der Ernte dabei. Es ist harte Arbeit keine Frage. Die Oliven müssen so schnell wie möglich vom Baum, da sie momentan noch grün sind, was heißt, sie reifen noch weiter bis sie dunkel werden. In dem jetzigen Zustand sind sie aber besonders frisch, und das gewonnene Öl bekommt einen besonderen Geschmack, bitter und ein wenig scharf. Beides ist ein Zeichen für eine gute Qualität, soviel habe ich schon gelernt, und auch schon geschmeckt

Jeden Morgen geht es um acht Uhr in den Hain, mit den anderen Arbeitern aus dem Dorf. Die Bäume werden mit der Motorsäge freigeschnitten, auf dem Boden liegen Netze, auf denen die Oliven gesammelt werden. Mit einem Stock oder einem Handrechen werden die Oliven von den Ästen geholt. Danach geht es in ein Nonnenkloster hier auf Korfu, wo das Öl in Form eine Kalt Pressung gewonnen wird. Zuerst werden sie gesäubert und gewaschen, dann zu einer Pesto ähnlichen Paste zermahlen. Diese wird auf perforierte Platten gegeben und anschließend auf den Stahlzylinder der mechanischen Presse gestapelt. Bei 400 Bar wird langsam aus der Masse eine ölig-wässrig Flüssigkeit herausgepresst.

Dies ist aber noch kein Öl! Die Flüssigkeit wird in Eimern aufgefangen und kommt anschliessend in den 120 Liter Tank eines Abscheiders, der das Wasser von dem Öl trennt. Nach rund 3 Stunden Wartezeit, wird über einen Schlauch das nun reine Öl in einem Plastikkanister aufgefangen.
Frischer und biologischer geht es wohl nicht, und Apsotolos hat mir versichert, das wegen des hohen Aufwandes kaum einer mehr Öl in diesem Verfahren herstellt. Zeit ist Geld!

Ich habe das hier mal ausführlich beschrieben, damit man nachvollziehen kann, wieviel Arbeit es ist, einen Liter Öl in diesem Verfahren zu gewinnen. Das Verhältnis ist 1:10, also 10 Kg Oliven für 1 Liter Öl! Mittlerweile habe ich jeden einzelnen Schritt, vom Baum bis zum Öl, auch selbst durchgeführt.Einst ist jetzt schon klar, kalt gepresstes Olivenöl werde ich in Zukunft noch höher wertschätzen, als ich es ohnehin schon gemacht habe.

Als Gegenleistung für diese täglichen, mehrstündigen Einsatz, darf ich ganz alleine ein alters Bauernhaus mit Kamin bewohnen, bekomme alle Mahlzeiten gestellt, und kann jederzeit meine Wünsche und Gelüste auf Lebensmittel an seine Frau weitergeben.
Trotz des harten Jobs, eine gute Gelegenheit, verlorene Pfunde und Kraft wieder aufznehmen. Ich geniesse das tägliche draussen sein mit der angenehmen Novembersonne, die traditionelle griechische Küche (viel Bohnen,Linsen, kein Gyros und Bifteki, das ist hier Fastfood), und das knistern des Kaminfeuers am Abend.

Nun sind zwei Wochen rum, und auch diese Zeit nähert sich ihrem Ende. Die grosse Frage ist nun, wie geht es weiter nach meinem Aufenthalt auf Korfu? Ideen und Möglichkeiten gibt es, und gerade bin ich dabei diese auszuloten. Es ist alles dabei, es bleibt spannend, keep on watching.

Freitag, 18. November 2011

Alles was einen Anfang hat, hat auch ein Ende

Gesamt-Km: 3.104

Tag 59

Nach 59 Tagen, 3.104 gefahrenen Kilometern und sechs durchreisten Ländern, erreiche ich am 08.11.2011 gegen 13.30 MEZ mit dem Schnellboot Korfu.

Ich habe es geschafft, und bin geschafft, für Luftsprünge bin ich viel zu müde. Vor mir am Zoll steht eine ganze Traube Albaner, die es kaum erwarten konnten, aus dem Boot zu kommen. Ich bin der letzte in der Schlange. Der Zöllner macht mal wieder den berühmten „Fahrzeugscheinwitz“, aber alles ganz locker, er geht mit mir nach draussen, und zeigt mir wie ich in die Stadt komme
.
Endlich wieder „europäischen Boden“ unter den Füssen, ich fühle mich gleich ganz anders. Aber hier ist ja nicht irgendwo in Europa, hier ist das Land auf das momentan die ganze Welt schaut. Das bekomme ich gleich im Hafen zu spüren, als ich zwei Griechen frage, ob Sie ein Foto von mir und meiner Ankunft machen können. Als sie erfahren, dass ich aus Deutschland komme, höre ich irgendwelche griechischen Sätze, und mehrmals den Namen „Merkel“.

Ich fahre in die Altstadt, und gönne mir zuerst einmal ein Willkommens-Menü, welches aus Pommes, Fetakäse, Brot und einer Fanta besteht. Dann möchte ich zur Tourist-Info, die aber schon geschlossen hat. Ich klappere einige Hotels ab, die aber alle für mein Budget zu teuern sind. Nein, auch nicht zu Feier des Tages, möchte ich 40 Euro für ein Zimmer ohne Frühstück ausgeben. Einen Campingplatz gibt es in der Stadt nicht, nur einige Kilometer ausserhalb, und ob der noch geöffnet ist, konnte mir auch keiner sagen. Ich fahre durch die Strassen, frage nach Privatzimmern, nichts zu finden.

Tja, ich wollte es ja so, ankommen mit nichts in der Hand, und relaxt bleiben. Schließlich, als es schon dämmert, fahre ich zum Hafen, sehe in einem geschlossenen Restaurant Licht, frage den Besitzer der gerade am aufräumen ist, ob ich eine Nacht auf seinen Spielplatz übernachten kann. Kein Problem, und so verbringe ich meine erste Nacht auf Korfu, zwischen einer Schaukel und einem Karussell. Abends setze ich mich an den Hafen, schaue den Anglern zu, lasse die Atmosphäre auf mich wirken. Morgen früh werde ich gleich die Tourist-Info ansteuern, um Infos zu erhalten.
Ich möchte nicht gleich wieder hier abreisen, sondern ein paar Tage, oder sogar Wochen bleiben. Ein Zimmer mit Verpflegung finden, das ich gegen Mitarbeit bekomme. Die Olivenernte steht an. Das ist mein Plan. Inwieweit er aufgeht, wird sich morgen zeigen, ein neuer Tag, eine neue Chance.

Zum Abschluss dieser Reise möchte ich ein letzte Mal Claude Marthaler zu Wort kommen lassen.

„Unser Charakter zeigt sich auf Reisen, in unvorhergesehenen oder schwierigen Situationen, wo die üblichen Bezugspunkte fehlen, besonders deutlich. „

„Unterwegs gibt es wohl mehr Unvorhergesehenes als bei einem sesshaften Dasein, aber meistens wird der Tagesablauf bestimmt durch die menschlichen Grundbedürfnisse: Essen, Trinken und Schlafen. Dieses spartanische Leben, oft so reich an Begegnungen und Entdeckungen, entspricht meinem Naturell und meinen Wertvorstellungen.“

Besser hätte ich es nicht beschreiben können...




Tag 58

Die Hotelbesitzerin ist richtig traurig, als ich Ihr am Morgen mitteile, das ich heute auschecken werde. Grundsätzlich war es sehr schön hier, aber ich merke nun ganz deutlich, wie ich nach 2 Monaten auf dem Rad nur eines will: Ankommen.
Sie bedankt sich tausend mal für den Excel Grundkurs, ich gebe ihr meine Email und Blogadresse.

Die Reise nähert sich dem Ende, das ist klar. Bis nach Saranda sind es ca. 60 km. Von da aus noch einmal 70 km bis nach Igoumentitsa, der Fährhafen in Griechenland. Gestern fand ich heraus, das es eine Verbindung von Saranda nach Korfu gibt, mit dem Schnellboot.
Eigentlich habe ich gestern abend schon darüber nachgedacht, und mich entschieden. Wenn das mit dem Fahrrad geht, nehme ich das Schnellboot. Wenn ich bis Igoumenitsa fahre, werde ich wohl noch einmal dort übernachten müssen. Aber vor allem bin ich müde. Und schlecht gelaunt. Die fast zwei Monate habe gezerrt, ich habe ein paar Kilo abgenommen. Mein Körper bettelt um Ruhe, Erholung und gutes Essen. Ganz klar, dafür an anderer Stelle einiges hinzugewonnen, Erfahrungen, Disziplin und Wertschätzung, für die kleinen Dinge, die so selbstverständlichen, Essen, Trinken, vier Wände zum schlafen.

Und so gehe ich sie an, die letzten Kilometer durch Albanien, und der ganzen Tour. Die letzte Entscheidung will ich in Saranda treffen. Eine Mischung aus Wehmut und Vorfreude. Was habe ich nicht alles erlebt in diesen zwei Monaten, Krankheit, Regen, Sonne, Hunger, Kälte. Wenn ich eine sichere und feste Bleibe auf Korfu gefunden habe, werde ich das alles Revue passieren lassen, in mich hineinhören was es mit mir gemacht hat, die Strapazen, wie die Freuden, das täglich neue, das täglich Ungewisse. Und versuchen darüber zu schreiben.

Nach einigen Kilometern merke ich eine Leichtigkeit beim fahren. Es könnte jetzt eine Bombe vor mir einschlagen, oder ein Pitbull auf der Strasse stehen, ich glaube es wäre mir egal, würde einfach weiterfahren, oder eben nicht, alles ist gut, alles ist schlecht, alles ist Veränderung.

Noch einmal zähes Treten bergauf, und lässige Rollen bergab, Dörfer, Hundegebell. Kurz vor Saranda, eröffnet sich links von mir ein riesiges Tal, und absolute Stille. Ich trete langsamer, bleibe immer wieder kurz stehen, ein passender, schöner Ausklang einer Tour. Da stören sogar die riesigen Müllberge am Strassenrand nicht.

Dann rolle ich in Saranda ein. Es ist früher Nachmittag. Die Frau in der Tourist-Info ist sehr freundlich, und bemüht für mich eine günstige Unterkunft zu suchen. Die beiden Hostels in der Stadt haben geschlossen. Sie gibt mir einen Stadtplan und ein paar Hotelempfehlungen mit auf dem Weg. Ich schiebe mein Rad durch die Strassen, die Albaner begaffen mich wie einen Außerirdischen. Sie sitzen in ihren Cafes, trinken Espresso, rauchen wie die Schlote, machen Tauschgeschäfte auf der Strasse. Man merkt eindeutig einen italienischen Einfluss, nicht nur bei den Restaurants, laize faire, warum sich verrückt machen, jeden Tag 8 Stunden arbeiten. Nun kommen ja immer mehr Touristen, wie mir die Dame in der Info erzählt hat, und wie man es überall an den Betonrohbauten erkennen kann.
Sie fragte mich auch, welcher Eindruck nach sechs Tagen durchs Land nun bleibt. Unterschiedlich antwortete ich, viele Vorurteile sind gefallen, ich fühlte mich nicht unsicher oder bedroht, aber auch nicht richtig wohl. Es bleibt ein fader Geschmack zurück, die Gesichter der Alten sind verhärmt, ausdruckslos, starr, man könnte meinen, die ereignisreiche und raue Geschichte des Landes ist darin gezeichnet.

Gerade als es zu regnen anfängt, habe ich wieder ein günstige Hotel gefunden. Ich bin wohl der einzigste Gast, die Dusche ist nur lauwarm. Nun ist es klar, morgen um 12.45 geht es mit dem „Dolfin“ Schnellboot rüber nach Korfu, in 30 Minuten in ein anderes Land.

Ich habe lange überlegt, ob ich mich bei diversen Seiten im Internet anmelden soll, um vorab Kontakt mit unterschiedlichen Gastgebern auf Korfu aufzunehmen,Wwoofen, HelpExchange, es gibt einige Möglichkeiten, um was Sicheres zu haben, eine Anlaufstelle. Habe es dann aber trotzdem nicht gemacht. Durch die Erfahrungen und den Austausch mit anderen Reisenden habe ich eine gewisse Gelassenheit bekommen, ich möchte morgen auf Korfu den Tag beginnen wie die letzten Tage, mit nichts Gewissem, nichts Sicherem, kenne niemanden dort, weiß noch nicht einmal wo ich schlafen werde.
Den Dingen ihren Lauf lassen, sich entwickeln lassen, das Schicksal arbeiten lassen. Hört sich manchmal etwas großspurig an, und für manche leichtsinnig, aber so möchte ich die Reise beenden, so wie ich sie auch angefangen habe.

Dienstag, 2. November 2010

Hellas, Ouzo und ein Seminar

Es ist ja schon eine Weile her seit meinem letzten Eintrag, so wird es Zeit zu berichten was seit dem alles passiert ist. Ja es gab ein paar neue verrückte Ideen, vor allem eine, und zwar an einem Kreativ-Schreibseminar auf den Peloponnes teilzunehmen!

Mindestens genauso verrückt ist auch die Geschichte wie ich überhaupt darauf kam. OK vorweg muss man sagen, seit dem ich angefangen habe zu reisen, war mein Tagebuch immer dabei. Schon damals auf dem Jakobsweg in Spanien und bis zu meiner letzten Tour im Sommer, und so wird es auch bei allen zukünftigen Touren sein. Außerdem fasziniert mich Sprache in Form von Büchern schon seit meiner frühesten Kindheit, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich irgendwann mal den Mut und das Vertrauen aufbringen würde, herauszufinden, ob auch in mir ein Talent, eine Gabe steckt, etwas spannendes und kreatives auf ein weisses Blatt zu bekommen?!
Und diese Gelegenheit bot sich mir dann, in Form einer Email von einer Bekannten die ich letztes Jahr im Zuge von gemeinsamen Reisepläne kennenlernte. Es war eigentlich nur eine "Wie gehts, wie stehts" email, wir hatten einige Monate nichts voneinander gehört, aber zusätzlich war in der Mail ein Link von einem Seminarhaus auf den Peloponnes, genaugenommen auf der Mani, wo diese Bekannte namens Barbara den letzten Winter verbrachte.
Und da ich ja zu diesem Zeitpunkt nichts besseres zu tun hatte, sowieso darauf wartete was als nächstes passiert, welche "Eingebungen" ich für weiter Pläne bekomme, klickte ich also auf diesen Link und schaute mir die Homepage an. Auf den Bildern war schon zu erkennen, was für ein wunderbarer Ort das ist, hoch gelegen, in den Olivenhainen, mit atemberaubenden Blick aufs Meer und der vorgerückten Landzunge, und ganz still beneidetete ich ein wenig Barbara, das sie den letzten Winter dort verbrachte. Als ich dann auf die Termine für die nächsten Seminare klickte, kam ich ins stocken, nein ins staunen! Am 23. September fand für zwei Wochen ein Seminar mit einer bekannten Schriftstellerin statt, mit dem vielversprechenden Titel "Schreiben wie die Götter". Nachdem ich das Seminarprospekt zu Ende gelesen hatte, war ich wie elektritisiert. Das könnte es sein, eine Chance um selbst etwas zu schreiben, die notwendigen Techniken und Zugänge zur eigenen Kreativiät zu finden, und vor allem das Gelernte, die Inspirationen auf meinen zukünftigen Reisen zu nutzen, Schreiben und Reisen vielleicht eine Perspektive für eine neue berufliche Existenz?!

Ja es bedarfte noch ein wenig des Nachdenkens, zwei Nächte drüber geschlafen um mich dann zu entscheiden, daran teilzunehmen, auch wenn es sehr kurzfristig war. Per email zuerst mal Kontakt mit der Leiterin aufgenommen, prompt eine Zusage erhalten, ja ich könne noch dazu stossen, einen günstigen Flug gebucht und rund eine Woche später saß ich im Flieger nach Kalamata, die nächst grössere Stadt von dem Ort wo das Seminar stattfand.
Es war aufregend, anstrengend, entspannend, erhellend, verändernd, inspirierend, erstaunend, ach ich könnte die Liste lange fortsetzen. Wir waren ein bunter Haufen von 12 verschiedenen Menschen und Altern, ich der jüngste, und einer von zwei Männern, ansonsten alles Frauen. Relativ schnell hat man sich kennengelernt, ich konnte interessante Gespräche führen u.a. mit einer Philosophin, bekam positive Rückmeldungen auf meine verfassten Texte, Tipps und Erfahrungen aus dem Verlags- und Autorengeschäft.
Kurzum, die zwei Wochen haben sich in vielerei Hinsicht gelohnt, wir sind als Fremde angekommen und haben uns herzlich als gute Bekannte verabschiedet. Ich persönlich bin mit einem mehr als positiven Gefühl zurück nach Deutschland geflogen, einem Gefühl etwas dabei zu haben, was ich auf dem Hinflug noch nicht hatte, und damit meine ich nichts was man in einen Rucksack packen kann!

Abgerundet wurde das ganze durch das tägliche sonnige Wetter, das herrliche Panorama, die Stunden am Meer, einen Tagesausflug nach Messene unter Leitung einer deutschen Archäologin, die lauen sternenklaren Nächte, dem guten Essen und Wein, und viele andere kleine und grosse Freuden des Lebens in Griechenland.