Dienstag, 11. Februar 2014

Eine Theorie von Allem Teil 5

5. Vier Sichtweisen auf die Wirklichkeit

Nachdem ich in den letzten Beiträgen eher emotionale Themen verarbeitet habe, möchte ich heute zu mehr sachlichen Themen zurückkehren und die „Theorie von Allem“ - Serie wieder aufgreifen. Im vierten und bisher letzten Teil ging ich der Frage nach, ob sich die „grüne“ Occupybewegung weiterentwickeln kann und damit einhergehend, welche Faktoren notwendig sind, um eine persönliche sowie kollektive Weiterentwicklung voran zu treiben. Im Schlussteil streifte ich den von Ken Wilber geprägten Begriff der „Generation X“, eine kulturelle Entwicklungsebene, welche gerade am Entstehen ist, und daraus hervorgehend, dass Warten auf die neuen globalen (integralen) Gründerväter der Zukunft.

In den bisherigen vier Teilen konzentrierte ich mich auf die Spirale der Entwicklung und den darin enthaltenen unterschiedlichen Bewusstseinebenen. Eine der tragenden Säulen der Integralen Theorie, aber bei weitem nicht die Einzige. Da wir in einer zunehmend komplexer werdenden Welt leben, muss per Definition eine „Landkarte“, die den Anspruch hat, diese Welt so vollständig wie möglich abzubilden, genauso umfangreich und komplex sein. Heute möchte ich eine weitere tragende Säule der Integralen Theorie einführen:

Die vier Quadranten.


Die ewige Philosophie

Die vier Quadranten sind ein Modell des Autors und Philosophen Ken Wilber. Sie stellen eine Verbindung zweier elementarer Unterscheidung der manifesten Wirklichkeit dar. Diese Grundunterscheidungen sind:

a) innerlich/äußerlich und
b) individuell/kollektiv

( integralesleben.org )

Als erstes erkennen wir hieraus, dass, wenn wir uns der manifesten Wirklichkeit annähern wollen, es grundsätzlich auf zwei Wegen möglich ist: innen/außen oder individuell/kollektiv. Eine erste und einfache Unterscheidungsmöglichkeit der relativen/dualen Wirklichkeit.

Nach Ken Wilber existiert kein Innerliches ohne ein Äußerliches, kein Äußerliches ohne ein Innerliches, kein Singular ohne ein Plural und kein Plural ohne ein Singular, und zwar seit Beginn aller Manifestation (Urknall)."

( integralesleben.org )


"Seit Beginn aller Manifestation.“ Hier ist es sehr wichtig, genau hinzuschauen. Jahrelang hat es mir das Gehirn zermartert, wie es zusammenpassen kann, dass alle großen Weisheitstraditionen der Welt, vom Christentum über den Buddhismus zum Daoismus, von einer „Ewigen Philosophie“ (Philosophia perennis) sprechen, von einem Urgrund aller Dinge, irgendeiner Form von absoluter Gottheit, aus der alle manifestierten Dinge entstehen. Eben alles, was wir sehen, hören, riechen, fühlen und schmecken können - angefangen von einer Blume im Frühjahr, einer duftenden Reisschüssel bis zum Gefühl der Liebe. Diese „Gottheit“ (oder Tao, Absolutes, Leere) ist nicht ein von allen endlichen Dingen getrenntes Großes Ding, sondern eher die Realität, das Sosein oder der Urgrund aller Dinge. Des weiteren sagen diese Traditionen, darf man sich diese Gottheit nicht als kolossales Wesen, als liebenden Vater oder einen außerhalb der Schöpfung stehenden großen Schöpfer vorstellen, sondern als die „Natur aller Naturen“, nicht etwas von allen Dingen und Ereignissen Getrenntes, eher als etwas Absolutes, welches gewissermaßen das Gewebe von allem ist, was ist.

 
Wenn wir dem folgen, bedeutet dies, dass auch der Mensch aus diesem Absolutem entstanden ist. Aber wer oder was nimmt das alles wahr?

Es gibt keine Suche nach dem Selbst, es schaut durch Deine Augen, gerade jetzt.
Das Selbst kann nicht erreicht werden.
Du kannst ganz einfach und absolut nicht erlangen, was Du nie verloren hast."

(Ken Wilber)

Diese Erkenntnis war für mich mein philosophisches Heureka. Auf einer absoluten Ebene gibt es ganz und gar nichts zu erreichen, weil es schon immer da war, langer vor meiner Geburt und lange danach. So als würden wir uns jahrelang fragen, worauf wir stehen und dann das erste Mal unsere Füße erblicken, die schon immer da waren. Mit zunehmenden Studium der Integralen Theorie setzte sich das Gedankenpuzzle immer weiter zusammen. Und zwar ganz einfach in der fundamentalen Erkenntnis: Es gibt zwei Wirklichkeiten. Und beide bedingen sich gegenseitig und beide sind gleich wichtig und gleich wahr. : Eine absolute Wirklichkeit und eine relative Wirklichkeit. Die absolute Wirklichkeit umfasst das „ICH BIN“, das Formlose, das Absolute, die Natur aller Naturen, das klare Bewusstsein. Aus dieser „Leere“ entstehen alle Dinge der relativen Wirklichkeit in unserem Bewusstsein. Hier gibt es kein gut oder schlecht, Angst oder Liebe, Schmerz oder Freude, Hunger oder Satt. Hier ist alles eins, hier ist nichts außerhalb der Berge, Flüsse und Wälder, sondern etwas, das durch die Fasern von allem und jedem fließt.

Aus diesem Urgrund entstehen alle Dinge der dualen Welt – unserer Welt. In dem Moment, wo sich unsere Seele entschieden hat, in einen Körper zu inkarnieren, betrat sie die Sphäre der stofflichen, materiellen und physischen Welt, mit all ihren Licht und Schattenseiten, mit all ihren Unterscheidungen und Dualismen, Entzückungen und Leiden. Aber das ICH BIN ist immer noch da, war immer da und wird es immer bleiben. Wie es im Diamant-Sutra steht: „Form ist Leerheit und Leerheit ist Form“. Wenn man diese beiden Wirklichkeiten als gleichwertige Dimensionen unseres Seins anerkennt, dann ergibt alles einen „Sinn“.
Die von Wilber entwickelten vier Quadranten helfen uns als Meta-Theorie, unsere immer komplexer werdende Welt, auf einer relativen Ebene so umfangreich und komplett wie möglich greifbar zu machen, indem nichts ausgegrenzt oder als falsch angesehen wird, sondern alles als Ausdruck des „Einen“ anerkannt wird und so seinen Platz in der natürlichen Ordnung der Dinge bekommt. Man kann die Integrale Theorie mit einer Alpenüberquerung vergleichen. Bevor man sich auf den Weg macht, versucht man die aktuellste und detailliertes Wanderkarte zu bekommen, weil man sich ansonsten schnell verlaufen kann. Möchte man sich durch unser immer komplexer werdendes Leben bewegen, und spürt den drängenden Wunsch dieses zu verstehen, sucht man nach einem praktischen Wegweiser, der dies alles umfasst. Die Integrale Theorie versucht diesem Anspruch gerecht zu werden.


Eine multiperspektivische Brille

Was genau beinhalten nun diese vier Quadranten? Nachdem Wilber nahezu alle Philosophien und Theorien aus Ost und West studiert hatte, trieb es ihn schier in den Wahnsinn, wie all diese Weisheiten zusammen passen sollten, ohne das die eine weniger wahr wäre als die andere - sind sie doch alle Ausdruck des „Einen“. In seiner Klause malte er eines Tages - während einer 3-jährigen Rückzugsphase - ein T-Kreuz auf ein leeres Blatt Papier. Zuvor hatte er auf unzähligen Klebezetteln all die Theorien, Systeme und Traditionen aus Ost und West zusammengetragen. Und versuchte sie zu unterscheiden und gleichzeitig zusammenzufassen. Irgendwann begann er die Zettel in die vier leeren Rechtecke zu kleben. Und plötzlich ergab alles einen Sinn und hatte seinen Platz. Wenn man die Unterscheidung der relativen Wirklichkeit in Innen/Außen und Individuell/Kollektiv als Differenzierung zulässt. Am Ende dieser Sisyphus Arbeit kamen vier unterschiedliche Perspektiven/Blickwinkel auf die Wirklichkeit heraus – die sich alle gegenseitig bedingen und ergänzen und nicht ausschließen. Dies ist elementar wichtig, ansonsten wäre es nur eine „Anhäufung“ von Theorien und Konzepten. Die vier Quadranten:

Die 4 Quadranten


Der obere linke Quadrant (O.L.) bezieht sich auf das Ich, auf alles subjektiv Erleb- und Erfühlbare, auf alles was sich im Inneren eines jeden Individuums abspielt (intentional). Man kann versuchen den Geschmack einer Erdbeere in all seinen Feinheiten einem anderem Menschen zu erklären, letztlich muss dieser selber in die Erdbeere beißen, um subjektiv den Geschmack einer Erdbeere zu erleben. Dieses innere Erleben von Zuständen, Gefühlen und Stimmungen ist einerseits unauflöslich vernetzt mit unserem physischem Gehirn, andererseits mit der jeweiligen Natur und Umgebung in der es lebt. Der Einzelne lebt nicht in einem luftleeren Raum. „Ein individuelles oder subjektives Bewußtsein existiert jedoch nicht in einem Vakuum; kein Subjekt ist eine Insel für sich. Das individuelle Bewußtsein ist unauflöslich vernetzt mit dem objektivem Organismus und Gehirn, mit der Natur, mit Gesellschaftssystemen und Umwelt und mit kulturellen Rahmenbedingungen, gemeinsamen Werten und Weltanschauungen.“ (Ganzheitlich handeln, S. 63)

Und damit berühren wir den oberen rechten Quadranten (O.R.). Hier ist das Es zu Hause - alles was man wiegen, messen und überprüfen kann. Alles was sich hier abspielt ist Verhaltensbezogen. Die empirische Wissenschaft mit all ihren Versuchsreihen und Forschungen hat hier ihren angestammten Platz (was man verifizieren und belegen kann). „ Der Oben-Rechts-Quadrant“ ist das Individuum aus objektiver, empirischer, „wissenschaftlicher“ Sicht. Das schließt insbesondere ein: organische Körperzustände, Biochemie, neurobiologische Faktoren, Neurotransmitter, organische Gehirnstrukturen (Gehirnstamm, limbisches System, Großhirnrinde) und so weiter. Wie immer wir die tatsächliche Beziehung zwischen Geist/Bewußtsein (Oben links) und Gehirn/Körper (Oben rechts) einschätzen, wir können zumindest darin übereinstimmen, dass sie eng miteinander verbunden sind“. (Ganzheitlich handeln, S. 63)

Damit haben wir die beiden individuellen/innerlichen Quadranten kurz umschrieben. Jetzt gelangen wir zum ersten kollektiven/äußeren Quadranten. Wie schon angedeutet, ist jedes Subjekt oder Ich in einen kulturellen Kontext eingebettet und lebt nicht in einem Vakuum. Sondern in einem Wir aus gemeinsamen Werten, Wahrnehmungen und Bedeutungen, eben einer Kultur, verbunden mit einer gemeinsamen Sprache. Somit gelangen wir zum ersten kollektiven Quadranten, dem unterem linkem Quadranten (U.L.) „Der Unten-Links-Quadrant beinhaltet diejenigen Muster im Bewusstsein, welche allen Menschen gemeinsam sind, die sich „in“ einer bestimmten Kultur oder Subkultur befinden. Damit Sie und ich uns überhaupt verstehen können, müssen wir zumindest eine gewisse linguistische Semantik gemeinsam haben sowie zahlreiche Wahrnehmungen, Weltanschauungen, die sich zu einem bestimmten Grad überlappen (damit Kommunikation überhaupt möglich ist), und so weiter. Diese gemeinsamen Werte, Wahrnehmungen, Bedeutungen, semantischen Standorte, kulturellen Praktiken, Ethiken und dergleichen bezeichne ich einfach als Kultur oder die intersubjektiven Muster im Bewusstsein.“ (Ganzheitlich handeln, S. 64)

All diese intersubjektiven gemeinsamen Wahrnehmungen, Werte, Traditionen und Anschauungen eines kulturellen Kontextes haben nichtsdestoweniger objektive (äußere) Entsprechungen. Wiederum existieren auch diese Anschauungen und Werte nicht in einem luftleeren Raum. Vielmehr treffen sie auf physische und techno-ökonomische Institutionen und Gesellschaftsformen. Beginnend in unserer Evolutionsgeschichte bei den Sammler- und Jäger Horden über die Agrarkultur, das Industriezeitalter bis zum heutigen Informationszeitalter. Mit diesen äußeren Korrelaten einer bestimmter kulturellen (intersubjektiven) Entwicklungsstufe berühren wir den Unteren rechten Quadranten (U.R.), dem Wir alle. „ Diese kulturellen Wahrnehmungen, die alle bis zu einem gewissen Grad in intersubjektiven Räumen im Bewusstsein vorhanden sind, haben nichtsdestoweniger objektive Korrelate, die empirisch entdeckt werden können – physische Strukturen und Institutionen einschließlich techno-ökonomischer Formen (Sammeln und Jagen, Gartenbau, Seefahrt, Landwirtschaft, Industrie, Information), Architekturstile, geopolitische Strukturen, Formen der Informationsübermittlung (vokale Zeichen, Ideogramme, Buchdruck, Telekommunikation, Mikrochips), gesellschaftliche Strukturen (Überlebenshorden, ethnische Stämme, Feudalordnungen, Nationen, körperschaftlich organisierte Staaten, Wertegemeinschaften und so weiter). Diese intersubjektiven Wirklichkeiten bezeichne ich im allgemeinen als das Gesellschaftssystem (Unten-Rechts-Quadrant). (Ganzheitlich handeln, S.64)

Wenn man einen Blick auf die relative Welt wirft, kann man sich die vier Quadranten wie eine multiperspektivische Brille mit vier Linsenprismen vorstellen. Man schaut quasi gleichzeitig durch vier Linsen. Lässt man drei Linsen weg und schaut beispielsweise nur durch die Linse des wissenschaftlichen Empirismus (O.R.), blendet man dadurch automatisch drei andere Sichtweisen (Quadranten) aus. Nun hat man die Brille des strengen empirischen Forschers auf, der nur das für wahr hält, was er durch seine Brille sieht. In der Integralen Theorie ist dazu der Begriff des (Quadranten) Reduktionismus geprägt worden. Der Vorteil einer integralen, vierprismigen Brille liegt auf der Hand. Man sieht dadurch alle vier Bereiche der relativen (dualen) Wirklichkeit. Sobald man eine Linse scharf stellt, blendet man dadurch notwendigerweise die drei anderen aus. Ein einfaches Beispiel soll diese multiperspektivische Sichtweise verdeutlichen.

Ein Gedanke

Einen Gedanken der mir kommt erlebe ich phänomenologisch (oberer linker Quadrant). Dieser Gedanke hat hirnphysiologische Entsprechungen (oberer rechter Quadrant). Der Gedanke entsteht vor dem Hintergrund meiner kulturellen Prägungen und Entwicklung und ist von diesen geformt (unterer linker Quadrant). Gleichzeitig ist dieser Gedanke auch geprägt und geformt von den sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen in denen ich lebe (unterer rechter Quadrant).

(integralesleben.org )

Die nachfolgenden Diagramme geben uns noch einmal einen groben Überblick über die vier Quadranten (Diagramm 1) sowie einige repräsentative Vertreter daraus (Diagramm 2). Man kann die vier Quadranten auch auf drei einfache „Nenner“ bringen bzw. zusammen, nämlich auf: ICH (O.L.) - WIR (U.L.) – ES/se( O.R./U.R.). Daher können die vier Quadranten zu den „Großen Drei“ vereinfacht werden (Ich, Wir und Es.) Diese wichtigen Dimensionen lassen sich auf viele unterschiedliche Weisen umschreiben: Kunst, Moral und Wissenschaft; das Schöne, das Gute und das Wahre; Selbst, Kultur und Natur.“ (Ganzheitlich handeln, S. 66)

Ich 

Wir

Es

Selbst Kultur Natur
Schönheit Gerechtigkeit Wahrheit
Ästhetik Moral Wissenschaft

Diagramm 1
( Integral-con-text.de )



ICH
WIR
ES
SIE (ES-se)
Freud Thomas Kuhn B.F. Skinner Systemtheorie
C.G. Jung Wilhelm Dilthey John Watson Talcott Parsons
Piaget Jean Gebser John Locke Auguste Comte
Aurobindo Max Weber Empirismus Karl Marx
Plotin Hans Georg Gadamer Behaviorismus Gerhard Lenski
Gautama Buddha

Physik, Biologie, Neurologie Ökologisches Gewebe des Lebens


Diagramm 2: Einige repräsentative Theoretiker in jedem Quadranten
(Ganzheitlich handeln, S. 65)

Zum Ende möchte ich Ken Wilber noch einmal zu Wort kommen lassen, um ein weiteres Mal zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, alle vier Quadranten (Linsen) gleichermaßen zu berücksichtigen, um einen umfassenden/vollständigen Blick auf die duale Wirklichkeit zu gewinnen:

„Es ist richtig, dass der obere linke Quadrant der Ort des Bewusstseins ist, wie es in einem Individuum erscheint, aber das ist ja der Punkt: wie es in einem Individuum erscheint. Und doch ist Bewusstsein als Ganzes verankert in und verteilt über alle Quadranten - intentional, verhaltensmässig, kulturell und sozial. "Löscht" man irgendeinen Quadranten aus, verschwinden alle anderen auch, weil jeder für die Existenz aller anderen unabdingbar ist.“

(integralesleben.org)


Kommentare:

  1. Hallo Libertas,

    ich habe auf der Google-Suche nach
    Gruppen oder Leuten, die sich mit
    integraler Theorie befassen, hier
    deinen Blog gefunden und habe
    gerade etliches hier gelesen
    (neben integraler Theorie deine
    Reisen, die Beziehung, der Hund,
    ein bisschen Occupy) – das meiste
    fand ich sehr interessant.

    Leider gibt es nur wenige
    Menschen, mit denen man sich über
    so etwas wie integrale Theorie
    austauschen kann. Ich kann das nur
    mit meinem Bruder, der ist der
    einzige den ich kenne, der dafür
    offen ist.

    Ich war sehr verwundert, dass es
    so wenige Kommentare zu deinem
    doch sehr schönen Blog gibt.
    Wahrscheinlich hast auch du die
    Erfahrung gemacht dass, wenn man
    sich tiefergehend mit Leuten
    austauschen will, die Zahl der
    möglichen Gesprächspartner rapide
    sinkt. Ich dachte anfangs
    integrale Theorie, das ist doch
    etwas, das viele Leute ansprechen
    müsste – weit gefehlt, leider.


    Herzliche Grüße

    Martin

    P.S: Irgendwie funktioniert das mit dem Zeilenumbruch hier nicht so recht.

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  2. Hallo Martin,

    vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar und den damit verbundenen Kompliment. Ich freue mich immer wieder über Austausch.

    Das es hier so wenig Kommentare respektive auch Leser gibt, liegt wohl zum großen Teil an mir. Wie du sicherlich gesehen hast, gab es eine (Aus) Zeit, in der ich lange nichts veröffentlicht habe. Zudem bin ich so ein "Querbettblogger", der gerade über das schreibt, was ihm auf Herz und Seele brennt - und einen hohen Anspruch an die Qualität der Beiträge hat (okay, lassen wir ein paar Reiseartikel davon mal aussen vor:)

    Andererseits macht eventuell gerade das die Würze und Authentizität eines originären Bloggs aus!?

    Ich habe da ganz ähnliche Erfahrungen gemacht wie du, in Bezug auf Austausch zur Integralen Theorie. Es ist wirklich schwierig, Menschen zu finden, die sich dafür interessieren und es auch in ihrerer Komplexität verstanden haben. Und mir auch schon ein paar Mal das "Maul" verbrannt, insbesondere mit Menschen, die schwerpunktmässig dem "grünen Mem" angehören.

    Irgendwie scheine ich die auch in meinem privaten Umfeld anzuziehen, was andererseits ja nicht verwunderlich ist, da, wie du sicherlich weißt, die erste Integrale Entwicklungsebene (die Gelben), ers weltweit am entstehen ist (ca. 1-3%) und auf den ersten Blick, die Schnittmengen zwischen "Grün" und "Gelb" sehr groß sind.
    Und ganz nebenbei, meine andauernden Reibungen mit den Werten und Ansichten von "Grün" auf meinen verborgenen Schatten hinweisen:)

    Sehr gerne können wir uns weiter über Intergrales oder andere interessante Themen austauschen, gerade von diesem Austausch und Reflektieren wird aus einer "Metatheorie" erst eine Lebenspraxis.
    Über das Kontaktformular kannst du per Email mit mir Kontakt aufnehmen.

    Herzliche Grüsse
    Ode Libertas
    (per email erfährst du natürlich meinen richtigen Namen)

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  3. Hallo Ode Libertas,

    was die Leseranzahl angeht, steht dein Blog gar nicht so schlecht da, finde ich, aber ansonsten hast du natürlich in allem recht. Was du schreibst, ist schon häufig tiefer, als das, was in vielen Blog steht.

    Mein Fachgebiet ist der Islam, den ich nicht nur studiert habe, sondern den ich auch aus dem Leben in der arabischen Welt kenne.

    Die ungesund-grüne Sicht ist natürlich, dass es zwischen Christentum, Buddhismus und Islam gar keine Unterschiede gibt. Für mich sind aber schon die Unterscheide zwischen Protestantismus, einem spirituellen Kloster-Katholizismus und beispielsweise Zen sehr groß, ich halte diese drei auch für ziemlich unterschiedliche Gebilde.

    Orthodoxer Islam (es gibt natürlich natürlich auch andere Islamformen) ist mit den oben angeführten drei Wegen in keiner Weise "gleichwertig", das sind sie schon untereinander nicht, müssen sie auch nicht.

    Wenn man das heute im völlig ergrünten akademischen Milieu äußert, ist der Teufel los, wie du dir ja bestimmt sehr lebhaft vorstellen kannst. Mich stoßen diese reflexartigen Reaktionen nur noch ab.

    Integrale Theorie wäre meines Erachtens schon eine Möglichkeit, da irgendwie einen Ausweg zu finden, den man auch kommunizieren kann. Nur wie man das praktisch macht, ist eine gar nicht so einfache Frage.

    Auch was Rationalität oder den Umgang mit dem Christentum angeht, kann fieses Grün verheerend sein.
    Die Buddhisten lassen die Grün-Fanatiker an der Uni zum Gluck ja meist in Ruhe

    Was mich interessieren würde, sind Leute, die sich jenseits der üblichen Bretter vorm Kopf vielleicht auf einen tieferen Austausch einlassen.

    Hast du da vielleicht schon Erfahrungen gemacht oder irgend eine Ecke oder ein Forum gefunden, wo man da eher weiterkommt?

    Herzliche Grüße

    Martin

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  4. Hallo Martin,

    freut mich sehr, dass dir mein Blog so gut gefällt, und du sogar mehr Tiefe entdeckt hast, als in manch anderen. Ich kann jetzt schon mal ankündigen, dass ich diese Tiefe weiter ausloten möchte. Zur Zeit verspüre ich wieder große Lust über die Integrale Theorie zu schreiben, und so wird sicherlich die "Theorie von Allem" Serie weiter fortgesetzt. ( Es gibt noch viele Themen und Stränge dazu).

    Zu dem, was du zum "grünen Egalitarismus" (Gleichmacherei) gesagt hast, kann ich dir nur uneingeschränkt zu stimmen. Gerade in der akademischen Welt, was du sicherlich besser beurteilen kannst als ich. (habe nie studiert. Wilber schreibt darüber aber einiges, inbesondere in Ganzheitlich handeln + EKL).

    Interessant, dass du Islam studiert hast und sogar schon in der arabischen Welt unterwegs warst.Das war sicherlich sehr hilfreich zum tieferen Verständnis jenseits von trockenen Uni-Lehrbüchern und Seminaren? Wie du vielleicht schon anhand einiger Berichte auf dem Blog gesehen hast, praktiziere ich seit einigen Jahren in der Zen Tradition und war vor 4 Jahren auch in Japan. Und während dieser Zeit für einige Tage in einem traditionellen Zenkloster in der Nähe von Kyoto. Dies war eine sehr tiefgreifende Erfahrung und hat mir einmal mehr gezeigt, dass wirkliche Erfahrung und Erkenntnis "erlebt" werden muss. Bücher sind nur "Fingerzeige":) (obgleich auch wichtig)

    Noch ein paar Sätze zur grünen Bewusstseinstufe: Wie bei allen vorherigen muss man hier auch die Errungenschaften sehen. (Umweltschutz etc.). Aber natürlich auch die Schattenseiten. Und diese liegen in der Ablehnung von jeglichen Hierarchieformen.
    Das es aber in der Natur der Dinge liegt, dass es in der manifesten Welt Unterscheidungen und (Wachstums) Hierarchiern gibt, wird dabei völlig verkannt. Oder ist es eine Abwertung, wenn ich mich morgen früh für den grünen Tee entscheide anstatt für den Schwarzen? Vielleicht ein bisschen banal, aber ich glaube die Richtung ist klar. Es geht nicht um besser oder schlechter, sondern um gerechter und angemesser. Ein 5. Klässler ist nicht schlechter als ein Abiturient, trotzdem steht er in einer Wissenshierarchie unter dem Abiturienten (und kann sich dort noch hinentwickeln.) Ach, ich könnte noch viele Beispiele geben, und höre jetzt lieber auf...)

    Ich hatte das große Glück durch einen Menschen (und nicht durch Bücher) mit der Integralen Theorie in Berührung gekommen zu sein, der seit 20 Jahren "dabei ist."
    Ja, aber auch in Deutschland gibt es einige Möglichkeiten. Ich haue hier einfach mal ein paar Links mit rein.

    Das Integrale Forum würde ich als DAS Forum für Theorie und Praxis bezeichnen.

    http://integralesleben.org/index.php?id=648

    Dann gibt es Integrale Salons in ganz Deutschland. Ich war mal in einem in Nürnberg. Man sitzt in einem Stuhlkreis und jeder kann seine Meinung kundtun. ("Grün" ist hier gut transzendiert, trotzdem eine gute Möglichkeit für Austausch unter "Gleichgesinnten".)

    http://integralesleben.org/nc/il-home/if-integrales-forum/integrale-salons/

    Und dann gibt es noch diese Initiative auf politischer Ebene:

    http://de.simpol.org/index.php?id=69

    Es gibt einige Handlungsfelder des Integralen im täglichen Leben (Medizin, Wirtschaft etc). Auf dem IF findest du einiges dazu. Das vernetzen und austauschen ist aber aus meiner Perspektive derzeit das wichtigste - also genau das, was wir gerade machen:)

    Einen schönen Abend.

    Liebe Grüsse
    "Ode"

    (vorerst bleibe ich noch bei meinem Nick auf diesem Blog)

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  5. Doch noch ein Satz zu akademischen "grünen" Welt. Hier wäre ich wirklich neugierig und du bist ja mittendrin.

    Gerade die Religion, wie du sicherlich schon gehört hast, bezeichnet Wilber als "Förderbänder" für eine Weiterentwicklung zu höheren (transpersonalen) Bewusstseinsschichten.

    Soweit ich das studiert habe, gibt es natürlich zwischen allen drei großen monothestischen Religionen Gemeinsamkeiten, aber eben auch Unterschiede in der Auslegung.

    Und das habe ich nicht ganz verstanden: Warum lassen "grüne Uni-Fanatiker" gerade die Buddhisten in Ruhe?

    So, für heute aber genug..:)

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